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Wassersprudler Pepsi will Sodastream für fast drei Milliarden Euro übernehmen

Pepsi will sich langsam von der ungesunden Limonade verabschieden. Die milliardenschwere Übernahme von Sodastream soll das Getränkegeschäft stärken.
Update: 20.08.2018 - 09:16 Uhr Kommentieren
Sodastream: Pepsi will den Wassersprudler übernehmen Quelle: AP
Das Pepsi-Logo

Der Getränkekonzern Pepsi bietet Sodastream-Aktionären 144 Dollar je Anteil.

(Foto: AP)

Hamburg Pepsico will für 3,2 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) den israelischen Wassersprudler Sodastream schlucken. Der US-amerikanische Getränke- und Lebensmittelkonzern biete den Aktionären 144 Dollar je Aktie, teilte der Coca-Cola-Rivale am Montag mit.

Das wäre ein 32-prozentiger Aufschlag auf den Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage. Die Führungsspitzen beider Konzern hätten der Übernahme bereits zugestimmt.

Für Pepsi passt die Übernahme in die Strategie der vergangenen Jahre: Weil immer mehr Verbraucher zuckerhaltige Softdrinks in den Regalen stehen lassen, hat Pepsi verstärkt auf kalorienärmere Alternativen wie etwa aromatisiertes Sprudelwasser oder zuckerfreie Sportgetränke gesetzt. Zugleich wurde das Geschäft mit Snacks durch neue Geschmacksrichtungen, gesündere Herstellungsmethoden und neue Verpackungen gestärkt.

Allerdings schwächelte vor allem die Getränkesparte zuletzt. Mit der Übernahme von Sodastream will Pepsi für den Konzern neue Segmente besetzen. Beim Sodastream-System wird eine spezielle Flasche mit Leitungswasser gefüllt und in ein Gerät gesteckt. Knopf drücken – und das Wasser perlt. Die Kohlensäure kommt aus einem Zylinder. Ist dieser leer, kann er im Handel umgetauscht werden.

Das börsennotierte Unternehmen Sodastream kennt Höhen und Tiefen. Erfolgreich ist es vor allem in Westeuropa. 7,7 Prozent der deutschen Haushalte besitzen laut Unternehmensangaben einen Sodastream-Sprudler. Das sind fast so viele wie im Heimatland Israel, wo in jedem zehnten Haushalt ein Sprudler steht. Dazu trägt bei, dass das Unternehmen in den vergangenen Jahren seine Produktpalette und Werbung regional angepasst hat. So bietet Sodastream in Deutschland speziell entwickelte Geräte mit Glasflaschen an und konzentriert sich in der Werbung auf das Thema Bequemlichkeit statt Kistentragen.

In den USA hat Sodastream den großen Durchbruch bislang noch nicht geschafft. Dort stehen die Sprudler nur in 1,4 Prozent der Haushalte. Sodastream-Chef Daniel Birnbaum provoziert gerne. Auf dem amerikanischen Markt setzte Sodastream stark auf seine internationale Kampagne, die neben Coca-Cola ausgerechnet den jetzigen Käufer Pepsico für ihren Flaschenverschleiß stark angriff.

Immer wieder produzierte Sodastream aggressive Fernsehspots gegen die Konkurrenten, die die Fernsehsender teilweise nicht ausstrahlen wollten. Die Giganten drohten ihm mit Klagen, was Birnbaum wieder geschickt nutzte, um für sein Produkt Werbung zu machen.

Für Schlagzeilen sorgte Birnbaum, als ihn die Boykottbewegung BDS wegen der Fabrik in der besetzten Westbank ins Visier nahm. Der Druck war so stark, dass Sodastream die Produktion in den Süden Israels verlegte, in die Beduinenstadt Rahat. Durch den Umzug verloren mehrere Hundert Palästinenser ihren Job, weil sich Israels Regierung weigerte, den arbeitslosen Palästinensern eine Einreisebewilligung nach Israel auszustellen.

Heute bezeichnet Birnbaum die Produktionsstätte in Rahat als „Mini-Uno“. PR-bewusst führt er Journalisten durch die Anlage und zeigt ihnen, wie Juden aus der Ex-UdSSR und aus Äthiopien, Drusen und Palästinenser sowie Beduinen kooperieren, ohne dass es zu Streitigkeiten komme.

In der Folge ist die Aktie in den vergangenen Monaten gestiegen – und legte am Montag nach Bekanntwerden des Übernahmeangebots nochmal kräftig zu.

Zuletzt setzten die Tel Aviver stärker auf neue Produkte als auf PR. Bedruckte Sprudlerflaschen und neue Sirupe ohne Zucker und mit mehr natürlichen Zutaten sollen bestehende Kunden dazu bringen, mehr Geld auszugeben. Das Unternehmen verdient nämlich nicht nur an den Sprudlern, sondern auch an den Tauschzylindern mit der Kohlensäure, an Ersatzflaschen und Sirup.

Nach einem Umsatzrückgang 2014 hat Sodastream auf die Erfolgsspur zurückgefunden: Umsatz und Profitabilität steigen seitdem stetig. Für das erste Quartal 2018 meldete der Konzern ein Umsatzplus von 25 Prozent auf 144 Millionen Dollar. Die operative Marge hat sich in den vergangenen drei Jahren auf mehr als 15 Prozent verdreifacht.

Die Wurzeln von Sodastream reichen mehr als 100 Jahre zurück nach Großbritannien. In der aktuellen Form ist das Unternehmen allerdings eine israelische Erfolgsgeschichte. 1991 gründete sich der Sprudler-Hersteller in dem Land neu unter dem Namen Soda Club und übernahm später die Rechte an der älteren Marke Sodastream, die zwischenzeitlich bei Schweppes lagen.

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