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Weihnachtsshopping Vorsicht vor den Datenschnüfflern

Datenschutz beim Onlineshopping bleibt ein frommer weihnachtlicher Wunsch, wie eine Studie zeigt. Kunden können beim Geschenkekauf ausspioniert werden. Große Sammelwut herrscht gerade in sensiblen Bereichen.
Update: 19.12.2017 - 16:08 Uhr 6 Kommentare
Amazon, Otto, Docmorris : Vorsicht, Datenschnüffler! Quelle: dpa

Damit die keine Spionageprogramme auf dem PC einschleusen können, sollten Schutzsoftware und Browser stets aktuell gehalten werden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Weihnachtszeit ist Shopping-Zeit. Vor allem auch in den zahllosen Onlineshops laufen die Geschäfte jetzt wieder auf Hochtouren. Was kaum einer weiß oder auch einfach ausblendet: Kunden von Internetgeschäften können bei ihrem unbedachten Treiben auf Schritt und Tritt mit spezieller Analysesoftware verfolgt werden – das ist legal und gehört zum alltäglichen Business im Web.

Was sich hinter diesen sogenannten Trackern und Cookies verbirgt, weiß IT-Experte Tobias Schrödel. Ihm wurde mal Werbung für ein Buch eingeblendet, auf dessen Verlagswebseite er ein paar Tage vorher den Klappentext aufgerufen hatte. Zufall? Keineswegs. „Das Ganze dient dazu, unseren Einkauf zu optimieren“, erklärt Schrödel.

Also: Wem Äpfel gefallen, der kauft auch eher Apfelsaft, der mag wahrscheinlich auch Apfelmus und der möchte vielleicht auch Apfelgelee auf sein Frühstücksbrot schmieren. Werbung für Birnen wird daher nicht kommen. „Firmen zahlen gutes Geld für personalisierte Werbung, denn auch der Absatz geht wahrscheinlich in die Höhe. Und Wahrscheinlich ist immer noch besser, als blind irgendjemanden irgendetwas anzubieten“, so der Experte.

Der Hamburger Datenschutz-Spezialist eBlocker hat gerade elf Onlineshops in Deutschland (Amazon, Otto, Zalando, Notebooksbilliger, Bonprix, Mediamarkt, 123gold, Orion, Manufactum und Proidee) im Hinblick auf den Einsatz solcher Datensammler untersucht. Zwar lässt eBlocker seinerseits offen, auf welcher Grundlage speziell diese Shops ausgewählt wurden, das Thema jedoch dürfte wohl auch für die zehn umsatzstärksten Onlineshops eine Rolle spielen, denn kaum ein Onlinehändler trackt das Verhalten seiner Webseitenbesucher nicht in irgendeiner Art und Weise (was soweit weder verboten noch skrupellos ist, so lange sie sich dabei an bestimmte gesetzlich vorgegebene Regeln halten).

Die Analyse, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, erfolgte auf Basis einer Auswertung der jeweiligen Startseiten. Das Ergebnis ist laut Geschäftsführer Christian Bennefeld „gleichermaßen überraschend wie alarmierend“: Von den untersuchten Shops informierte gerade einmal einer vollumfänglich über die eingesetzten Tracker.

Besonders erschreckend sei, dass sich die meisten gezählten Tracking-Instrumente in den sensibelsten Geschäftsbereichen tummeln würden – Sex und Gesundheit. So zählte eBlocker beim Erotikversand Orion 43 Tracker, bei der Onlineapotheke Docmorris sollen 24 zum Einsatz kommen. „Welche Informationen hierbei so erhoben werden, dass eine bestimmte Person identifiziert werden kann, ist bestenfalls unsicher“, kritisiert Bennefeld.

Die Hamburger Otto Group, die in der Untersuchung mit drei Shops (Otto.de, Bonprix.de und Manufactum.de) in der Untersuchung vertreten ist, widerspricht dem Datenschnüffler-Vorwurf auf Nachfrage vehement. So würden beispielsweise keine personalisierten Profile durch den Einsatz von Tracker-Software erstellt. Ein Sprecher: „Der Schutz und der vertrauliche Umgang mit Kundendaten haben für uns oberste Priorität. Wir arbeiten streng gemäß der geltenden deutschen Datenschutzgesetze. Die Analyse des Einkaufsverhaltens und der damit verbundenen Erhebung und Verarbeitung von Nutzerinformationen ist gängige Vorgehensweise im E-Commerce.“

Unklar bleibt, wo die Daten landen
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6 Kommentare zu "Weihnachtsshopping: Vorsicht vor den Datenschnüfflern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Frau Susanne Minneker, 19.12.2017, 16:27 Uhr

    "So lässt sich z.B. das „Recht auf Vergessen werden“ einfordern."

    Naja, einfordern lässt sich vieles. Im Prinzip alles.

    "Verbraucher erhalten Anspruch darauf, ..."

    Ein Anspruch ist nur dann etwas wert, wenn man ihn auch durchsetzen kann.

  • Im kommenden Mai wird es für Verbraucher einfacher sich über die eigenen gespeicherten Daten kostenfrei zu informieren. Die EU hat mit der GDPR (engl.) / DSGVO (dt.) eine neue Verordnung geschaffen, die die Grundlagen zur Verarbeitung von Daten einheitlich regelt. Davon sind alle europäischen und internationalen Unternehmen, die in der EU Geschäfte machen, betroffen. Unternehmen erhalten mehr Pflichten, Verbraucher mehr Rechte! So lässt sich z.B. das „Recht auf Vergessen werden“ einfordern. Verbraucher erhalten Anspruch darauf, dass eigene personenbezogene Daten gelöscht werden. Dieses Recht greift, wenn die Zwecke, für die Daten erhoben wurden, sich erübrigt haben oder die Einwilligung in die Verarbeitung widerrufen wird. Weitere Infos z.B. https://www.pcwelt.de/a/datenschutz-mehr-rechte-fuer-buerger-mehr-pflichten-fuer-unternehmen,3447846 . Unternehmen benötigen zukünftig eine sehr gute Information Governance, wenn sie das Risiko rund um personenbezogene Daten reduzieren wollen. Das ist mir als Online-Kunde sehr wichtig, da ich bei Nachfrage (Subject Access Request) natürlich kein blaues Wunder erleben möchte.

  • Hab' leider vergessen, in meinem Kommentar von eben ganz oben das Zitat, auf das ich mich beziehe, einzufügen:

    "Große Sammelwut herrscht gerade in sensiblen Bereichen."

    Na klar, die sind (...)

  • Na klar, die sind ja auch am interessantesten. Schon deshalb, weil damit am meisten Geld zu „machen“ ist. Egal, was für Datenschutzgesetze wir haben, ob sie eingehalten werden oder nicht (und letztlich auch, wenn man sich durch geeignete Anonymisierungsmaßnahmen wie die unten im Artikel vorgestellten vor der Datensammelwut zu schützen versucht):

    Solange der Wert eines Menschen sich offenbar in erster Linie daran bemisst, wieviel er erarbeiten kann, um es (am besten gleich) wieder zu verkonsumieren, werden wir dieses Problems jedenfalls nicht Herr werden.


    „Zu Deutsch: man bindet so schnell und dynamisch Dritte in seine Internetseite ein, dass man sich über die personenbezogenen Daten und Persönlichkeitsrechte der Kunden leider erst später kümmern kann (…)“

    Wie heißt es nochmal bei Brecht: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“.


    Zu „Hinter vorgehaltener Hand sagen mir Politiker offen, dass etwas geschehen müsste, die meisten Menschen sich für Privatsphäre- und Datenschutz aber einfach nicht interessieren. Es ist kein Top-Thema. Und so wird selbst bestehendes Recht nicht wirklich konsequent eingefordert. Der öffentliche Druck fehlt einfach.“:

    Die meisten Menschen dürften sich wahrscheinlich durch Gewissheit „ruhigstellen“ lassen, ganz bestimmt nicht die Einzigen zu sein, die dieses Problem betrifft, sie sich also sozusagen „in bester Gesellschaft“ befinden. Was das ganz persönliche Sicherheitsrisiko, das ihnen aus der aus dieser Schnüffelei erwächst, allerdings in keinster Weise mindert.

  • Sehr geehrte Frau Kontio,

    und jetzt? Was mache ich mit Ihren "Warnungen"? Soll ich eine Depression kriegen? Oder einfach auf die Nutzung des gesamten Internets verzichten? Oder mich mit aufwendigen Programmen vor Verfolgung schützen? Ich werde weder noch. Und dennoch überleben.

  • "Mit den Analysen gehe man lediglich auf den Kundenwunsch nach personalisierten und individualisierten Angeboten ein. Der Sprecher: „Dennoch prüfen wir natürlich permanent, wo wir uns im Sinne unserer Kundinnen und Kunden weiter verbessern können, und sind dankbar für entsprechende Hinweise, denen wir hier entsprechend umgehend nachgekommen sind.“"

    Heißt übersetzt:

    "Wir wollen den gläsernen Kunden. Wir wollen alles über ihn wissen. Das sagen wir im aber nicht, sondern reden ihm ein, daß wir nur SEIN bestes wollen. Dazu machen wir alles, was nicht explizit verboten ist, manchmal auch mehr - es merkt schließlich niemand.

    Wenn irgendetwas in den AGB steht , ist es legal. Wenn der Kunde die AGB wegklickt, statt zu lesen - > selber schuld."

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