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Wintersport Social Distancing im Schnee: Skitouren-Ausrüster hoffen auf gute Geschäfte

Viele Sportler dürften sich im anstehenden Winter ihre eigenen Wege suchen. Die Hersteller wittern ihre große Chance – wenn denn Schnee fällt.
21.11.2020 - 13:51 Uhr Kommentieren
Das Geschäft mit Skitourenausrüstung boomt, und die Anbieter rechnen mit neuen Rekorden nächsten Winter. Quelle: imago images/Westend61
Skitour

Das Geschäft mit Skitourenausrüstung boomt, und die Anbieter rechnen mit neuen Rekorden nächsten Winter.

(Foto: imago images/Westend61)

München Volle Pisten? Nein danke. Das Coronavirus dürfte die Sportler in diesem Winter stärker in die Natur treiben. „Es könnte eine Rekordsaison werden“, glaubt Dynafit-Chef Benedikt Böhm. „Wir merken jetzt schon, wie sehr sich die Leute für Skitouren interessieren.“

Der Münchener Mittelständler hofft, zu den Profiteuren der Pandemie zu gehören. Vor allem weil sich Dynafit inzwischen auf Einsteiger eingestellt hat, die noch kaum Erfahrung mit dem Skibergsteigen haben. „Wir bieten komplett ausgestattete Sets mit Skiern, Fellen und Bindungen an. Einfach auspacken und Skifahren, das passt perfekt in die Zeit“, sagt Böhm.

So wie bei Dynafit so könnte das Geschäft bei vielen Sportfirmen in den kommenden Wochen kräftig anziehen. Denn Experten erwarten, dass viele Leute in diesem Winter versuchen werden, Menschenmassen zu vermeiden. Das könnte dem ohnehin schon boomenden Tourenski-Geschäft einen weiteren Schub verleihen. Doch auch das Winterwandern dürfte zulegen.

Für Werner Koch ist das ein Traum. Die Eltern des österreichischen Unternehmers haben vor mehr als vier Jahrzehnten begonnen, Steigfelle zu produzieren – und damit den richtigen Riecher bewiesen. „Skitouren sind inzwischen bei uns ein Breitensport“, sagt der Chef des Mittelständlers Koch Alpin.

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    Damit aber nicht genug. „In den letzten Monaten hat sich der Trend noch einmal rapide beschleunigt.“ Die Sporthändler haben in Erwartung einer starken Nachfrage ihre Lager ordentlich aufgefüllt.

    Der österreichische Mittelständler Koch Alpin stellt seit 40 Jahren Steigfelle her. Das Geschäft mit der Marke „Contour“ läuft so gut wie nie. Quelle: Koch Alpin
    Produktion von Steigfellen

    Der österreichische Mittelständler Koch Alpin stellt seit 40 Jahren Steigfelle her. Das Geschäft mit der Marke „Contour“ läuft so gut wie nie.

    (Foto: Koch Alpin)

    20 Mitarbeiter beschäftigt Koch in Mills, ein paar Kilometer von Innsbruck entfernt. Das Unternehmen produziert Felle, vertreibt aber auch Schneeschuhe. Die seien ebenso stark gefragt, beteuert der Tiroler Koch. Was kein Wunder sei: „Social Distancing geht in der Natur einfach am besten.“ Schon immer habe seine Firma das Ziel verfolgt, ein sanftes Wintererlebnis zu ermöglichen.

    Lange Bestellfristen als Problem

    Das spürt auch Stefan Ibach. „Ich habe noch nie so viele Menschen draußen gesehen wie diesen Sommer.“ Im kommenden Winter dürfte das kaum anders sein: „Ein Teil der Menschen hält es eben nicht mehr aus in den eigenen vier Wänden.“ Ibach führt die Fritschi AG, einen der profiliertesten Hersteller von Skitouren-Bindungen.

    Für den Manager war 2020 ein Jahr der Extreme, wie für so viele Verantwortliche in den Sportfirmen. Normalerweise hätte Ibach die Aufträge der Sporthändler bis Ende April entgegengenommen. Doch: „Das Frühjahrsgeschäft ist weggebrochen“, so Ibach. Stattdessen würden die Ladeninhaber nun vermehrt ordern. „Wir sehen eine positive Tendenz.“

    Der Vorteil des Mittelständlers aus dem Berner Oberland: Fritschi produziert in der Schweiz mit vielen einheimischen Lieferanten im Rücken. „So sind wir flexibel und können jetzt auch noch eine Schippe drauf legen“, sagt Ibach. Das ist nicht selbstverständlich in der Sportbranche: Das Gros der Artikel stammt aus Fernost.

    So ist es auch bei Peter Schöffel. Der Chef und Eigentümer der Outdoor-Marke Schöffel bezieht seine Regenjacken, Wanderhosen und Shirts größtenteils aus Vietnam. Was jetzt in den Sportläden hängt, musste der Mittelständler aus Schabmünchen schon zu Jahresbeginn ordern, als das Virus noch weit weg schien.

    Der Outdoor-Unternehmer, hier in einer Fabrik in Vietnam, muss seine Jacken, Hosen und Shirts lange im Voraus bestellen bei den Lieferanten. Quelle:  Spectre
    Peter Schöffel

    Der Outdoor-Unternehmer, hier in einer Fabrik in Vietnam, muss seine Jacken, Hosen und Shirts lange im Voraus bestellen bei den Lieferanten.

    (Foto:  Spectre)

    Gut möglich, dass Schöffel bei seinen Lieferanten viel zu viel Ware fürs Alpinskifahren bestellt hat. Wenn die Lifte wegen Corona stillstehen, kaufen die Leute keine warmen Skihosen und auch keine gefütterten Jacken. Der Schwabe sieht in der Pandemie trotzdem eine Chance: „Die Leute wollen raus, und wir bieten die richtige Bekleidung, ob sie nun wandern oder Ski fahren.“

    Das ist noch nicht alles. Schöffel glaubt, dass die Leute dieses Jahr mehr noch als sonst an die frische Luft drängen und sich dafür auch entsprechend einkleiden. Schöffel: „Die Menschen werden nach einem schönen Wintertag im Schnee dürsten.“

    Dass die Konsumenten kommenden Winter auf Abstand achten werden, das sieht Schöffel in seinen Zahlen. Skitouren-Equipment war schon der Renner im Vorjahr. Nun aber sei es gefragt wie nie, und dürfte es Schöffel zufolge auch bleiben. „Das wird noch einmal eine ganz andere Wachstumsdynamik bekommen.“

    Konkurrenz durch Konzerne

    Die Mittelständler allerdings bekommen inzwischen mächtig Konkurrenz von Konzernen, die in Nischen wie Skitouren drängen. Rund 15 Prozent vom Umsatz erziele Atomic bereits mit Tourenausrüstung, sagt Michael Schineis, Chef des weltgrößten Skiherstellers. Der Manager rechnet mit einem deutlich zweistelligen Plus in diesem Geschäft in der kommenden Saison.

    Damit nicht genug: Auch das Langlaufen dürfte eine Renaissance erleben, so Schineis. Schließlich seien die Leute da auch unter sich. Das Geschäft funktioniere aber nur unter einer Bedingung: „Wenn genügend Schnee fällt.“ Denn auf die Loipen gehen die Menschen am liebsten gleich vor der eigenen Haustür.

    Noch etwas dürfte der Tochter des chinesischen Sportkonzerns Anta zugutekommen: Die Leute würden vermutlich vermehrt „aus hygienischen Gründen Skischuhe, Helme und Brillen kaufen“, vermutet Schineis. Die stehen bei Atomic für gut zehn Prozent der Erlöse. In den vergangenen Jahren sind viele Sportler dazu über gegangen, ihre Ausrüstung zu leihen.

    Es sieht also gut aus für die Sportfirmen – wenn sich die Menschen denn bewegen dürfen. Geschlossene Grenzen sind Gift für die Konsumlaune, Ausgangssperren noch viel mehr. Wer sich das meist mehr als tausend Euro teure Skitourenequipment zulegt, der will nicht nur in den Mittelgebirgen herumrutschen.

    Für ausgedehnte Bergtouren aber müssen Hotels und Hütten geöffnet sein. Ob das in Österreich, der Schweiz oder Südtirol im Winter der Fall sein wird? Momentan sieht es schlecht aus, wegen der Reisewarnungen fahren kaum Deutsche in die Alpenländer. In Österreich ist das öffentliche Leben zudem noch stärker eingeschränkt als in Deutschland, die meisten Läden sind bis mindestens Anfang Dezember geschlossen.

    Noch etwas ist wichtig: das Wetter. „Früher Schnee würde dem Skigeschäft auch dieses Jahr helfen“, sagt Bekleidungsproduzent Schöffel. Denn wenn die Berge grün bleiben, dann braucht auch niemand Skitourenausrüstung oder Schneeschuhe, Corona hin oder her.

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