WHU-Otto Beisheim School „Wir mögen Menschen nicht, die sich in den Vordergrund spielen“

Der unerwartete Tod des Metro-Gründers Otto Beisheim hat auch die private WHU-Hochschule völlig überrascht. Rektor Michael Frenkel im Gespräch über den schlitzohrigen Kaufmann, der sich stets rar gemacht hat.
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Michael Frenkel leitet die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU).

Michael Frenkel leitet die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU).

Ein Kolumnist beschrieb Otto Beisheim mal als „meisterhaft tiefstapelnden 'Mr. Metro'“, als „Otto Beisheim, den keiner kennt, bei dem aber alle einkaufen“. Bis ins hohe Alter hat er sich rar gemacht. Der Legende nach soll er sich auf Metro-Hauptversammlungen schon mal verkleidet unter die Aktionäre gemischt haben. Was hatte der Multi-Milliardär zu fürchten?

Michael Frenkel: Es gibt Menschen, die es bewusst bevorzugen, eher zurückgezogen zu leben. Hierzu gehörte auch Otto Beisheim. Die Gründe hierfür mögen für ihn vielfältig gewesen sein; wir sind diesen Gründen an der WHU nicht nachgegangen, sondern haben diese Haltung stets respektiert. Gerade an der WHU stehen wir der gegenteiligen Haltung eher kritisch gegenüber. Wir mögen Menschen nicht so sehr, die sich immer in den Vordergrund spielen.

Otto Beisheims Name tauchte in der Öffentlichkeit nur selten auf, häufiger aber gab es Negativ-Schlagzeilen über seine angebliche Mitgliedschaft während des Zweiten Weltkriegs in der „Leibstandarte Adolf Hitler“ und der Waffen-SS. Statt Stellung zu beziehen, tauchte er in die Anonymität ab und verweigerte Interviews – die richtige Kommunikationsstrategie oder ein Fehler?

Ich denke nicht, dass es sich hierbei um Fehler in der Kommunikationsstrategie handelte. Otto Beisheim hat so viele Auszeichnungen erhalten, in deren Vorfeld seine Rolle im zweiten Weltkrieg immer wieder geprüft wurde, so auch vor der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Hierbei ist nie etwas herausgekommen. Dennoch scheint dieses Thema immer wieder medial aufgegriffen zu werden. Hiergegen kann man sich offenbar nicht wehren.

Otto Beisheim wurde von seiner Umgebung oft als schlitzohriger, aber umgänglicher Kaufmann beschrieben. Wie haben Sie den Metro-Mann erlebt?

Wir haben ihn als jemanden erlebt, der vor allem an der Qualität der Lehre und der Forschung an der WHU interessiert war. Er hat sich nie in das Mikromanagement der Hochschule eingemischt, sondern war immer an den großen Entwicklungslinien der WHU interessiert.

Der Autor Ulrich Viehöver schreibt über Beisheim, dass er bis ins hohe Alter eine „eiserne Sparsamkeit“ pflegte und für billige Lebensmittel meilenweit gefahren ist. Verbirgt sich hinter dieser „Macke“ auch ein Grund für den geschäftlichen Erfolg des Cash-and-carry-Pioniers?

Dass er in seiner unternehmerischen Laufbahn ein sehr kostenbewusster Mensch war, ist sicherlich unbestritten; in hart umkämpften Märkten ist dies sicherlich keine nachteilige Einstellung.

Wie viele Superreiche hatte Otto Beisheim seinen Hauptwohnsitz im Schweizer Kanton Zug. Hatte er seine Wurzeln verloren oder ging es dem reichen Kaufmann darum, Steuern zu sparen?

So gut kannte ich ihn persönlich nicht, dass ich dies beurteilen kann. Mein Eindruck ist jedoch, dass für die Wahl seines Wohnsitzes verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt haben.

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„Er hat sich nie in die Lehre eingemischt“
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5 Kommentare zu "WHU-Otto Beisheim School: „Wir mögen Menschen nicht, die sich in den Vordergrund spielen“"

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  • Eine 95&ige Studienfinanzierung durch die Eltern ist unrealistisch.

    Mittlerweile studieren Studenten an der WHU nur noch drei Jahre und absolvieren währenddessen zwei bis drei Praktika in zwei bis drei Ländern.

    Die Bachelor-Thesis kann auch bis zur psychologischen Ausrichtung von Unternehmern im Ausland reichen und die Größe der gegründeten Unternehmen reicht selten an die von Metro an.

  • Sind wir nicht alle Personaler die Spitzenjobs nur an die Absolventen unserer staatlichen Lieblings-Unis vergeben? Deutschland, komm mal im internationalen Bildungswesen an, ohne polemische Vorurteile gegenüber privaten Hochschulen von verzweifelten BWLern.

  • Es will Ihnen sicherlich niemand vorschreiben, wen sie einzustellen haben, jedoch sind die Fakten, die sie gerade aufgezählt haben doch durchweg ein guter Indikator der Leistungsbereitschaft eines jeden einzelnen WHU'lers. Diese Leistungsbereitschaft zeichnet uns eben aus und sollte uns meiner Meinung nach eher angerechnet werden, als nachgetragen werden. Gott sei Dank passiert genau das in den meisten Fällen in der Wirtschaft auch und somit lohnt es sich weiterhin diese Leistungsbereitschaft zu zeigen. Zumal die Aussage mit der Studienfinanzierung durch die Eltern nach 5 Minuten Recherche hinsichtlich geklärt zu sein scheint. Viele der WHU'ler finanzieren ihr Studium selbst.

  • "Der unerwartete Tod...hat völlig überrascht..."


    Plötzlich und unerwartet (im Alter von 89 )

    Bei solchen Aussagen (oder Worten in Todesannoncen) muss ich als Bestatter mehr als schmunzeln.

    Im hohen, fortgeschrittenem Alter tritt der Tod nicht plötzlich und unerwartet ein - damit muss man rechnen, jederzeit, täglich.

    Da stellt auch ein Herr Beisheim keine Ausnahme dar.

    Bei solchen Aussagen (und damit die Gedankengänge der Menschen entlarvend), sieht man, wie unfähig die Leute doch eigentlich, sich mit der Thematik Tod auseinanderzusetzen.


    (Und bitte bei der nächsten Todesanzeige vom Symbol der Rose mit dem abgeknickten Kopf Abstand nehmen - insbesondere, wenn es sich dabei um Verstorbene jenseits der Fünfzig handelt. Der abgeknickte Rosenkopf symbolisiert den Bruch in der Blüte des Lebens, also vor der Verwelkung - solche Symbole waren dereinst für jungen Menschen angedacht, die wirklich plötzlich und unerwartet diese Welt verließen ;-)

  • Studium - zu 95% bezahlt von Papa/Mama,

    Praktika in 7 verschiedenen Unternehmen auf 8 Kontinenten, natürlich nur bei blue chips (L'Oreal läßt grüßen) und max. 4-6 Wochen pro Location, alles supererfolgreich

    3-5 Sprachen, keinesfalls die üblichen verdächtigen, alle Niveau Muttersprache

    2-3 Unternehmen gegründet, alle mindestens in Größe der Metro

    Diplomarbeit, die die "strategische Neuausrichtung eines DAX-Konzerns" zum Inhalt hat

    Das alles in 4 Jahren.

    Ein typischer Lebenslauf aus Vallendar, dutzendweise auf meinem Tisch.

    Die Vorredner haben natürlich recht, wo bleibt da auch nur der Hauch von Selbstdarstellung oder Oberflächlichkeit?

    Ich bevorzuge Kölner und Mannheimer, wenns um Spitzenjobs geht.

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