Wal-Mart Weltgrößter Einzelhändler schließt Hunderte Filialen

Der Online-Händler Amazon setzt Wal-Mart zu. Der Einzelhandelsgigant will Milliarden ins E-Commerce investieren – und schließt nun mehr als 250 Geschäfte. Der ewige Niedrigpreis zieht nicht mehr.
Update: 15.01.2016 - 16:16 Uhr
Der Einzelhandelsriese schaltet in den Sparmodus. Quelle: ap
Wal-Mart Supercenter

Der Einzelhandelsriese schaltet in den Sparmodus.

(Foto: ap)

ChicagoWal-Mart schließt weltweit 269 Läden. Davon betroffen seien insgesamt etwa 16.000 Mitarbeiter, davon 10.000 in den USA, teilte der weltgrößte Einzelhändler am Freitag kurz vor US-Börseneröffnung mit. In den USA sollen 154 Läden dichtmachen, davon 102 kleinere Geschäfte, die seit 2011 unter der Marke Wal-Mart Express betrieben werden. Der Konzern wolle sich künftig stärker auf seine großen Supercenter konzentrieren.

Wal-Mart betrieb zuletzt nach eigenen Angaben weltweit fast 11.600 Filialen und beschäftigte 2,2 Millionen Mitarbeiter. Wal-Mart-Aktien lagen nach der Ankündigung im vorbörslichen Handel 1,8 Prozent im Minus.

„Filialen zu schließen, ist nie eine einfache Entscheidung, aber es ist notwendig, damit das Unternehmen stark und gut aufgestellt für die Zukunft bleibt“, betonte Wal-Mart-Chef Doug McMillon. Er versprach, dass man sich bemühen werde, den betroffenen Mitarbeitern Stellen in anderen Läden zu bieten.

Wal-Mart bleibe trotz der Schließungen, die weniger als ein Prozent der globalen Verkaufsfläche und des Umsatzes beträfen, auf Expansionskurs. Im kommenden Jahr sollten 240 neue Läden im Ausland eröffnet werden. Der Konzern will seinen Finanzbericht für das vierte Quartal am 18. Februar vorlegen.

Wal-Mart hatte Investoren bereits Mitte Oktober auf langfristige Gewinneinbußen eingestellt. Grund sind - neben Ausgaben für den Konzernumbau - steigende Personal- und Lohnkosten nach Gehaltserhöhungen sowie eine Offensive im Online-Handel. Dem größten US-Einzelhändler sitzt die Konkurrenz von Amazon im Nacken. Das Online-Unternehmen ist nicht nur im Internetgeschäft deutlich größer als Wal-Mart, sondern wächst in diesem Bereich auch schneller. Zum Vergleich: Amazon setzte 2014 im Internet 89 Milliarden Dollar um, während der Riese aus Bentonville nur auf etwas mehr als zwölf Milliarden Dollar kam. Bis Anfang 2017 will Wal-Mart daher zwei Milliarden Dollar in E-Commerce investieren.

Die alte Stärke des Einzelhandelsriesen, der ewige Niedrigpreis, zieht nicht mehr richtig. Walmarts „größter Konkurrent ist online und schert sich nicht um Gewinne“, sagte Brian Yarbrough, Analyst von Edward Jones über Amazon, das seit Jahren zwar stark steigende Umsätze, aber nur minimale Profite ausweist. „Die Preisunterschiede zwischen den Anbietern sind so gering geworden, dass andere Dinge wie Einkaufserlebnis und Annehmlichkeit entscheiden.“

Diese Einzelhändler scheiterten in Deutschland
Verkauf von Kaufhof
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Der Deal ist durch: Nach wochenlangen intensiven Verhandlungen haben sich die Metro und der kanadische Kaufhauskonzern Hudson's Bay Company auf einen Verkauf von Kaufhof geeinigt. Nach den Erfahrungen mit dem deutsch-amerikanischer Nicolas Berggruen, früher Eigentümer von Karstadt, herrscht Skepsis mit Blick auf einen ausländischen Investor, der den deutschen Markt nicht kennt. Vor allem das Geschäft mit Warenhäusern, von denen es in Deutschlands Innenstädten nur noch Karstadt und Kaufhof gibt, gilt als schwierig.

Spezielle Verhältnisse in Deutschland
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Zwar bescheinigen Verhandlungskreise Richard Baker, dem Eigentümer von Hudson´s Bay Company, und seinem Management, dass sie sehr gut über die speziellen Verhältnisse in Deutschland informiert sind und professionell auftreten. Aber es gibt eine Reihe von erfolgreichen ausländischen Einzelhändlern, die in der Vergangenheit auf dem hart umkämpften deutschen Markt scheiterten.

Wal-Mart gab auf
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Nach acht Jahren in den roten Zahlen gab Wal-Mart 2006 in Deutschland auf. Trotz weltweiter Erfolge war es dem US-Handelskonzern nicht gelungen, sich gegen die starke Konkurrenz der Discounter durchzusetzen. Der Markteintritt sorgte für viele Spekulationen. So dachte man, Wal-Mart könnte die Metro AG schlucken und damit über Nacht zum Branchenprimus werden. Doch es kam anders.

Wal-Mart-Konzept griff nicht
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Sein verlustreiches Deutschlandgeschäft gab der US-Konzern nämlich schließlich an den Konkurrenten Metro ab. Der führende deutsche Handelskonzern übernahm 85 Filialen. Wal-Mart sei nie richtig in Deutschland angekommen, hieß es später in Branchenkreisen. Das Konzept von Wal-Mart griff nicht, die Konzernführung räumte ein, die Schwierigkeiten im hart umkämpften deutschen Markt unterschätzt zu haben.

Marks & Spencer überlebte nicht
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Die britische Kette Marks & Spencer versuchte gleich mehrfach, in Deutschland Fuß zu fassen. Die Mode traf offenbar den Geschmack der Deutschen nicht – und wurde zum Ladenhüter. 2001 zog das Unternehmen einen Schlussstrich und schloss nicht nur die Geschäfte in Deutschland, sondern auf dem gesamten europäischen Festland. Insgesamt wurden 38 Filialen geschlossen. Die Verluste in den deutschen Filialen waren besonders hoch und machten dem Konzern schwer zu schaffen.

Rückkehr nur Online
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Es dauerte rund zehn Jahre, bis sich Marks & Spencer von dem Flop bei der Expansion erholt hatte. 2012 kam der Modehändler wieder nach Deutschland – die Produkte gab es dieses Mal allerdings nur noch online. Die Briten wollten sich diesmal eine Eigenart zu nutze machen: Deutsche kaufen gerne bequem und billig ein.

Delhaize setzte sich im deutschen Markt nicht durch
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2003 wollte die belgische Delhaize Group (Archivbild) in Deutschland durchstarten. Insgesamt gab es vier Delhaize-Märkte, doch die Filialen in Köln und Aachen waren nicht rentabel. 2008 machten sie nach Delhaize-Angaben einen Umsatz von 19,5 Millionen Euro, schrieben dabei aber einen „leichten Verlust“. Weniger später gab Delhaize bekannt, dass die Filialen verkauft werden sollen.

  • rtr
  • dpa
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