Wirtschaft gegen Wutbürger Der unendliche Krach um den Fluglärm

Der Streit um den Fluglärm zieht sich quer durch Deutschland. Damit der Konflikt zwischen Wirtschaft und Wutbürgern nicht weiter eskaliert, müsste die Politik eine Grundsatzentscheidung fällen. Doch die bleibt aus.
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Bekommt der Flughafen München eine dritte Startbahn? Dieses Wochenende stimmen die Bayern ab. Quelle: dpa

Bekommt der Flughafen München eine dritte Startbahn? Dieses Wochenende stimmen die Bayern ab.

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DüsseldorfWer gegen Lärm ist, machte Krach an diesem Tag im März: Es sollte ein Warnschuss sein, den Deutschlands Fluglärmgegner in Frankfurt, Berlin, München und Köln abgeben wollten. Rund 10.000 demonstrieren gegen Fluglärm und gegen den Ausbau von Flughäfen. Es ist eine heterogene Allianz aus Hausbesitzern, Bauern, Umweltschützern und Berufsdemonstranten, die deutschlandweit mobil gegen den Ausbau der Luftfahrt macht. Eine Allianz, die künftig geschlossen auftreten will und damit zur Gefahr für die deutschen Luftfahrt wird. Auf der anderen Seite werben Wirtschaftsverbände, Luftfahrtunternehmen und Flughafenbetreiber mit all ihrer Macht für den Ausbau der Flughäfen und für Nachtflüge. Sie sprechen von Logistikketten und Urlaubsflügen, nennen ihre Gegner "Wachstumsverhinderer".

Es ist ein Konflikt, in dem es um grundsätzliche Fragen geht: Die Politik müsste entscheiden - zwischen Nachtruhe und Milliardeninvestitionen, zwischen Arbeitsplätzen und Anwohnerschutz, zwischen Wachstum und Umweltschutz. Es ist ein Konflikt, in dem es einen Verlierer geben muss. Und genau das ist der Grund, warum sich die Politik um eine Entscheidung drückt - oder einmal getroffene Entscheidungen nach wenigen Jahren revidiert. Die Politiker wissen nicht, wen sie mehr fürchten sollen: Den Wutbürger oder die Wirtschaft.  

Ein weiterer Höhepunkt ist an diesem Wochenende in der bayerischen Landeshauptstadt München zu erwarten, wo am Sonntag per Bürgerentscheid über den Bau einer dritten Landebahn am Flughafen „Franz Josef Strauß“ abgestimmt wird. Im Münchner Umland regiert die Wut. Denn nur die Bürger der benachbarten bayrischen Landeshauptstadt München dürfen abstimmen, ob die Stadt als Mitgesellschafter dem Bau zustimmen soll. Sie hält 23 Prozent am Flughafen. Genug um den Bau zu blockieren, denn die Entscheidung der Gesellschafter muss einstimmig getroffen werden.

SPD, CSU und FDP befürworten den Bau, die Grünen, die Freien Wähler und die Linkspartei lehnen ihn ab. Obwohl die demokratischen Mehrheiten im Rat eindeutig sind, haben die Minderheitsfraktionen die zusätzliche Volksabstimmung erzwungen. Symptomatisch für eine Politik, die sich ihrer Aufgabe entziehen will, Entscheidungen zu fällen. 

Im Rat sind die Mehrheiten klar, auf der Straße aber nicht. Ob der Bürgerentscheid erfolgreich ist oder nicht, kann niemand eindeutig voraussagen. Prognosen über die Stimmung in der Bevölkerung sind so vielfältig wie widersprüchlich. 

München: Die Bürger bleiben ratlos zurück
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11 Kommentare zu "Wirtschaft gegen Wutbürger: Der unendliche Krach um den Fluglärm"

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  • Ob Frankfurt, Berlin oder München: Treiber der Flughafenerweiterungen sind stets die Landesregierungen und die umliegenden Städte, sofern sie Anteilseigner sind. In Zeiten knapper Kassen und rechtlich bindender Schuldenbremsen ist jede Geldquelle willkommen und die Flughäfen versprechen stattliche Einnahmen. Daß diese nur auf Grund der Milliardensubventionen für die defizitäre Luftfahrtbranche fliesen, interessiert die Landesregierungen wenig, denn die Subventionen zahlen andere. Bemerkenswerterweise sind sich bei den Ausbaumaßnahmen CDU, FDP und SPD stets einig, jeder hofft nur insgeheim, der Zorn der Bürger möge gerade in eine Regierungsphase des jeweils anderen fallen…

    Standort- und Ausbauentscheidungen orientieren sich also nicht an volkswirtschaftlichen oder gar ökologischen Kriterien sondern an lokalen Interessen. Politisch „verkauft“ werden die Schaffung neuer (400€ ?) Arbeitsplätze und die Wirtschaftsentwicklung in der Region. Gesundheitliche Belastungen werden abgetan, Folgekosten über die Krankenversicherungen de facto „solidarisiert“, vom Bürger eingeklagte Lärmschutzmaßnahmen dem Steuerzahler auferlegt. Da die Länder bzw. die Landesregierungen gleichzeitig Eigentümer der Flughäfen, Gesetzgeber und Genehmigungsbehörde sind, schalten und walten sie nach Belieben und hart am Rande dessen, was demokratisch überhaupt noch legitimiert ist.

    Betroffene Bürger, welche die Zeche in Form von gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Verlust der Lebensqualität und Wertverlust des Eigentums zahlen müssen, werden als „Wutbürger“ verunglimpft und mit juristischen Tricks um ihre Beteiligungsrechte betrogen („Planklarstellung“).

    Es wird sich erst dann etwas an diesen Verhältnissen ändern, wenn auch die nicht von Fluglärm betroffenen Bürger erkennen, daß auch sie – verdeckt – zur Kasse gebeten werden.

  • Kein Unternehmen kann auf Dauer die Maximierung seiner Renditekennziffern gegen die Gesundheit und das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit von Menschen durchsetzen. Es verliert die gesellschaftliche Legitimation. Das sollten Vorstandsvorsitzenden börsennotierter Unternehmen im Grundstudium gelernt haben. Niemand in der Rhein-Main-Region braucht die dritte Landebahn - auch ich als Vielflieger mit LH Senatorstatus nicht. Das zusätzliche Wachstum dient nicht mehr den Menschen hier, sondern nur noch den Renditeanforderungen einer In ihr eigenes Wachstum verliebten Luftverkehrswirtschaft. Die Nachteile, nämlich Lärmterror, Schadstoffbelastung, Feinstaubemissionen, werden kalt lächelnd auf die Solidargemeinschaft abgewälzt. Hätten die Verursacher dafür zu zahlen, wäre die Lufthansa, diese seit Jahren am Existenzminimum dahinsiechende Laienspielschar, gleich am Ende. So subventionieren die Anwohner mit ihrer Gesundheit ein schlecht geführtes Unternehmen, das allein deswegen nur noch existiert, weil es für die von ihm verursachten Schäden nicht zur Verantwortung gezogen wird.

  • „Eine Maschine aus den 70er Jahren (kleiner und leiser, aber dennoch mit Düsentriebwerk) ist wesentlich leiser als ein A380 oder eine große Frachtmaschine.“
    Stimmt, die angebliche leise A380 sticht im normalen Überflug besonders hervor. Ich glaube, dass der Bevölkerung noch nicht klar ist, dass nicht nur der Lärm direkt an den Flughäfen ein Problem ist, auch abseits wird der Geräuschpegel durch den Flugverkehr ständig mehr. Bei den vorausgesagten Wachstumsprognosen und den erwähnten lauten neuen Maschinen kann man das nur als akustischen Supergau bezeichnen, wenn es im freien im ganzen Land keine natürliche Ruhe mehr gibt. Dass die Entwicklung des Flugverkehrs den Umweltschutz als Ganzes unglaubwürdig macht, muss zusätzlich erwähnt werden. Während wir am Boden überlegen ob wir öfters mit dem Rad fahren rauschen am Himmel im Minutentakt 100 Tonnen Ungetüme über uns die Tausende Liter Kerosin in der Luft über unseren Köpfen verteilen. Auch nie diskutiert ist die Tatsache, dass ein großer Teil der Überflüge nichts mit unserem Land zu tun hat. Dazu mal einen Blick auf flightradar24 . com werfen. In manchen Gebieten ist es jetzt schon so weit, dass Fluggeräusche das normale Umgebungsgeräusch sind. Auch die wirtschaftliche Bedeutung des Flugverkehrs hält bei näherer Betrachtung nicht Stand. Der Flugverkehr ist die Spitze des Globalisierungswahns Aufkosten der Menschen, Umwelt. Statt in Europa wieder auf solide kleinere Strukturen und Unternehmen mit Umweltfreundlichen kurzen wegen zu setzen, springen die Regierungen auf den Globalisierungszug auf, der Verlierer bringen muss. Für große Unternehmen wird die Globalisierung meist von Vorteil sein, weil Sie nicht standortabhängig sind und die Produktion immer dorthin verlagern, wo es gerade am billigsten ist. Auch das Überschwemmen des eigenen Marktes mit Produkten aus Billiglohnländern fördert die heimische Wirtschaft mittelfristig nicht. Es müssen Konzepte entwickelt werden in denen Ökonomie und Ökologie eine Einheit Bilden

  • Selten so viel aneinander gereihtes, dummes Zeug gelesen.

  • Wir sind vor allem Fluglärmopfer und nicht nur Fluglärmgegner. Einen Flughafen angesichts der verzweifelten lärmgeplagten Bevölkerung als notleidend zu bezeichnen, halte ich für zynisch. Ich empfehle dem Autor die Entschließung des 115. Deutsche Ärztetages zum Fluglärm zu lesen, dann werden Sie in Ihrer Wortwahl vielleicht vorsichtiger. Ich habe im übrigen nicht nur gesagt, dass die BIS Bürgerinitiatve Sachsenhausen bis zum Europäischen Gericht für Menschenrechte gehen wird, zur Zeit bereiten wir eine Verfassungsklage vor.
    Dr. Ursula Fechter

  • @Sebbe:
    Sie zeigen eindeutig, dass Sie keine Ahnung haben.
    Als ich nach Sachsenhause gezogen bin, war die Flugschneise Kilometer weit weg, sodass man es noch ertragen konnte.
    ABER letztes Jahr wurden die Flugschneisen geändert, so dass diese jetzt über wesentlich mehr Wohngebiete führen als früher (bei mir mittlerweile über das Haus, vgl. früher Kilometer weit weg)
    Also bitte informieren Sie sich einmal genauer. Flugschneisen können verlegt werden und Landebahnen neu gebaut werden.
    Und denken Sie bitte auch dran, dass die Maschinen immer größer und damit lauter werden. Eine Maschine aus den 70er jarhe (kleiner und leiser, aber dennoch mit Düsentriebwerk) ist wesenltich leiser als ein A380 oder eine große Frachtmaschine.

    PS: Finden Sie erstmal eine bezahlbare Wohnung in Frankfurt ohne je Wegstrecke 1,5h fahren zu müssen. Manche können Sie halt nur eine örtl. Monatskarte leisten und nicht mehr.

  • @ Sebbe
    Zu dumm, dass eine 2000 Jahre alte Domstadt damals in der Einflugschneise der neuen Landebahn des Jahres 2011 gebaut wurde. Wie wenig weitsichtig die Mainzer doch damals waren!

  • In Berlin hätte es eine schöne Lösung geben können mit einem Interkontinentalflughafen auf der Grünen Wiese, ob nun in Sperenberg oder anderswo. Am besten in der Nähe einer der großen Ausfallstraßen mit Bahnanbindung, irgendwo zwischen Jüterbog, Zossen und Treuenbrietzen. Dort zieht sich ein breiter Waldgürtel von der polnischen Grenze bis zum Fläming mit sehr geringer Besiedlung, Wäldern und vielen alten Militärbrachen. Das wären natürlich zwischen 40 und 50 km südlich von Berlin-Mitte gewesen. Die Verkehrsanbindung hätte etwas mehr gekostet, der Lärmschutz weniger. Die wenigen Betroffenen hätte man sicher großzügig abfinden können. Und man hätte einen Rund-um-die-Uhr-Flughafen gehabt mit Frachtverkehr und Nachtflügen ohne Ende. Ein europaweit gefragter Umsteigebahnhof vor allem Richtung Asien. Vorbei.
    Was wird wohl nun in Berlin passieren? Man sieht deutlich, dass die Edelflieger alles daran setzen, in Tegel zu bleiben. Schönefeld ist für die Billigheimer und Touristenflieger und wird nie ein wirklich gefragter Flughafen werden. Der BER ist eigentlich nur eine Art Ausbau des alten SXF: Die urspüngliche Startbahn abgerissen, die später südlich angebaute Bahn zur Nordbahn gemacht, zwei Kilometer weiter südlich eine neue Bahn hingestellt und dazwischen ein großes Einkaufszentrum gesetzt. Nichts weiter.

  • Jammerlappen!
    Warum hat Frankfurt knapp 700.000 Einwohner? Dank des Flughafens!
    Wer in Frankfurt Stadt wohnt, bekommt vom Fluglärm wenig mit, dort ist es eh immer laut. Auch zwingt mich niemand, meine Wohnung direkt unter der Einflugschneise zu errichten!Wer es doch tut, ist sich über die Konsequenzen hoffentlich im vorhinein bewusst.
    Mein Standpunkt ist: Flughafen ausbauen bis es nicht mehr geht und somit Deutschland bzw. Frankfurt zum Dreh- und Angelpunkt Europas ausbauen, bevor dies andere tun!
    Wohngebiete fernab des Flughafens erschließen, dort Wohnungen bauen. Durch die Technik werden Flugzeuge auch bald leiser werden...

  • Es gibt 2 Gründe für den Streit:
    1.: Die Flughafenbetreiber wohnen nicht in der Einflugschneise
    2.: Die Anwohner dürfen keine FLAK in den Garten stellen.

    Wenn einer dieser Punkte erfüllt ist, hört der Streit sofort auf.

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