Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Weltveganertag Wie Firmen fleischlos reich werden wollen

Immer mehr Gelegenheitsveganer essen Burger, Wurst oder Milch aus Pflanzenproteinen. Der einstige Nischenmarkt ist heute heiß umkämpft.
Kommentieren
„Vegane Produkte waren früher nur etwas für Wollsockenträger. Inzwischen ist es eine Bewegung.“ Quelle: imago
Go Vegan

„Vegane Produkte waren früher nur etwas für Wollsockenträger. Inzwischen ist es eine Bewegung.“

(Foto: imago)

Düsseldorf Was haben Pamela Anderson, Paul McCartney, Lewis Hamilton, Bill Clinton und Nena gemeinsam? Sie alle ernähren sich ohne Fleisch, Honig, Ei oder Milchprodukte. Damit gehören sie zu der weltweit schätzungsweise eine Milliarde Veganern, die bewusst auf tierische Kost verzichten.

In Deutschland gibt es nach Umfragen des Allensbach Instituts rund acht Millionen Vegetarier und eine knappe Million Veganer ab 14 Jahren. Jeden Tag kommen hierzulande schätzungsweise 200 Veganer hinzu. Veganismus gilt mehr als eine Ernährungsform, sie sei eine Lebenseinstellung.

Knapp 85 Prozent der Veganer achten auch auf tierfreie Kosmetik, Kleidung und Schuhe. Das ergab eine Umfrage des Vegan-Anbieters Veganz zum Weltveganertag am 1. November. Befragt wurden 24.000 Menschen in 15 europäischen Ländern.

Der tierfreie Lebensstil findet immer mehr Anhänger in allen Schichten. „Vegane Produkte waren früher nur etwas für Wollsockenträger. Inzwischen ist es eine Bewegung“, sagt Nestlé-Deutschlandchef Marc-Aurel Boersch. Der weltgrößte Konsumgüterproduzent trennt sich gerade von seiner Wurstproduktion (Herta) und hat erfolgreich vegane Incredible Burger und zuletzt Pflanzen-Hack in die Supermärkte gebracht.

Als Motiv nennen Veganer an erster Stelle den Tierschutz mit 95 Prozent Zustimmung, dicht gefolgt von Umweltschutz und gesundheitlichen Aspekten. Schließlich enthält vegane Kost keine ungesunde Fette oder schädliches Cholesterin. Sie verringert erwiesenermaßen das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs oder Diabetes.

Allerdings raten Ärzte und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung Kindern und Schwangeren dringend von veganer Ernährung ab. Ein Mangel an Vitamin B12 und anderen essentiellen Stoffen führe zu gravierenden Entwicklungsstörungen.

Positiv hingegen wirkt sich vegane Ernährung auf Umwelt und das Klima aus. Verbrauchen doch Pflanzen rund 80 Prozent weniger Wasser, Fläche und Energie als Vieh, das mit Futter unter meist fragwürdigen Bedingungen gehalten wird.

Dies hatte auch die Rügenwalder Mühle dazu bewogen, ihr Fleischsortiment vor sechs Jahren radikal umzustellen. Der traditionsreiche Wursthersteller gilt als deutscher Pionier für Veggie-Fleisch und -Wurst. Das Familienunternehmen ist mit derzeit 38 Prozent Marktanteil Marktführer bei Pflanzenfleisch. „Mit Beyond-Meat-Burgern sind wir auf Augenhöhe“, betont Geschäftsführer Godo Röben gegenüber dem Handelsblatt.

Die Kritik von Tierschützern, dass die vegetarische Wurst von Rügenwalder auf Hühnereiweiß basiert, nimmt er ernst. „Deshalb wollen wir so schnell wie möglich alle Produkte auf vegan umstellen. In den nächsten fünf Jahren könnten wir absolut ohne Eier auskommen“, sagt Röben.

Beyond Meat gibt Veganfirmen Rückenwind

Rückenwind bekommt die Rügenwalder Mühle vom Hype um das US-Start-up Beyond Meat. Der Beyond Burger aus Erbsenprotein ist spätestens seit dem fulminanten Börsendebüt im Mai weltweit Kult.

Nach den Ketten Tim Hortons und KFC testet nun auch McDonald's in Kanada Erbsenpatties von Beyond. In Deutschland beliefert Nestlé seit April McDonald’s die Patties für den Big Vegan TS. Selbst Discounter wie Aldi (Wonder Burger) und Lidl (Next Level Burger) sind in das boomende Geschäft mit Vegan-Fleisch eingestiegen.

Der Markt ist umkämpft, lockt aber mit lukrativen Margen und gigantischen Aussichten. 2040 sollen nur noch 40 Prozent der konsumierten Fleischprodukte von Tieren stammen, prophezeit die Beratung AT Kearney. Dann soll der globale Markt für Fleischersatzprodukte schon 450 Milliarden Dollar schwer sein.

Das funktioniert nur, weil längst nicht alle Käufer von veganen Produkten tatsächlich Veganer sind. Immer mehr Fleischesser oder so genannte Flexitarier essen gerne mal einen gesünderen Burger aus Erbsenprotein statt Rindfleisch.

„Was als Trend von Vegetariern und Veganern begann, gehört heute zum Mainstream quer durch alle Altersgruppen. Das wird die weltweite Ernährung revolutionieren“, ist Irene Kersbergen, Analystin des Marktforschers Innova Market Insights, überzeugt.

Die wachsende gesellschaftliche Kritik an der Massentierhaltung hat sich von Fleisch inzwischen auch auf Milchprodukte ausgeweitet. Die Süßwarenfirma Katjes erregte jüngst mit ihrem provokanten Werbespot für vegane, milchfreie Schokolade Aufsehen. In dem Zeichentrickfilmchen im düsteren Stil von „Farm der Tiere“ prangert Katjes die maschinelle Ausbeutung von Milchkühen an: „Kühe sind keine Milchmaschinen“.

Die Bauernlobby fühlte sich angegriffen, der Deutsche Werberat erteilte Katjes jedoch am Donnerstag Absolution. Die Vegan-Werbung weder eine pauschale Diffamierung des Berufsstands der Milchviehhalter noch der Verbraucher sei, die Milchschokolade bevorzugen.

Schon viel länger als Katjes produziert und vertreibt Vegan-Koch Attila Hildmann milchfreie Schokolade. Mit tierfreier Bolognese, veganer Mayonnaise und Brotaufstrichen will der Porschefahrende Berliner nicht weniger als ein veganes Lebensmittelimperium errichten. Seine Firma heißt ganz unbescheiden Attila Hildmann Empire GmbH.

„Ich werde Nestlé & Co. das Fürchten lehren“, sagte Hildmann 2016 dem Handelsblatt. Damals war er noch ein relativ einsamer Kämpfer an der Veganfront. Mittlerweile sind Multis wie Nestlé, Danone und Tyson im großen Stil ins lukrative Geschäft mit Veganprodukten eingestiegen.

Mehr: Erstmals kann Beyond-Meat-Gründer Ethan Brown Gewinne verbuchen. Trotzdem stürzt das so gefeierte US-Start-up an der Börse ab.

Startseite

Mehr zu: Weltveganertag - Wie Firmen fleischlos reich werden wollen

0 Kommentare zu "Weltveganertag: Wie Firmen fleischlos reich werden wollen "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.