Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Die unheimliche Macht der großen Bilanzprüfer

Sie arbeiten weitestgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit, aber ihre Macht ist riesig: Die vier großen Wirtschaftsprüfer kontrollieren die Bilanzen von fast allen wichtigen Aktiengesellschaften in Deutschland - und verschaffen sich damit Zugang zu weiteren lukrativen Beraterverträgen. Brüssel will diese Dominanz nun brechen.
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Bürogebäude von Deloitte: Dax-Mandate bringen den Prüfungsgesellschaften neben Millionen auch Renommee. Quelle: PR - Hans Georg Esch

Bürogebäude von Deloitte: Dax-Mandate bringen den Prüfungsgesellschaften neben Millionen auch Renommee.

DÜSSELDORF. Die Konzentration unter Wirtschaftsprüfern hat in Deutschland dramatische Ausmaße angenommen. Die "Big Four" - Deloitte, Ernst&Young, KPMG und Pricewaterhouse Coopers - teilen sich mittlerweile 83 Prozent des Geschäfts mit den 160 großen Aktiengesellschaften und setzen hierzulande 4,4 Milliarden Euro um. Das ergab der Handelsblatt-Firmencheck, eine Analyse der 160 führenden deutschen Aktiengesellschaften in Zusammenarbeit mit dem Centrum für Bilanzierung und Prüfung und der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Noch vor wenigen Jahren lag der Anteil der "Big Four" erst bei 67 Prozent.

Im Geschäft mit den Konzernen sind zweistellige Millionenhonorare die Regel. Der Energiekonzern Eon zahlte zuletzt 64 Millionen Euro an PwC, davon 30 Millionen Euro für die Abschlussprüfung. KPMG stellte der Deutschen Bank 56 Millionen in Rechnung. Siemens hatte wegen der Aufarbeitung des Bestechungsskandals vor drei Jahren die Rekordabrechnung über 87 Millionen Euro von KPMG auf dem Tisch. Inzwischen prüft Ernst & Young für 47 Millionen Euro in München.

Den Prüfern bringen die Dax-Mandate nicht nur Millionen, sondern auch Renommee. Sie gelten als Tor zu weiteren Berateraufträgen.

Diese Dominanz der großen Prüfer hat jetzt auch die Europäische Union auf den Plan gerufen. EU-Kommissar Michel Barnier hält KPMG, Pricewaterhouse Coopers (PwC) Ernst & Young (E&Y) und Deloitte für "systemrelevant". Die vier globalen Branchenführer prüfen alle Unternehmensbilanzen von Rang und Namen. Die EU-Kommission geht europaweit von 70 Prozent Marktanteil der großen vier aus. "Da brauchen wir keine Deregulierung. Wir brauchen mehr Regeln", so Barnier. Allein in Deutschland streichen die "Big Four" jährlich 4,4 Milliarden Euro Honorar ein - bei einem relevanten Marktvolumen von 5,9 Milliarden Euro.

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9 Kommentare zu "Wirtschaftsprüfungsgesellschaften: Die unheimliche Macht der großen Bilanzprüfer"

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  • 1:0 für Dirk Hildebrandt?

    PS: KPMG = Keiner Prüft Mehr Genau

  • @[6]
    Sie scheinen ja wirkliche insider-informationen über die WP branche zu haben. ich konnte bloss gar nicht herauslesen, dass einer der Kommentatoren diesem von ihnen zu Recht deutlich richtiggestellten irrwitzigen Glauben erlegen wäre.

  • Experten sind immer diejenigen, die genau wissen wie alles funktioniert und wenn es dann anders kommt, dann haben sie gleich eine Erklärung dazu! Es passt also immer oder immer nicht.

  • Was die Kommentatoren hier wohl nicht wissen: ein Prüfungsauftrag an eine WP umfasst eben ausdrücklich n i c h t die Suche nach betrug, Korruption oder ähnlichem.
    Schönen Tag noch.

  • @Herr Sowieso

    ich habe scheinbar andere Erfahrungen gemacht als Sie. ich arbeite seit 10 Jahren im Rechnungswesen verschiedener Unternehmen und bin schon immer Ansprechpartner für Wirtschaftsprüfer. Meine Erfahrung:
    Wurde ein Unternehmen von einer kleineren Gesellschaft geprüft, kamen hier jedes Jahr die gleichen Personen ins Unternehmen. Diese waren stets gut vorbereitet und verstanden das Unternehmen sehr gut. Mit vergleichsweise geringem Aufwand (Zeit und Personal) waren sie doch immer in der Lage, die wesentlichen Fehler im Abschluss zu finden und zu beseitigen.
    Wurde ein Unternehmen jedoch von einem der großen Vier geprüft, schickten diese jedes Jahr neue Leute, und vorzugsweise Trainees ohne nennenswerte Erfahrungen. Wir haben viel Zeit damit verschwendet, unser Geschäft jedes Jahr auf neue zu erklären. in einem Jahr hat die Prüfungsgesellschaft ihre Arbeit nicht in der vorgesehenen Zeit erledigt, so dass dann wiederum neue Leute in die laufende Prüfung gesteckt worden sind, und alles fing wieder von vorne an.

    und @Einanderer
    Die Prüfer, die ich bislang erlebt hatte, waren allesamt nur an Richtigkeit der Abschlüsse interessiert. Die Ergebnisse waren stets zutreffend.

  • barnier hat Recht. Man denke nur an Skandale wie Enron oder aktuell auch Lehman brothers, bei denen große Wirtschaftsprüfer involviert gewesen sind. Enron bedeutete das Ende für Arthur Andersen – seither gibt es nur noch vier große Global WP-Player. bei Lehman steht jetzt Ernst & Young unter beschuss. Was die Finanzmarktkrise betrifft, so ist auffallend, dass es sowohl bei den Ratingagenturen, als auch bei den Wirtschaftsprüfern und selbstverständlich auch im globalen bankensektor eine klare Dominanz der großen Player gibt.
    Wir haben auch darüber hinaus immer mehr Märkte, die durch eine ähnlich große Dominanz einiger weniger Konzerne gekennzeichnet sind – ob Computerprozessoren, iT-Anbieter, Automobilsektor oder Pharma etc. Und das wirkt sich mehr und mehr negativ auf für die Stabilität unseres marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystems aus:

    Einmal weil es immer mehr Fälle von „Too big To Fail“ gibt, die im Krisenfall gerettet werden müssen.
    Zum anderen aber auch, weil solche Marktstrukturen dynamisch innovativen Wettbewerb schlicht unmöglich machen. Die kontrollierende und regulierende Kraft dynamisch-innovativen Wettbewerbs fällt fort (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/09/kapitalismus-in-der-krise-abschied-von.html). Das sieht man an der Preisentwicklung, aber auch an den Skandalen sowie daran, dass der gerade auch von den Großen ausgehende Einfluss auf die Politik (Lobbyismus) dazu führt, dass die Rahmenbedingungen zugunsten ebendieser Großen gestaltet werden – zum Nachteil und auf Kosten des Restes der Wirtschaft, speziell der mittelständischen Unternehmen, und vor allen Dingen der bürger/Nachfrager.
    bleibt zu hoffen, dass Herr barnier ernst macht. Aber davor wird er noch die Hürde „Ministerrat“ nehmen müssen und es steht zu befürchten, dass sich dort die „Lobbyisten“ der Großen durchsetzen werden. Wie auch immer: Mit strengen Regeln allein wird man den genannten Grundproblemen solcher Marktstrukturen nicht wirksam begegnen können. Denn sie beseitigen die marktstrukturell bedingte System-instabilität nicht.

    Das grundlegende Problem ist, dass die Wirtschaftspolitik der industriestaaten in den zurückliegenden Dekaden die Entstehung und Förderung von sog. „National Champions“ in den Mittelpunkt gestellt hat. Jetzt muss die Abhängigkeit ganzer Volkswirtschaften von diesen Riesen reduziert werden und am Ende könnte Krisenvermeidung bedeuten, ggf. auch Konzerne zu zerschlagen. Das wäre nicht neu in der Geschichte des Verlaufs früherer Krisen.

  • Möchte mal wissen wie die kleineren WP-Gesellschaften die Qualität bei der Prüfung von Großkonzernen erhöhen sollten; die bilanzierung wird immer komplizierter und ohne Einschaltung von Spezialisten läuft auf keiner solchen Prüfung mehr etwas. Und die Ressourcen für solche Spezialisten haben nunmal nur die big 4.
    Ausserdem frage ich mich auch wie durch die zusätzliche Einschaltung von kleineren WPs mehr gesehen werden soll. Es werden höchstens mehr Fragen gestellt weil das Spezialistenwissen gerade nicht vorhanden ist und es an Verständnis mangelt. bzw. kritische Punkte werden übersehen, weil die falschen Fragen gestellt werden. Was hat das mit Qualität zu tun??

  • immer dasselbe: jene welche kontrolliert werden sollen, wählen ihre Kontrolleure selber aus und bezahlen sie auch. Ob das irgend einen Einfluss auf das Ergebnis hat? Neiiiin, niiiiiemals, wieso sollte es auch?

  • Jaja die Story kenne ich schon, dass sind die mit Heiligenschein und alle anderen sind die Verbrecher! Gähnnnn, kein besser Witz parat?

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