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Weltbild-Insolvenz „Die Insolvenz-Anmeldung stinkt zum Himmel“

Die katholische Kirche will keine weiteren Millionen in die Sanierung ihres Weltbild-Verlags stecken. Doch nach dem Insolvenzantrag wächst die Kritik. Verstößt die Kirche gegen die Prinzipien der eigenen Soziallehre?
12.01.2014 Update: 12.01.2014 - 18:58 Uhr Kommentieren
Weltbild-Filiale: Der Buchhändler kämpft ums Überleben. Quelle: PR

Weltbild-Filiale: Der Buchhändler kämpft ums Überleben.

(Foto: PR)

Augsburg Nach der Insolvenz des Weltbild-Verlags wächst die Kritik am Finanzierungsstopp der katholischen Kirche für die Unternehmenssanierung. Gegenüber den mehr als 6000 Beschäftigten sei die Entscheidung der katholischen Bischöfe, den Geldhahn zuzudrehen, ein riesiger Skandal, sagte der Augsburger Verdi-Sprecher Thomas Gürlebeck am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Die Laienbewegung „Wir sind Kirche“ forderte eine vollständige Transparenz der kirchlichen Entscheidungen. Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) sieht noch Chancen für eine Rettung der Verlagsgruppe.

Gribl berief sich dabei auf die Ergebnisse eines Runden Tisches, zu dem er am Samstag geladen hatte. Nach dem knapp zweieinhalbstündigen Gespräch sagte er, man gehe derzeit von einer positiven Prognose für eine Fortführung des Unternehmens aus. Dieser Optimismus stütze sich auch darauf, dass ja ein ausgearbeitetes Konsolidierungskonzept vorgelegen habe und dieses auch mit den Banken abgestimmt gewesen sei.

An diesem Konzept hätten namhafte Wirtschaftsprüfer wie KPMG und Andersch mitgewirkt, betonte Timm Bossmann, einer der Verdi-Vertrauensleute bei Weltbild, nach der Gesprächsrunde bei Gribl. „Und plötzlich zieht die Kirche den Stecker, das kann keiner nachvollziehen in Augsburg.“ Man dürfe auch nicht vergessen, dass die Kirche in den vergangenen 20 Jahren extrem gut am Weltbild-Verlag verdient habe. Der Gewerkschaft vermutet, dass eher kirchenpolitische statt wirtschaftliche Gründe den Ausschlag für den Insolvenz-Antrag gegeben haben.

„Die Insolvenz-Anmeldung stinkt zum Himmel“, sagte Verdi-Sprecher Gürlebeck. Sie stehe im diametralen Gegensatz zur katholischen Soziallehre und den Prinzipien des Christentums. „Die Bischöfe stehlen sich aus ihrer Verantwortung.“ Von den angeblich bis zu 160 Millionen Euro, die laut Aufsichtsrat in den kommenden drei Jahren für die Sanierung nötig sein sollten, sei bisher niemals die Rede gewesen.

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    Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, betonte hingegen, die Kirche sei vom gestiegenen Kapitalbedarf überrascht worden. „Wir konnten es als Gesellschafter nicht verantworten, auf absehbare Zeit dreistellige Millionensummen aus Kirchensteuermitteln zu investieren“. Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagausgabe) kündigte Marx zugleich Hilfen für die Mitarbeiter in dem finanziellen Rahmen an, den die Kirche zuletzt für eine Sanierung zugesagt habe - das wären 65 Millionen Euro. „Wir sind kein skrupelloser Unternehmer, der die Mitarbeiter einfach davonjagt.“ Allerdings müsse erst der Insolvenzverwalter den tatsächlichen Bedarf ermitteln.

    „Wir sind Kirche“-Sprecher Christian Weisner forderte Aufklärung, warum die zunächst geplante Umwandlung der Verlagsgruppe in eine Stiftung nicht geglückt sei. Es sei sehr bedauerlich, dass die vorliegenden Sanierungskonzepte nicht konsequent umgesetzt oder weiterentwickelt worden seien. Offensichtlich hätten interne Differenzen zwischen den kirchlichen Gesellschaftern hier eine entscheidende Rolle gespielt.

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