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Votum für Konzernzentrale Steuergeschenk für Unilever bringt niederländischen Premier in Erklärungsnot

Die niederländische Regierung will auf 1,4 Milliarden Euro Steuern verzichten – obwohl die Entscheidung des Konzerns für Rotterdam schon gefallen ist.
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Unilever: Steuergeschenk bringt Mark Rutte in Erklärungsnot Quelle: dpa
Unilever baut in Rotterdam aus

Wurde der Ausbau der Unilever-Zentrale in Rotterdam mit Steuergeldern erkauft?

(Foto: dpa)

Hamburg Die Entscheidung von Unilever, künftig seine Zentrale allein in Rotterdam zu unterhalten und London zum reinen Spartensitz herunterzustufen, ist eigentlich ein Riesenerfolg für den niederländischen Premierminister Mark Rutte. Schließlich stand er seit Monaten unter Druck, nachdem sein Land mehrere Konzernsitze verloren hatte.

Doch nun, nach vollzogener Entscheidung, regt sich neue Kritik: Rutte erkaufe den Erfolg mit einem milliardenteuren Steuergeschenk.

Eine „Erpressungspolitik von Unilever und eine Prestigepolitik des Premierministers“ beklagte etwa der Parteichef der Grün-Links-Partei, Jesse Klaver. Konkret geht es darum, dass Ruttes Regierung die Steuer auf Dividenden, die ins Ausland fließen, streichen will – obwohl diese Maßnahme in keinem Wahlprogramm stand.

Das soll multinationalen Konzernen wie Unilever die Entscheidung für einen Sitz in den Niederlanden erleichtern. Schließlich gibt es etwa in Großbritannien eine solche Steuer nicht.

Bislang arbeiten 3100 Menschen für Unilever in den Niederlanden und 7300 in dem deutlich größeren Vereinigten Königreich. Aus historischen Gründen sitzt der Konzern bislang in beiden Ländern, will aber nach einem gescheiterten Übernahmeversuch durch Heinz-Kraft effizienter werden und kündigte am Donnerstag nach monatelanger Debatte an, Rotterdam zum alleinigen Sitz zu machen.

Für den Regierungsplan kommt die Unilever-Entscheidung nun womöglich zu früh. Schließlich ist die Steuererleichterung noch nicht Gesetz – obwohl die Regierung sie gerade mit Blick auf die Diskussion bei Unilever beschließen wollte.

Nun aber schafft der Konzern schon vorher Fakten. „Das Kabinett wird entlarvt“, sagte Klaver. „Dieses Geschenk an Aktionäre muss vom Tisch.“ Auch aus der größeren sozialdemokratischen Oppositionspartei PvdA kommt Kritik. Schließlich hatte Unilever bereits angekündigt, nur wenige Jobs verlagern zu wollen.

Langnese, Knorr, Dove – das sind die Marken von Unilever
Ben & Jerry's
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Im Jahr 1978 beschlossen die Freunde Ben Cohen und Jerry Greenfield den US-amerikanischen Speiseeishersteller Ben & Jerry's zu gründen. Durch das humoristische Marketing und soziales Engagement erreichte die Marke schnell Kultstatus. Während in den 80er-Jahren der Versuch von Konkurrent Häagen-Dazs, den Vertrieb zu beschränken, noch erfolgreich abgewehrt werden konnte, waren die Gründer im August 2000 bei der feindlichen Übernahme durch Unilever machtlos. Seither gehört der Hersteller zum Konzern, soziale Projekte bestehen aber weiter fort. Trotzdem ist das Ansehen angeknackst. So musste 2010 etwa der Slogan „All natural“ gestrichen werden, da in fast allen der 53 Eissorten auch künstliche Zusatzstoffe enthalten seien.

(Foto: AP)
Langnese
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Eis am Stiel erfreut sich weltweit größter Beliebtheit. Seit 1935 gehört die Marke mit Produkten wie Magnum, Solero oder dem später integrierten Cornetto zum Konzern – und ist global eine feste Größe. Auch wenn das Speiseeis in anderen Ländern unterschiedliche Namen trägt. So heißt Langnese in Griechenland Algida, in Spanien Frigo und in der Schweiz Lusso.

(Foto: dpa)
Knorr
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Die Geschichte des Lebensmittelherstellers Knorr reicht bis ins Jahr 1838 zurück. Damals eröffnete Carl Heinrich Theodor Knorr einen Gemischtwarenladen in Heilbronn. In der Folge überstand das Unternehmen zwei Weltkriege, im Jahr 1959 stieg aber die CPC-Tochter Maizena zum Mehrheitsaktionär von Knorr auf und setzte die Umwandlung in eine GmbH durch. Maizena selbst ging 1998 in den neugegründeten Bestfoods-Konzern auf, der wiederum zwei Jahre später mit weiteren Marken wie Mondamin von Unilever übernommen wurde.

(Foto: picture alliance)
Lipton
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Lipton macht heute zehn Prozent des weltweiten Teeverkaufs aus. Der Konsumgüter-Konzern erwarb die Marke zwischen den Jahren 1938 und 1972 und entwickelte seitdem neue Marken und Produktmodelle. So stießen zum traditionellen Eistee dann auch die klassischen Teebeutel, die mittlerweile in Pyramidenform daherkommen. Seit 1991 arbeitet Unilever zudem beim Verkauf einiger Sorten mit PepsiCo zusammen.

(Foto: Imago)
Bertolli
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Mit dem Hersteller von unter anderem Teigwaren und Olivenöl wird es bei Unilever echt italienisch. Im Jahr 1865 in der Toskana gegründet, blieb das Unternehmen fast einhundert Jahre lang in familiärer Hand. Ab 1963 ging es dann aber hin und her. Erst Montecatini, dann Montedison (1966), anschließend die Società Meridionale di Elettricità (1972) und 1994 letztlich Van den Bergh, eine italienische Unilever-Tochter. Aber damit nicht genug, seit rund einem Jahrzehnt wird Bertolli selbst stark aufgesplittet. So liegt das Olivenöl- und Essiggeschäft heute beim spanischen Konzern deOleo, die Tiefkühlkost-Sparte bei der US-Firma ConAgra Foods und die nordamerikanischen Saucen- und Pastaaktivitäten gingen nach Japan an Mizkan.

(Foto: ad publica)
Pfanni
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Der bekannte Hersteller von küchenfertigen Kartoffelprodukten wurde 1949 von Werner Eckart gegründet und hat einen ähnlichen Werdegang wie Knorr hinter sich. 1998 wurde das Unternehmen an CPC Deutschland verkauft, das später in Bestfoods umbenannt und zwei Jahre später von Unilever übernommen wurde. Die Pfanni GmbH & Co. OHG firmiert heute im mecklenburg-vorpommerischen Stavenhagen.

(Foto: picture alliance)
Du darfst
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Als „erste Lightmarke“ wurde Du darfst in den 70er-Jahren mit einer Halbfettmargarine eingeführt und richtet sich bis heute vornehmlich an Frauen. Es folgten verschiedene Käsevarianten sowie Konfitüre und Wurst. Heute erstreckt sich die Marke auf über 40 Produkte.

(Foto: picture alliance)

„Unilever lässt sich in den Niederlanden nieder, aber die Anzahl der zusätzlichen Arbeitsplätze ist null. Das Resultat: Die Niederlande sind um 1,4 Milliarden Euro ärmer, und es gibt keine Extra-Jobs“, sagte Klaver. Offiziell will Unilever eine zwei- bis dreistellige Anzahl Jobs verlagern, hatte aber bereits in den vergangenen Monaten einige Mitarbeiter nach Rotterdam verschoben.

„Unilever umarmt das rheinische Modell“
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