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Wettbewerbsnachteile gegenüber Billigfliegern und Bahn Bustouristik in bedrohlicher Schieflage

Der von den Billigfliegern entfachte Preiskampf im Tourismus setzt die Reisebusbranche enorm unter Druck. „Es geht seit drei Jahren bergab.
Reisebus von Mercedes Benz. Foto: dpa

Reisebus von Mercedes Benz. Foto: dpa

HB FRANKFURT. Buchungszahlen und Reiseausgaben im Bustourismus verschlechtern sich Jahr für Jahr“, heißt es in einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Die Studie basiert auf einer Umfrage unter mehr als 5300 Touristik-Unternehmen in Deutschland.

Während Reiseveranstalter nach Jahren der Krise erstmals wieder eine gute Sommersaison erwarten und das Gastgewerbe immerhin mit stagnierenden Geschäften rechnet, wird die Situation im Bustourismus als dramatisch eingestuft. Fast die Hälfte aller Betriebe habe 2004 mit Umsatzeinbußen kämpfen müssen, sagte DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben. Die Erträge seien sogar bei 64 Prozent der befragten Busunternehmen rückläufig gewesen. Auch der Ausblick der mittelständisch geprägten Branche, die jährlich rund vier Mrd. Euro Umsatz erzielt, fällt düster aus: „Wegen der anhaltend hohen Energiekosten, der weiteren Expansion der Billigflieger und den Preisaktionen der Bahn ist keine Besserung in Sicht“, sagte Wansleben.

Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer (BDO), Wolfgang Steinbrück, bestätigte die Studienergebnisse und betonte, viele Busunternehmen stünden langfristig vor dem finanziellen Kollaps: Weil sich die negative Entwicklung schon im dritten Jahr fortsetze, müsse die Bustouristik mit immer mehr Betriebsaufgaben und Insolvenzen rechnen: „Die Preise sind oftmals derart knapp kalkuliert, dass hier kein Spielraum mehr besteht. Eine wirtschaftliche Abwärtsspirale mit fatalen Folgen“, sagte Steinbrück.

Für die Bus-Misere macht der BDO vor allem einseitige Steuervorteile für Flugzeug und Bahn verantwortlich: Aus Sicht des Verbandes nutzen Billigflieger die vom Staat gewährte Kerosinsteuerbefreiung für Tiefpreisangebote und bringen die Bustouristik damit massiv in Schwierigkeiten. „Mittlerweile sind 14-tägige Flugreisen in die Karibik billiger als eine Woche Schwarzwald mit dem Reisebus“, stellte Steinbrück fest. Auch die Deutsche Bahn bestreite einen „unfairen Wettbewerb“: Es sei zu prüfen, ob die jüngsten Preisaktionen betriebswirtschaftlich vertretbar seien und nicht letztlich wieder vom Steuerzahler ausgeglichen würden, forderte Steinbrück.

Die private Busbranche leidet auch darunter, dass sie weitgehend aus kleineren und mittleren Unternehmen besteht: Nur acht der etwa 5800 Busbetriebe erreichen einen zweistelligen Millionenumsatz. Die Alpetour GmbH aus Starnberg erlöst als Marktführer gut 41 Mill. Euro im Jahr. „Wir sind kein lupenreiner Bustouristiker und deshalb vom Preiskampf der Billigflieger nicht so betroffen“, sagte Geschäftsführer Gunther Knötig. Als Veranstalter, der stark auf Klassenfahrten und Rundreisen setze, sei Alpetour deutlich anders positioniert. Das Unternehmen will in diesem Jahr gegen den Trend rund zehn Prozent zulegen.

Zwar gibt es auch Untersuchungen, die der Bustouristik insbesondere wegen der demographischen Entwicklung und der wachsenden Zielgruppe „60+“ gute Perspektiven bescheinigen. Die Zahlen der Vergangenheit sowie der sich verschärfende Wettbewerb mit Flugzeug und Bahn sprechen jedoch eine andere Sprache: In den Statistiken der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) bröckelt der Marktanteil des Verkehrsträgers Bus stetig: Er ist von einst 10,9 Prozent im Jahr 1994 auf zuletzt 9,5 Prozent gefallen. Für 2005 sei mit weiteren Einnahmeverlusten zu rechnen, sagte BDO-Präsident Steinbrück.

Im Gegenzug gewinnen die Billigflieger im Tourismusgeschäft rasant an Höhe. Nach Angaben der FUR ist deren Marktanteil allein im Vorjahr um rund zwei Drittel auf zehn Prozent gestiegen. Experten gehen zwar von einer baldigen Abkühlung des Billigflug-Booms aus. Einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge dürften die jährlichen Steigerungsraten bis 2010 aber noch immer bei durchschnittlich 13 Prozent liegen.

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