Wirtschaftsfaktor Halloween Zombies, Zaster, Zähneklappern

Halloween ist nicht nur ein Kinderspaß, es ist ein Geschäft mit Millionen-Umsätzen. In manchen Regionen hat der neue Brauch schon Karneval abgehängt. Warum sich die Deutschen so gerne gruseln – und wer daran verdient.
„Extrem steigende Tendenz“ Quelle: dpa
Halloween-„Vergnügen“ in einem Freizeitpark

„Extrem steigende Tendenz“

(Foto: dpa)

DüsseldorfWer ein furchtsames Gemüt hat, der sollte am Vorabend von Allerheiligen lieber nicht die Türe öffnen. Denn es könnte durchaus sein, dass der Nachbar zum Zombie geworden ist und sich die Kinder von Gegenüber in eine Horde von Skeletten verwandelt haben.

Doch nicht die Tore zur Unterwelt wurden geöffnet, sondern Halloween hat begonnen. Und die Schauergestalten suchen nicht nach Menschenblut, sondern jagen nach Süßigkeiten von Tür zu Tür – zumindest die Kinder. Der zum Zombie mutierte Nachbar ist wahrscheinlich auf dem Weg zur nächsten Party.

Halloween, das Fest mit Ursprung in den Vereinigten Staaten, erfreut sich mittlerweile auch in Deutschland zunehmender Beliebtheit. Und so soll die Nacht vor dem Feiertag Allerheiligen, nicht nur die Tür zwischen Diesseits und Jenseits öffnen, sondern auch die Geldbörsen der Deutschen. Denn das Geschäft mit dem Grausen ist für viele Händler zur wichtigen Einnahmequelle geworden.

Walburga Loock ist Kürbisbäuerin im bayerischen Sickertshofen. Es war 1997, als sie das erste Mal eine öffentliche Halloween-Party veranstaltete. Zu dem US-amerikanischen Feiertag gehören neben gruseliger Verkleidung, auch die traditionellen geschnitzten Kürbisse. „Allerdings wusste zu jener Zeit noch kaum jemand etwas mit Halloween anzufangen“, erzählt Loock. Seit dem hat sich viel verändert.

Hatte Loock in den 90er-Jahren noch mühsam versucht Münchner Partymacher für Halloween zu begeistern, kennt heute jeder das Fest, erzählt die Bäuerin: „Heute kommen Kunden aus allen Bereichen zum Hof und decken sich mit Kürbissen ein. Um sie zu essen, zu dekorieren und um welche zu schnitzen.“ Zudem beliefert Loock verschiedenste Locations in München und im Umland mit ihren Kürbissen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im vergangenen Jahr knapp 70.000 Tonnen Kürbisse verkauft, etwa ein Fünftel mehr als im Jahr 2013. Im Oktober gehen erfahrungsgemäß rund 40 Prozent des deutschen Gesamtabsatzes über die Ladentheke. Doch nicht nur mit Kürbissen lässt sich Geld verdienen.

„Viele Deutsche lieben den wohligen Schauer und bescheren dem Einzelhandel Zusatzumsätze vor dem Start des Weihnachtsgeschäfts im November“, sagt Stefan Hertel vom Handelsverband Deutschland (HDE). Vor allem im Spielwarenhandel habe Halloween einen festen Platz in der Herbstsaison, so Hertel: „Daneben machen aber auch die Lebensmittelhändler sowie die Händler mit Dekorationsware gute Geschäfte.“

Die Deutschen lieben den wohligen Schauer

Erschrecken, aber richtig!
Allerheiligen
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A wie ALLERHEILIGEN:

Folgt unmittelbar auf die Halloween-Nacht. Das schaurige Spektakel wird stets am 31. Oktober gefeiert, dem Abend vor Allerheiligen - daher auch der Name Halloween, vom englischen „All Hallows' Eve“.

Internationale Plasmaspenderwoche
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B wie BLUT:

Kunstblut für das Gesicht, echtes Blut für den guten Zweck: Das Universitätsklinikum Münster ruft an Halloween zum Blutspenden in schauriger Atmosphäre auf. Bei einer Blutspende-Party im österreichischen Burgenland feierten Gäste in den vergangenen Jahren gratis, wenn sie sich vom Roten Kreuz Blut abzapfen ließen.

Curtis
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C wie CURTIS:

US-Regisseur John Carpenter erweckt in „Halloween - Die Nacht des Grauens“ (1978) den psychopathischen Killer Michael Myers zum Leben - weshalb die junge Jamie Lee Curtis schreit wie am Spieß. Der Film „Halloween“ wurde zum Vorbild zahlreicher Gruselschocker.

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D wie DRAMA:

Im schwedischen Göteborg sterben 1998 insgesamt 63 Menschen auf einer Halloween-Party. Vier später zu langen Haftstrafen verurteilte Brandstifter hatten das Feuer vor dem einzigen Zugang einer Diskothek gelegt, weil ihnen der Zutritt verwehrt worden war.

Kelten
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E wie EISENZEIT:

Die Ursprünge des Brauchs sind wahrscheinlich bereits 2500 Jahre alt. Die Kelten feierten mit ihrem Totenfest „Samhain“ (gälisch für November) das Sommer-Ende mit Freudenfeuern und Opfergaben.

Halloween
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F wie FREIZEITPARKS:

Da wird die Geisterbahn aufpoliert: Auch deutsche Freizeitparks machen ein Geschäft mit Grusel-Wochen. Der größte deutsche Freizeitpark, der Europa-Park in Rust bei Freiburg, hat sich dieses Jahr nach eigenen Angaben mit Hunderttausenden Kürbissen, Äpfeln, Maisstauden und Strohballen geschmückt.

Klosterkirche nach Hochwasser fertiggestellt
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G wie GEGNER:

Die Kirchen halten eher wenig von dem Spuk. Katholiken fürchten, dass das Totengedenken an Allerheiligen und Allerseelen der Spaßkultur zum Opfer fallen könnte. Und Protestanten sehen ihren am 31. Oktober begangenen Reformationstag in Gefahr.

Das Marktforschungsunternehmen Nielsen hat das ganz genau berechnet: Während die Deutschen zwei Wochen vor Halloween pro Woche rund 140 Millionen Euro für Süßigkeiten ausgeben, steigt der Umsatz in der Halloween-Woche um 17 Prozent auf rund 164 Millionen Euro. Der Absatz von Süßigkeiten steigt in dieser Zeit von 17,6 Millionen auf rund 22,2 Millionen. Kilo.

„Auf dem Süßigkeiten-Markt ist Halloween die erste Welle vor dem großen Süßigkeiteneinkauf zu Weihnachten“, sagt Gordon Finlay, Commercial Director bei Nielsen. Ganz klar im Trend lägen dabei spezielle Halloween-Süßigkeiten. „Im Vergleich zum Vorjahr konnten diese im Oktober 2014 ein Umsatzwachstum von 68 Prozent verzeichnen", so Finlay.

Und nicht nur Süßigkeiten und Deko-Artikel haben zu Halloween Konjunktur, sondern auch Verkleidungen. Nach Angaben der Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie wurde im vergangenen Jahr mit Masken, Kostümen und Horror-Accessoires ein Umsatz von 28 Millionen Euro erlöst. Das sind rund 600.000 verkaufte Kostüme und 1,3 Millionen Schminksets.

Davon profitiert auch Björn Lindert, Geschäftsführer beim Kostümhändler Deiters: „Bundesweit lässt sich in unseren Filialen beobachten, dass das Geschäft mit Halloween eine extrem steigende Tendenz zeigt.“ Zahlen will Lindert nicht nennen, doch nach Karneval sei Halloween der wichtigste Markt für den Kostümhändler geworden: „Die Verkaufszahlen steigen seit circa fünf Jahren von Jahr zu Jahr.“ Auch Anne Perius vom Online-Shop Kostümpalast verzeichnet Steigerungen im Umsatz. Das liege auch daran, dass im privaten Bereich viele Wintergeburtstage als Halloween-Party umfunktioniert würden.

Zombiefilme befeuern den Trend

Doch warum begeistern sich immer mehr Deutsche für das Fest? Dirk Matejovski, Professor für Medien- und Kulturwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, sieht einen gesellschaftlichen Hang zum Makabren – dem klassischen Motiv der Vergänglichkeit folgend: „Das sieht man zum Beispiel an den Welterfolgen von "The Walking Dead" und anderen Zombiefilmen und Serien oder etwa an dem Massenphänomen des Zombie Walk.“ Ein solches Bedürfnis bediene auch ein Fest wie Halloween.

Doch nicht nur die Freude am Zombie, hat den Tag dem Festkalender der Deutschen hinzugefügt: „Der Erfolg von Halloween ist auch kampagnengestützt“, erklärt Kultur- und Medienwissenschaftler Matejovski: „Befeuert durch Handel, Süßwaren- und Verkleidungsindustrie.“ Durch entsprechende Werbemaßnahmen schaffe man die nötige Aufmerksamkeit für das Fest.

Das bestätigt auch Björn Lindert von Deiters: „Wir agieren zum einen bedarfsdeckend, zum anderen auch bedarfsweckend.“ 2012 und 2013 veranstaltete das Unternehmen die nach eigenen Aussagen größte Halloween-Party Deutschlands, in der ausverkauften Kölner Lanxess-Arena.

Doch nicht überall ist das Interesse am Fest gleich hoch. Die wachsende Bedeutung werde besonders deutlich in Regionen, in denen traditionell eher weniger Karneval oder Fasching gefeiert werde – wie beispielsweise in Berlin, erklärt Deiters-Geschäftsführer Lindert: „Da ist das Halloweengeschäft sogar bedeutsamer als das Karnevalsgeschäft.“

Auch die Deals-Umfrage beweist: Berlin ist Spitzenreiter bei den Halloween-Feiernden. Liegt die gesamtdeutsche Zahl bei 68 Prozent, sind es in der Hauptstadt 84 Prozent, gefolgt von Thüringen mit 79 und Brandenburg mit 75 Prozent. Generell steige das Interesse bundesweit, meint Lindert: „Da gibt es keinen Unterschied zwischen West und Ost, Nord oder Süd.“

Am wahrscheinlichsten wird also der Nachbar in Berlin als Zombie an der Tür klingeln. Mit unheimlichen Begegnungen dürfte aber deutschlandweit zu rechnen sein.

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