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Werbung mit Homosexuellen Geistlicher Boykottaufruf schießt ins Leere

In den USA führt ein Streit um Werbung mit Homosexuellen zum Boykottaufruf. Ein bekannter Prediger greift Wells Fargo und Tiffany an. Der Schmuckhersteller wendet sich mit Trauringen an gleichgeschlechtliche Paare.
10.06.2015 - 18:12 Uhr 2 Kommentare
Eine Werbung mit einem gleichgeschlechtlichen Paar hat zu einem geistlichen Boykottaufruf geführt. Quelle: Reuters
Edel-Juwelier Tiffany

Eine Werbung mit einem gleichgeschlechtlichen Paar hat zu einem geistlichen Boykottaufruf geführt.

(Foto: Reuters)

New York Franklin Graham ist in Amerika ein bekannter Mann – und der Sohn eines noch bekannteren Mannes. Billy Graham, sein heute 96-jähriger Vater, war Jahrzehnte lang hinein ein berühmter Prediger, der seine Lehren über Radio und Fernsehen verbreitete und US-Präsidenten von Truman bis Obama in Privataudienzen über den rechten christlichen Glauben unterrichtete.

Er ist strenger Anti-Kommunist, hält nichts von Feminismus und war für den Vietnam-Krieg, hat aber Martin Luther King und die Bürgerrechtsbewegung unterstützt. Kein anderer Prediger hat in Amerika eine derartige hohe und andauernde Bekanntheit erreicht wie er.

Sein Sohn Franklin interessiert sich besonders für ein spezielles Thema: Sex. Er zieht gegen Homosexuelle zu Feld. Und gegen die Unternehmen, die sie seiner Meinung nach unterstützen. Harmlose Plakate von Wells Fargo, der größten amerikanischen Bank, die junge Frauenpärchen zeigen, sind ihm ein Stein des Anstoßes. Und der Versuch von Tiffany, Trauringe gezielt auch an gleichgeschlechtliche Paare zu verkaufen, erregen ebenfalls seinen Ärger.

„Habt Ihr Euch je gefragt, wie man die Welle von Unmoral bekämpfen kann, die uns die großen Unternehmen, die Medien und die Schwulen- und Lesbenbewegung zu schlucken geben?“ schreibt er auf Facebook. „Tiffany bewirbt Trauringe für Homosexuelle. Wells Fargo verwendet gleichgeschlechtliche Paare in der Werbung.“

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    Er kündigt an, die Konten der Graham-Stiftung von Wells Fargo abzuziehen und das Geld dem Konkurrenten BBT anzuvertrauen. Und fordert: „Lasst uns keine Geschäfte mehr mit denen machen, die gegen die Gebote des Allmächtigen verstoßen.“ 97.668 Personen gefällt das, und es wurde 44.125 mal „geteilt“, wie Facebook verrät.

    Sein Aufruf bleibt aber nicht unwidersprochen. „Pseudo-christlicher Hassprediger“ nennt ihn ein Kommentator unter seinem Eintrag. Ein anderer verrät, dass BBT die „Miami Beach Gay Pride Parade“ finanziell unterstützt – Pech für Graham.

    Als hätte Amerika nicht genügend andere Probleme, etwa ein blockiertes Regierungssystem, eine überbordende Gefängnisbevölkerung oder jährlich Zehntausende von Toten durch Schusswaffen, ist der Streit über Homosexualität ein Hauptstreitpunkt in der Politik, der sich bis in die Gerichte hinein zieht. So gibt es zum Beispiel in einigen Bundesstaaten Gesetze, die unter dem Mantel der religiösen Freiheit Unternehmen erlauben wollen, Homosexuelle zu diskriminieren – was wiederum die Frage aufwirft, ob das der Verfassung gemäß ist.

    Auf der anderen Seite positionieren große US-Konzerne sich deutlich gegen die Diskriminierung von Homosexuellen. Diese gelten, nebenbei gesagt, auch als kaufkräftige Verbraucher. Immer mehr Manager bekennen sich dazu, schwul zu sein. Tim Cook, der Chef von Apple, bezeichnete es sogar als „Geschenk Gottes“, homosexuell zu sein. Es ist keineswegs so, dass sehr viele amerikanische Christen den Standpunkt von Graham teilen – es gibt sogar Gemeinden, die ausdrücklich Homosexuelle einladen.

    Das Thema spielt in der Öffentlichkeit eine Rolle, die in Europa kaum vorstellbar ist – wahrscheinlich weil es mit Religion, Sex und Geld drei Bereiche umfasst, von denen sich jeder persönlich angesprochen fühlt. Wenn sich der heutige Trend fortsetzt, dürften die Homosexuellen-Hasser aber auf Dauer mehr und mehr in die Defensive geraten – zum Glück.

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    2 Kommentare zu "Werbung mit Homosexuellen: Geistlicher Boykottaufruf schießt ins Leere"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Homosexuellen dürften von Geschäftsleuten einzig aus wirtschaftlichen Interesse bedient werden.

      Geld kennt keine Moral, keinen Anstand und keine Kultur. Geld ist schmutzig und verdirbt den Menschen.

    • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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