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Walmart, Target, Home Depot Der US-Einzelhandel boomt – dank der Schecks vom Staat

Die Amerikaner haben dank Staatshilfen fleißig weitergeshoppt. Nun drohen diese wegzufallen. Die Unternehmen bleiben trotz Rekordergebnissen vorsichtig.
20.08.2020 - 04:37 Uhr Kommentieren
Der US-Einzelhandel boomt – dank der Schecks vom Staat Quelle: imago images/Bildbyran
New York im April 2020

Während der Corona-Pandemie blieben die Amerikaner zuhause und haben deutlich häufiger online eingekauft.

(Foto: imago images/Bildbyran)

New York Coronakrise? Welche Coronakrise? Trotz pandemiebedingter Massenarbeitslosigkeit haben die US-Amerikaner in den vergangenen Monaten dank großzügiger Schecks aus Washington kräftig weitergeshoppt. Vor allem Ketten, die sowohl Lebensmittel als auch günstige Alltagsprodukte und Kleidung anbieten, und Heimwerkermärkte haben im ersten Halbjahr alle Erwartungen übertroffen. Außer Nahrung liefen auch Fahrräder, Fernseher und Heimwerkerbedarf bestens.

Doch der US-Einzelhandel war im ersten Halbjahr durch die staatlichen Hilfen gedopt. Nach den bisher überraschend guten Ergebnissen in der Krisenzeit stellt sich die Frage, wie es in den kommenden Monaten weitergeht, wenn die Staatshilfen nicht mehr so großzügig fließen. Während es bisher 600 Dollar pro Woche gab, werden die Zuschüsse in Zukunft wohl deutlich geringer ausfallen.

Der Supermarktriese Walmart etwa hat in den USA im zweiten Quartal neun Prozent mehr umgesetzt als im Vorjahr und auch mit seinem hohen Gewinn alle Erwartungen übertroffen. Aber einen Ausblick für den Rest des Jahres wollte Vorstandschef Doug McMillon nicht geben, solange nicht klar ist, ob und wie es mit den Staatshilfen aus Washington weitergeht. Dort verhandeln Demokraten und Republikaner derzeit mitten im Wahlkampf über die Höhe der Beihilfen.

Corona habe dem Geschäft ganz klar geholfen: „Die Faktoren, die unser Geschäft positiv beeinflusst haben, waren erstens das Konjunkturpaket, zweitens Mahlzeiten zu Hause und drittens der Wunsch, alle Dinge im und um das Haus angenehmer zu gestalten“, sagte der Walmart-Chef am Dienstag. Aber bereits im Juli seien die Kunden zurückhaltender geworden, nachdem sie den letzten Scheck der Regierung aufgebraucht hatten.

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    Rückkehr in die Schulen unsicher

    Auch der Chef der Einzelhandelskette Target, Brian Cornell, wollte trotz Rekordergebnis im zweiten Quartal keinen Ausblick für das zweite Halbjahr geben. Es sei schwierig, das Einkaufsverhalten in der Pandemie vorauszusagen.

    Außer den Staatshilfen nannte Cornell als Grund auch die Unklarheit, ob die Schüler in die Schulen zurückkehren werden. Da das Coronavirus in vielen Bundesstaaten weiter massiv grassiert, ist noch immer nicht klar, ob und wie viele Schüler in diesen Wochen das Halbjahr tatsächlich im Klassenzimmer beginnen. Für Target sind die „Back to School“- Verkäufe von Heften, Schreibwaren und neuer Kleidung stets ein wichtiger Umsatzbringer. Doch derzeit herrscht überall in den USA großes Chaos, was die Planung für die Schulen betrifft.

    „Während ich hier heute sitze, weiß ich nicht, ob in 30 Tagen die Zahl der zurückgekehrten Schüler bei sechs Prozent oder bei 96 Prozent liegt“, sagte der Traget-Chef. „Deshalb müssen wir flexibel sein.“

    Grafik

    Die Heimwerkermärkte mahnen ebenfalls zur Vorsicht. Craig Menear, Chef von Home Depot, hat zwar im zweiten Quartal alle Erwartungen übertroffen, weil so viele Menschen die Zeit zu Hause nutzten, um ihre Eigenheime zu verschönern. Aber im Gespräch mit Investoren warnte er, dass der Rückenwind aus dem zweiten Quartal wohl nicht im dritten Quartal anhalten werde. Konkurrent Lowe hatte seinen Ausblick bereits im Mai zurückgezogen, teilte aber mit, dass der positive Trend bisher auch im August anhält.

    Was alle US-Einzelhändler gemeinsam haben: Ihr Onlinegeschäft boomt. Walmart versucht bereits seit einigen Jahren erfolgreich, sich als Konkurrent zu Amazon zu positionieren, der auch flächendeckende Geschäfte hat. Mit der Corona-Pandemie hat sich dieser Kurs noch beschleunigt. Das Onlinegeschäft konnte Walmart im zweiten Quartal verdoppeln. Das gilt sowohl für Lieferungen als auch für die Bestellungen, die man bei Walmart online aufgeben und am Straßenrand vor dem Geschäft abholen kann.

    Walmart will Amazon Prime Konkurrenz machen

    Da der Onlinehandel so gut läuft, will Walmart nun einen Mitglieder-Service nach dem Vorbild von Amazon Prime aufbauen. Genaue Details oder einen Zeitplan für das neue Programm mit dem Namen „Walmart+“ nannte CEO McMillon noch nicht. Aber Mitglieder sollen ihre Lieferungen schneller erhalten.

    Charlie O’Shea, Vizepräsident der Ratingagentur Moody’s, lobte das starke Onlinegeschäft von Walmart. Der Einzelhändler „legt die Latte für Multi-Channel-Retail immer höher, indem das Unternehmen seine massive physische Präsenz mit seinen E-Commerce-Initiativen verbindet“, schrieb er. Die Tatsache, dass trotz des enorm angestiegenen Volumens und der hohen Kosten wegen Covid-19‧ auch noch die Gewinnmargen stiegen, sei ein sehr gutes Zeichen.

    Konkurrent Target gilt ebenfalls als Erfolgsgeschichte im Onlinebereich. Die Kette mit der rot-weißen Zielscheibe als Markenzeichen hat nach eigenen Angaben seit Corona zehn Millionen neue Onlinekunden gewonnen und den Umsatz im Digitalbereich fast verdreifacht. Das Geschäft mit dem „Curbside-Pick-up“ – im Internet bestellen, am Straßenrand abholen – konnte Target sogar verachtfachen.

    Ähnliches gilt für die Heimwerkermärkte. Auch sie bauen ihr Onlinegeschäft aus und setzen auf soziale Medien. Home Depot etwa will seine digitalen Tutorials erweitern. Dort wird Kunden erklärt, wie man ein Holzdeck vors Haus oder einen Ofen einbaut.

    Wie viel die Amerikaner dann auch in Zukunft für die Verschönerung ihrer Häuser und Wohnungen ausgeben, wird aber vor allem davon abhängen, ob die Wirtschaft wieder anspringt und wie hoch die Schecks aus Washington in den kommenden Monaten ausfallen. Darüber geht der Streit derzeit noch weiter.

    Mehr: Angst vor der zweiten Welle: Wie sich Deutschland wappnen kann

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