Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Vorayuth Yoovidhya Thailändischer Red-Bull-Erbe bleibt nach tödlichem Unfall straffrei

Die Familie Yoovidhya ist als Mitgründer des Konzerns reich geworden. In Thailand steht nun der Vorwurf im Raum, dass dieser Reichtum vor Strafe schützt.
24.07.2020 - 16:18 Uhr Kommentieren
Der Mann, der eines Tages das Milliardenerbe der thailändischen Red-Bull-Erfinder antreten wird, ist nach seiner Flucht nun auch offiziell frei. Quelle: AP
Vorayudh Yoovidhya

Der Mann, der eines Tages das Milliardenerbe der thailändischen Red-Bull-Erfinder antreten wird, ist nach seiner Flucht nun auch offiziell frei.

(Foto: AP)

Bangkok Mit der Weltmarke Red Bull stieg der thailändische Yoovidhya-Clan an der Seite des Österreichers Dietrich Mateschitz zu einer der reichsten Unternehmerfamilien Asiens auf. Doch über der Erfolgsgeschichte der Mehrheitseigentümer des Getränkekonzerns liegt seit September 2012 ein Schatten. An einem frühen Montagmorgen soll Vorayuth Yoovidhya, Enkel des Firmengründers, mit seinem Ferrari einen Polizisten überfahren und getötet haben. Anschließend flüchtete er, mutmaßlich ins Ausland. Der Justiz stellte sich der künftige Erbe eines Milliardenvermögens nie.

Doch fast acht Jahre nach der fatalen Unfallfahrt gilt Vorayuth nun wieder als unbescholtener Mann. Die thailändische Polizei gab am Freitag überraschend bekannt, dass alle Anklagepunkte gegen den inzwischen 35-Jährigen fallen gelassen werden. Vorayuth könne damit wieder nach Thailand reisen, ohne mit juristischen Problemen rechnen zu müssen, sagte ein Polizeisprecher.

Die Entscheidung der Behörden löste in Thailand Empörung aus. Die Einstellung des Verfahrens nährt den lange gehegten Verdacht, dass in dem Justizsystem des südostasiatischen Schwellenlandes eine Zweiklassengesellschaft herrscht, in der sich Milliardäre und ihr Nachwuchs der Strafverfolgung entziehen können.

Polizeivertreter wiesen den Vorwurf zurück. Es werde in dem Fall nicht mit zweierlei Maß gemessen, beteuerten sie. Die Entscheidung, die Anklage fallen zu lassen, sei von der Staatsanwaltschaft getroffen worden. Aus welchen Gründen dies geschehen sei, wollten die Behörden nicht näher erläutern. Von der Polizei hieß es lediglich: „Wir machen nicht das, was die Öffentlichkeit will.“ Das Vorgehen hänge lediglich von den Beweisen ab.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Mit dem Privatjet ins Ausland

    Dabei schien lange klar, was am Ende jener Septembernacht passierte: Ermittler folgten damals einer Ölspur und fanden einen schwer verbeulten Ferrari vor dem Familienanwesen der Yoovidhyas in der noblen Bangkoker Wohngegend Thonglor. Sie waren sich sicher, dass die Schäden von einem Crash bei hoher Geschwindigkeit stammten. Vom Zusammenstoß mit einem 47 Jahre alten Motorradpolizisten, der bei dem Unfall um halb sechs Uhr morgens starb. Erst gab die Familie an, ein Angestellter hätte am Steuer gesessen – bis kurz darauf der damals 27-jährige Vorayuth zugab, dass er es getan hatte.

    Auf Vorladungen antwortete der Enkel des Firmengründers Chaleo Yoovidhya, der in Thailand einst die Grundrezeptur von Red Bull erfunden hatte und das populäre Vorgängergetränk herstellte, über seine Anwälte stets mit Bitten um Aufschub. Mal sei er krank gewesen sei, mal habe er dringende Geschäftstermine im Ausland gehabt.

    Der Ferrari, mit dem offenbar der Unfall 2012 verursacht wurde. Quelle: AFP
    Zerstörter Sportwagen

    Der Ferrari, mit dem offenbar der Unfall 2012 verursacht wurde.

    (Foto: AFP)

    Erst 2017 erhoben die Behörden Anklage – wegen rücksichtslosem Fahren mit Todesfolge und Fahrerflucht. Vorayuth setzte sich daraufhin thailändischen Medien zufolge ungehindert mit einem Privatjet ins Ausland ab. Erst Monate später ließen die Behörden ihn via Interpol zur Fahndung ausschreiben.

    Dass der Fall nun ohne Angabe genauer Gründe im Nichts endet, stieß in Vorayuths Heimat auf Unverständnis. Nutzer in sozialen Medien zeigten sich schockiert. Sira Jenjaka, Parlamentsabgeordneter der Regierungspartei Phalang Pracharath, kündigte an, die Strafverfolgungsbehörden zu den Vorgängen befragen zu wollen. „Gefängnis ist nicht nur etwas für Arme“, kommentierte Sira.

    Kein Kommentar von Red Bull

    Erst im Juni hatte Thailands nationale Antikorruptionskommission Fehlverhalten von Polizeibeamten in dem Fall festgestellt. Demokratieaktivisten wollten die umstrittene Nachsicht für Vorayuth bei für das Wochenende geplanten Antiregierungsprotesten zum Thema machen.

    Die Verwandten Vorayuths äußerten sich nicht. Der Yoovidhya-Clan, der 51 Prozent an Red Bull hält und laut „Forbes“ über ein Vermögen von mehr als 20 Milliarden Dollar verfügt, hielt sich seit Beginn des Skandals im Hintergrund. Schon der 2012 gestorbene Patriarch Chaleo Yoovidhya galt als äußert öffentlichkeitsscheu.

    Er kam als Kind chinesischer Einwanderer in der thailändischen Provinz zur Welt. Die Familie lebte von der Entenzucht, bis Chaleo Mitte der 50er-Jahre eine Pharmafirma aufbaute. Den Durchbruch schaffte sie mit einem Getränk, das wie Medizin in kleinen, braunen Glasflaschen verkauft wird. Sein Name: Krating Daeng – zu Deutsch: roter Stier.

    Mateschitz überzeugte Chaleo in den 80er-Jahren davon, das Getränk mit verändertem Rezept und neuer Verpackung auch auf den europäischen Markt zu bringen – und schuf damit eine Weltmarke. Den Umgang seiner thailändischen Geschäftspartner mit dem tödlichen Unfall wollte Mateschitz in der Vergangenheit nicht kommentieren. Das sei schließlich eine Familienangelegenheit, hieß es. Auch die aktuelle Anfrage des Handelsblatts beantwortete der Konzern ähnlich: „Wir können dies nicht kommentieren, da es nicht um Red Bull geht und nur die Familie Yoovidhya betrifft.“

    Mehr: Die dunkle Seite der Crazy Rich Asians

    Startseite
    Mehr zu: Vorayuth Yoovidhya - Thailändischer Red-Bull-Erbe bleibt nach tödlichem Unfall straffrei
    0 Kommentare zu "Vorayuth Yoovidhya: Thailändischer Red-Bull-Erbe bleibt nach tödlichem Unfall straffrei"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%