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Warenhauskonzern Karstadts neue Berlin-Filiale könnte Vorbild für die Fusion mit Kaufhof werden

Vorstandschef Stefan Fanderl hat erstmals seit Jahren ein neues Warenhaus eröffnet. Für die Karstadt-Strategie ist die Filiale von großer Bedeutung.
Update: 25.10.2018 - 18:30 Uhr Kommentieren
René Benko will beweisen, dass die Warenhaus-Idee eine Zukunft hat. Quelle: dpa
Neues Karstadt-Warenhaus in Gropius-Passagen

René Benko will beweisen, dass die Warenhaus-Idee eine Zukunft hat.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Viel Holz und Licht und große Bildschirme an den Wänden: Am Donnerstagmorgen eröffnete Karstadt-Chef Stefan Fanderl die erste neue Filiale seit vielen Jahren. „Hier fließt vieles ein von dem, was wir in den letzten zwei Jahren über Digitalisierung, aber auch über das Eingehen auf die lokalen Bedürfnisse unserer Kunden gelernt haben“, lobte Fanderl das neue Konzept der Filiale in der Gropius-Passage in Berlin-Neukölln.

Das 80. Haus des Warenhauskonzerns ist zugleich eine Blaupause für die geplante Fusion von Kaufhof und Karstadt. Denn die neue Dependance ist ausgerechnet in einer ehemaligen Kaufhof-Filiale entstanden. Was sich in Berlin eher zufällig ergeben hat, könnte es künftig vielleicht häufiger geben: dass Kaufhof-Filialen den Karstadt-Häusern weichen müssen – oder umgekehrt, wenn das Portfolio des neuen Warenhauskonzerns bereinigt wird.

Auch dürften wohl nicht alle Filialen die Fusion überstehen. Branchen-Fachleute fürchten, dass nur die Hälfte der insgesamt 180 Häuser überleben werden. Derzeit prüft das Kartellamt den geplanten Zusammenschluss.

Fanderl tut zumindest alles dafür, dass die Karstadt-Häuser nach den harten Sanierungsjahren bei der Zusammenlegung der Standorte gute Überlebenschancen haben – und will Ende 2019 oder Anfang 2020 in Berlin-Tegel zusätzlich eine noch größere Filiale eröffnen.

In den neuen Häusern versucht er, On- und Offline-Welt miteinander zu verbinden. Die Kunden können alleine oder gemeinsam mit den Mitarbeitern über Bildschirme durch das komplette Angebot in der Filiale sowie im großen Online-Warenhaus von Karstadt surfen.

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Außerdem können sie über die mobilen Endgeräte von Mitarbeitern ihr Hemd oder ihren Kochtopf bezahlen und so lange Schlangen an den Kassen umgehen. Auch heute im Einzelhandel übliche Dienste wie Click & Collect, also das Abholen im Internet bestellter Ware, oder Click & Reserve, das Reservieren von online bestellten Produkten, bietet das neue Karstadt-Haus in der generalüberholten Gropius-Passage.

„Wir haben um jede Filiale gekämpft“

Der Karstadt-Eigentümer, Signa-Chef René Benko, glaubt jedenfalls an das Überleben der Warenhäuser. „Stephan Fanderl und sein Team haben bei Karstadt bislang einen Riesenjob gemacht“, sagte er kürzlich im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Sie haben bewiesen, dass das Warenhaus eine Zukunft hat.“

In diesem Interview, seinem ersten seit fünf Jahren, widersprach er der These vom großen Warenhaus-Sterben. „Wir hatten nach der Übernahme von Karstadt fertig ausgehandelte Sozialpläne für die Schließung von 25 Filialen in der Schublade. Aber wir haben trotzdem um jede einzelne Filiale gekämpft.“ Am Ende seien nur drei Warenhäuser tatsächlich geschlossen worden.

Experten sind indes skeptisch, ob es Benko und Fanderl so gelingen wird, aus den beiden letzten deutschen Warenhaus-Konzernen eine neue schlagkräftige Einheit zu formen. Um langfristig Kunden in Kaufhäuser und Shoppingcenter zu locken, müssen die Konzepte nach Ansicht von Fachleuten noch deutlich radikaler modernisiert werden.

„Der wichtigste Grund für die Probleme der Shoppingcenter ist das veränderte Einkaufsverhalten der Millennials“, erklärt André Zücker, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft KGAL, die selber in Einkaufszentren investiert. Daran hätten sich seiner Einschätzung nach die meisten Center noch nicht angepasst. „Wer sich als Alternative zum immer mehr zunehmenden Onlinehandel etablieren will, muss viel mehr Aufenthaltsqualität bieten.“

Kaufhof und Karstadt haben das Problem erkannt. Sie wollen die online-verwöhnten Kunden nicht nur mit den üblichen Gastronomie-Angeboten wie Restaurants und Cafés in ihre Häuser locken. Sie setzen vor allem darauf, neue Handelspartner in ihre Filialen aufzunehmen. So hat Kaufhof in einigen Häusern Platz gemacht für die US-Kosmetikkette Sephora und für die britische Modekette Topshop/Topman.

Auch Fanderl will seine Häuser zu Marktplätzen machen. So hat er in drei Filialen in den vergangenen Jahren Flächen für die Möbelkette Who‘s Perfect freigeräumt. Das war „sehr erfolgreich“, wie er vor kurzem im Gespräch mit dem Handelsblatt sagte. Und im Souterrain des verlustreichen Hauses in Düsseldorf hat er die bisherige Lebensmittelabteilung verkleinert und so Platz gemacht für eine Filiale des Discounters Aldi.

Bislang hat Fanderl bereits zehn Prozent der gesamten 1,1 Millionen Quadratmeter großen Verkaufsfläche aller Häuser an Handelspartner vermietet. „Das kann durchaus noch mehr werden“, findet der designierte Chef der Deutschen Warenhaus AG. Es dürfe nur nicht so viel werden, „dass wir unseren Markenkern damit gefährden“, sagte er im Interview.

Warenhaus als Marktplatz

Der von Karstadt bereits in Ansätzen verfolgte Gedanke des Marktplatzes könnte in der Tat ein möglicher Weg sein, um wieder mehr Kunden in die Innenstädte zu locken. „Karstadt und Kaufhof haben eine gigantische Chance: Sie müssen wieder zum sozialen Zentrum in den Städten werden, wo Menschen sich treffen“, sagt Klaus Dieter Koch, Markenexperte und Gründer der Managementberatung Brand Trust. „Nur wenn ihnen das gelingt, haben sie eine Zukunftschance.“

Gleichzeitig sind sie wie in der Gropius-Passage darauf angewiesen, dass das Umfeld in der Shoppingmall stimmt. Da sind sie auf die Betreiber der Einkaufstempel angewiesen. „Ein erfolgreiches Center braucht einen ausgewogenen Mix an Formaten“, sagt Andreas Trumpp, Head of Research Deutschland beim Immobilienexperten Savills Investment Management. Das Thema Nahversorgung habe in den letzten Jahren wieder etwas an Bedeutung gewonnen. Karstadt mit seinem Konzept der stark auf die regionalen Bedürfnisse zugeschnittenen Sortimente könnte genau diese Wünsche bedienen.

Dass die Eigentümer Unibail Rodamco-Westfield und TH Real Estate die Gropius Passagen für rund 125 Millionen Euro umfassend modernisieren, hält Immobilienexperte Trumpp für eine wichtige Voraussetzung für künftigen Erfolg. „Die Betreiber können sich nicht mehr lange auf ihren Investitionen ausruhen, sie müssen sich immer wieder überlegen, welche neuen Trends muss ich aufgreifen“, mahnt er. Beispielsweise gebe es eine Bewegung hin zu einer immer höherwertigeren Gastronomie, um die Aufenthaltszeiten der Besucher zu erhöhen und sie dadurch zu animieren, mehr Geld im Center auszugeben.

Aufbruchsstimmung im Online-Geschäft

Dennoch dürfen sie bei aller Aufbruchstimmung das Online-Geschäft nicht vernachlässigen. karstadt.de steuert erst zehn Prozent zum Umsatz des Essener Konzerns bei. Auch da setzt Fanderl wie in den stationären Warenhäusern auf seine Marktplatzstrategie. So will er für das Online-Portal auch externe Händler gewinnen, die zur Konzernstrategie passen. Doch erst müssen die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen insbesondere in der IT geschaffen werden.

Das passt in die Sanierungsstrategie von Karstadt-Eigentümer Benko. Er sieht die einmalige Chance, sich in besten Citylagen als Marktplatz der Zukunft zu positionieren. „Wir werden unsere Online-Plattformen mit dem stationären Geschäft intelligent verknüpfen, und das mitten in der Innenstadt“, kündigte Benko an.

Reine Onlineanbieter suchten mittlerweile händeringend Präsentationsflächen und Logistik- beziehungsweise Service-Hubs in Toplagen: „Wir haben sie“, freut sich Benko.

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