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Werbe-Branche Not macht erfinderisch

Ein Jahr hat Amir Kassaei sich jetzt den Spott seiner Branche anhören müssen: "Großmaul", "Träumer" -sie haben dem Kreativchef der Berliner Werbeagentur DDB wahrlich keine Nettigkeiten an den Kopf geworfen. Doch bei weltweit sinkenden Werbeausgaben prescht die Agentur mit neuen Ideen vor.
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Die Werbeindustrie ist weltweit in der Krise. Quelle: dpa

Die Werbeindustrie ist weltweit in der Krise.

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Zu verwegen klangen seine Ankündigungen: Amir Kassaei wolle künftig nicht mehr nur flotte Sprüche klopfen, sondern ins Rennen mit McKinsey, Roland Berger und Co. um die besten Aufträge in Sachen Unternehmensberatung einsteigen.

Jetzt macht der ebenso erfolgreiche wie umstrittene Kreativkopf ernst: Unter seinen Fittichen wagt die DDB-Mutter Omnicon, das größte Werbe- und Kommunikationsagenturen-Netz der Welt, den Schritt raus aus der Reklame-Nische. Mit einer Tochter namens Hubble will Kassaei alles unter einem Hut vereinen, was für ein Unternehmen der Zukunft unabdingbar scheint: Ideensuche, Innovationen, Marktanalyse, Start-up-Finanzierung, Talentsuche, Produktentwicklung, Vermarktung.

Kassaei reagiert damit als einer der ersten Werber auf die Misere der Branche. "Es ist für die herkömmliche Werbeagentur an der Zeit, ihr Geschäftsmodell zu überdenken", sagte Bernd Altpeter, Chef der Unternehmensberatung Driving Growth, gestern. Die Agenturen brauchen dringen neue Geschäftsideen, denn die Werbeausgaben sinken weltweit. Global nahmen die Werbeagenturen im vergangenen Jahr 1,6 Prozent weniger ein. Das berichtete die Werbeforschungsfirma Nielsen gestern.

In der New Yorker Zentrale des Werbekonzerns Omnicom ist daher die Not groß. Die Idee mit der Beratung könnte durchaus Marktchancen haben. Dafür stehen jedenfalls die beiden ersten Kunden, für die die Arbeit jetzt losgeht: Der Sportartikel-Multi Reebok arbeitet mit Hubble zusammen, ebenso Volkswagen. Dem Sportartikelhersteller hat Hubble gleich einen kompletten Strategieschwenk verordnet. "Wir wollen Lösungen entwickeln, die das Leben der Menschen einfacher, besser und effizienter machen", sagte Andreas Ramm, einer der vier Geschäftsführer der Omnicom-Tochter, dem Handelsblatt. "Gerade Konzerne haben es heute aufgrund ihrer Größe und Organisation oft schwer, echte Innovationen hervorzubringen", sagte Ramm.

Da will Hubble mit Flexibilität ansetzen - und nur noch im Netzwerk arbeiten. Dafür eröffnet Omnicom weltweit neun neue Standorte. Die 20 festen Mitarbeiter sollen dort Marktlücken und Ideen scannen und in Abstimmung mit der Berliner Zentrale zu Produktideen entwickeln. Wie das Weltraumteleskop Hubble soll auch Hubble Innovations durch sein Universum flitzen und alles aufs Radar holen, was interessant scheint. Damit lässt sich viel Geld verdienen. Wie ein ehemaliger Omnicom-Manager berichtet, können Berater in der Stunde 2 500 bis 3 500 Euro von ihren Industriekunden verlangen. Der Tagessatz für Werber hingegen liegen nur zwischen 1 200 und 1 500 Euro.

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