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Filialen von Karstadt und Kaufhof in Trier

Der kanadische Kaufhof-Eigentümer Hudson's Bay Company (HBC) und der österreichische Karstadt-Eigner Benko sprachen bereits seit Juni über eine Fusion der Kaufhausketten.

(Foto: dpa)

Warenhäuser Deal mit Karstadt steht – warum der Verkauf von Immobilien für Kaufhof-Mutter HBC so wichtig war

Die beiden großen Warenhausketten haben ihre Fusionsverträge unterzeichnet. Karstadt-Chef Fanderl sieht das neue Unternehmen vor „harter Arbeit und großen Herausforderungen“.
Update: 11.09.2018 - 17:49 Uhr Kommentieren

Düsseldorf In den internen Unterlagen trägt der neue deutsche Kaufhausriese noch den profanen Arbeitstitel „New German Retail OpCo“. Doch die Zielrichtung ist klar: Eine Fusion der beiden Kaufhausketten Karstadt und Galeria Kaufhof soll die verloren gegangenen Marktanteile zurückgewinnen – und langfristig ihr Überleben im Markt sichern.

„Durch dieses Gemeinschaftsunternehmen haben zwei Traditionsunternehmen eine ideale Lösung gefunden, um sich im stark umkämpften deutschen und europäischen Einzelhandelsmarkt erfolgreich zu positionieren“, sagt Karstadt-Chef Stephan Fanderl, der das Joint Venture leiten soll.

Doch auch ihm ist klar: „Jetzt beginnt eine Phase, die von harter Arbeit und großen betrieblichen Herausforderungen geprägt ist.“

Schon die Einigung auf die Rahmenbedingungen der Fusion erforderte drei Monate harte Verhandlungen. Das Ergebnis: Der kanadische Handelskonzern Hudson’s Bay Company (HBC) bringt seine europäische Tochter Galeria Kaufhof in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Karstadt-Mutter Signa ein, an dem er künftig 49,99 Prozent der Anteile hält. Die restlichen Anteile und die unternehmerische Führung gehen an die Signa-Gruppe des österreichischen Investors René Benko.

Es wird über zahlreiche Marken verfügen. Neben Kaufhof sind das Karstadt und Karstadt Sports. Dazu kommen eine niederländische Kaufhauskette unter dem Namen Hudson’s Bay, die europäischen Läden der Outlet-Kette Saks Off 5th, der Lebensmittel- und Gastronomiebereich (Dinea, Galeria Gourmet, Karstadt Feinkost, Le Buffet) und diverse E-Commerce-Plattformen. Das neue Unternehmen verfügt über 243 Standorte in Europa und beschäftigt insgesamt 32.000 Mitarbeiter.

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Das zentrale Element aus Sicht von HBC aber war die dahinterliegende Immobilientransaktion. Denn aktivistische Investoren des in Toronto notierten Konzerns fordern seit Monaten angesichts des schwächelnden Handelsgeschäfts, dass HBC Werte aus seinem großen Immobilienbesitz realisiert. Mit dem Abschluss in Europa kann das Unternehmen nun Vollzug melden.

So fließen allein 411 Millionen Euro in Cash aus dem Verkauf von Kaufhof-Immobilien direkt an HBC. Zusätzlich kann das Unternehmen jetzt 230 Millionen Euro an Hypothekenkrediten in Europa ablösen. Im Gegenzug hält Signa künftig 50 Prozent an 57 Kaufhof-Häusern.

„Diese Transaktion schafft signifikante Werte für unsere Anteilseigner und verbessert unsere Bilanz“, betonte Helena Foulkes, Vorstandschefin von HBC. Dabei profitiert HBC besonders von der Wertsteigerung der Immobilien. So hat der Konzern 2015 für Galeria Kaufhof insgesamt 2,51 Milliarden Euro gezahlt. Mit dem jetzigen Deal werden allein die deutschen Immobilien mit 3,25 Milliarden Euro bewertet.

Kann die Fusion Kaufhof und Karstadt retten?

Einen Sonderfall bilden zwei Edelimmobilien: Das Carsch-Haus in Düsseldorf und der Kaufhof-Standort in Köln gehen zu 100 Prozent an Signa. Von den 430 Millionen Euro, die HBC dafür bekommt, gehen 200 Millionen als Kapitalisierung direkt wieder in das neue Joint Venture aus Kaufhof und Karstadt. Zusätzlich investieren beide Eigentümer jeweils weitere 100 Millionen in die „New German Retail OpCo“.

Kapital wird das neue Unternehmen dringend brauchen. Denn es muss nicht nur in die Modernisierung der Häuser und in den E-Commerce investieren. Angesichts der heute noch bestehenden Doppelstrukturen stehen auch Personalabbau und die Schließung von Standorten auf der Agenda – und damit die Zahlung von Abfindungen.

So wird voraussichtlich die Karstadt-Zentrale in Essen aufgegeben, in der heute noch 1000 Menschen arbeiten, und die Verwaltung weitgehend am Kaufhof-Standort Köln konzentriert. Auch laufen in nächster Zeit Mietverträge für einige Häuser aus, die wohl nicht fortgeführt werden.

Konkrete Zahlen über Stellenabbau und Schließungen gibt es noch nicht. Das wird in den kommenden Monaten verhandelt. Doch angesichts sinkender Umsätze und der aufgelaufenen Verluste gibt es dazu wohl keine Alternative.

Die Gewerkschaft Verdi hat bereits Widerstand angekündigt. Zukunftsträchtige Konzepte für beide Warenhäuser brauchten mehr Arbeitsplätze und nicht weniger, forderte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. „Wer Geld für solch eine große Transaktion hat, muss auch Geld für die Beschäftigten haben“, sagte sie.

Zugleich spricht sie sich gegen eine Verschmelzung der Warenhäuser aus. „Beide Warenhäuser haben ihren Platz in Deutschland. Wenn das Konzept stimmt, können Doppelstandorte sogar eine Stärke sein“, so Nutzenberger.

Experten haben da große Bedenken. Jörg Funder, Professor für Unternehmensführung im Handel an der Hochschule Worms, sieht nur für die Hälfte der knapp 180 Warenhäuser eine Zukunft in der heutigen Verwendung. Für den Rest müsse eine alternative Nutzung gefunden werden.

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Kartellamt prüft ausführlich

Großen Aufwand würde es auch bedeuten, beide Marken, Karstadt und Kaufhof, nach Jahren der Misswirtschaft wieder für den Kunden attraktiv zu machen. „Durch Fantasielosigkeit, zu viele Sparrunden und einen großen Investitionsstau haben die Manager die Faszinationskraft der Warenhausmarken entwertet“, analysiert Markenexperte Klaus-Dieter Koch, der Gründer der Managementberatung BrandTrust.

Die einzige Chance sieht er darin, sich nicht nur auf den reinen Handel zu konzentrieren, sondern die Warenhäuser wieder zum sozialen Zentrum in den Städten zu machen, an dem die Menschen sich treffen – wie auf einem Marktplatz. Die Marken so wieder neu aufzuladen werde jedoch einige Zeit benötigen. „Fünf Jahre reichen da nicht“, so Koch.

Kurzfristig müssen die Warenhausmanager ohnehin noch ganz andere Hürden überwinden. So steht der Abschluss des Deals noch unter dem Vorbehalt der Wettbewerbsbehörden. Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt hat eine vertiefte Prüfung der Fusion angekündigt.

„Einen vergleichbaren Fall hat es in Deutschland noch nicht gegeben“, sagt Kartellrechtsexperte Jens Steger von der Kanzlei Simmons & Simmons. „Es ist unwahrscheinlich, dass es noch in diesem Jahr eine Freigabe geben wird.“

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