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Welternährungstag Der bittere Nachgeschmack einer Tasse Tee

Die Menschen, die unser Essen ernten, haben meist selbst nicht genug davon. Eine Studie beleuchtet das Problem nun am Beispiel von Teepflückern. An deren Situation sind auch große Konzerne wie Unilever nicht unschuldig.
14.10.2014 - 11:10 Uhr Kommentieren
Die Blätter im Teebeutel werden von Landarbeitern gepflückt, die von ihrem Lohn kaum leben können. Quelle: dpa

Die Blätter im Teebeutel werden von Landarbeitern gepflückt, die von ihrem Lohn kaum leben können.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Aufstehen, Wasserkocher an, Beutel in die Tasse, sieben Minuten ziehen lassen: Wer einen Tee trinken will, braucht in den Industrienationen dafür nur wenige Minuten. Bis das Getränk aber in unserer Tasse landet, dauert es deutlich länger: Die Blätter, die dem heißen Wasser ihren Geschmack geben, müssen erst einmal gepflückt werden. Doch die Menschen, die unser Essen ernten, haben selbst meist nicht genug davon.

Landarbeiter zählen zu einer Berufsgruppe, die für ihre Arbeit auf Plantagen weltweit oft so wenig Lohn bekommen, dass sie damit noch nicht einmal das Existenzminimum erreichen. Das gilt unter anderem im Teesektor, wie eine gemeinsame Studie des Hilfswerks Misereor, der Menschenrechtsorganisation FIAN und der Internationalen Union der Lebensmittel- und Landwirtschaftsgewerkschaften (IUL) zeigt. Zum Welternährungstag am 16. Oktober haben sie beispielhaft die Löhne von Teepflückern untersucht. Die Studie zeigt: Schuld an den Umständen sind auch westliche Unternehmen.

In Indonesien liegen die Löhne von Landarbeitern selbst mit Sachleistungen unter dem Existenzminimum. Das Existenzminimum in Indonesien beträgt nach UN-Schätzungen etwa 0,80 US-Dollar. In Indien zahlen manche Plantagen Löhne deutlich unterhalb der Armutsgrenze von einem US-Dollar pro Tag. Und in Malawi erhalten die Teepflücker nicht einmal die Hälfte des Lohns, der die Grenze zur „extremen Armut“ überschreiten würde.

Das Problem entsteht nach Angaben der drei Organisationen vor allem durch große Konzerne wie Unilever (Lipton) oder Tata Tea. Die Unternehmen haben sich – wahrscheinlich nicht ohne Grund – aus der Primärproduktion zurückgezogen und konzentrieren sich nun auf das Verpacken der Produkte statt auf die Ernte. Stichwort: Greenwashing. So bezeichnet die Fachsprache unter anderem den Prozess, in dem sich große Unternehmen aus dem direkten Anbau zurückziehen, um selbst zum Beispiel nicht mehr für die Arbeitsbedingungen verantwortlich gemacht werden zu können. Und das sogenannte „Packaging“ ist schlichtweg attraktiver, weil es mehr Geld verspricht.

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    Doch für die Arbeiter haben solche Entscheidungen schwerwiegende Folgen: In Indien hat der Rückzug von Hindustan Unilever, einer Tochter des Konsumgüterherstellers, 12.000 Arbeiter den Job gekostet.

    Nach Angaben der Anti-Armut-Organisation War on Want gehen 53 Prozent des Teepreises an die Einzelhändler, 33 Prozent an Marken wie Typhoo. Die Fabrik erhält immerhin noch sieben Prozent, der Unterhändler sechs Prozent. Für den Teepflücker bleiben am Ende der Kette weniger als ein Prozent des Preises als Lohn übrig.

    Auch die Produzenten verdienen dementsprechend nicht mehr so viel mit Tee. Durch „steigende Energiepreise und die Abwertung des US-Dollars gegenüber ihren lokalen Währungen“ sei das Geschäft schwierig geworden, heißt es in der Studie.

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