Wöhrl zur Zerschlagung von Air Berlin Lufthansa und Regierung wollen Monopol schaffen

Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl unterstellt der Bundesregierung, die Lufthansa bei der Zerschlagung von Air Berlin zu bevorzugen. In einem offenen Brief an den Wirtschaftsstaatssekretär macht er seinen Unmut deutlich.
Update: 20.08.2017 - 17:42 Uhr Kommentieren

Bis zu 75 Prozent Marktanteil – diese Studie könnte Lufthansa am Boden halten

Berlin/NürnbergIm Poker um die insolvente Air Berlin hat der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl der Bundesregierung vorgeworfen, die Lufthansa bei der Zerschlagung der Fluglinie zu bevorzugen. Die große Koalition und Marktführer Lufthansa würden gemeinsame Sache machen, schrieb Wöhrl in einem am Sonntag veröffentlichten offenen Brief an Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig. Solch eine „mit Steuergeldern finanzierte Lösung bedeutet nichts anderes als die (...) Schaffung eines erneuten Monopols auf allen innerdeutschen und vielen europäischen Strecken.“ Machnig hatte zuvor im Namen der Bundesregierung eine Komplettübernahme der Fluglinie durch Wöhrl strikt abgelehnt.

„Diese somit scheinbar von der Regierung gewünschte Monopolisierung widerspricht jedem Recht auf freien Wettbewerb und ist weder mit den Zielen der europäischen Gemeinschaft noch mit dem Kartellrecht vereinbar“, schrieb der Nürnberger Unternehmer. „Der Verlust von vielen Arbeitsplätzen, insbesondere im Verwaltungsbereich, wird dabei billigend in Kauf genommen.“ Machnig hatte am Samstag dem RBB-Inforadio gesagt: „Das Modell Air Berlin als eine eigenständige Airline ist ja gescheitert.“

Wer im Airline-Poker mit am Tisch sitzt
Folgenreicher Insolvenzantrag
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Der Insolvenzantrag der Air Berlin zog eine Welle von Interessensbekundungen nach sich. Von Anfang an zeichnete sich ab, dass die Fluggesellschaft wohl von mehreren Konkurrenten übernommen wird. Neben zahlreichen Interessenten sind auch weitere Akteure in die Verhandlungen verwickelt: Nicht nur Experten des Insolvenzrechts, auch die Bundesregierung wirkt zumindest indirekt mit. Derweil konkretisieren die Interessenten ihre Wünsche.

Neu im Rennen
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Der frühere Formel 1 Champion Niki Lauda interessiert sich nun auch offenbar für Air Berlin. Der Ex-Rennfahrer will knapp 40 Maschinen der insolventen Airline und ihrer Tochter Niki übernehmen. Dafür will er zusammenarbeiten mit ...

Thomas Cook und Condor
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... dem Reiseveranstalter Thomas Cook und der Tochter Condor. Geht der Plan auf, erhält Niki Lauda 51 Prozent des Konsortiums. Er will dann ausschließlich touristische Ziele anfliegen. Für Fluggäste soll dabei Thomas Cook sorgen.

Aktionär zieht sich zurück – mit weitreichenden Folgen
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Seit 2012 ist Großaktionär der Staatskonzern aus Abu Dhabi mit einem Anteil von 29,2 Prozent an Air Berlin beteiligt. Wenige Tage, nachdem Etihad die Unterstützung entzogen hatte, sah sich Air Berlin zur Insolvenzanmeldung gezwungen. Dennoch widerspricht Etihad dem Eindruck, Air Berlin im Stich gelassen zu haben: Noch im April seien 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden. Diese Unterstützung habe man aber angesichts der „sich rapide verschlechternden Geschäftsergebnisse und Liquidität“ nicht weiter leisten wollen. Ein Großteil der 1,5 Milliarden Schulden dürfte wohl ohnehin am großen Partner hängenblieben.

Lufthansa dominiert die Verhandlungen
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In der nun eröffneten Bieterschlacht ist die Lufthansa ganz vorn dabei. Die Verhandlungen mit dem deutschen Marktführer, der die Übernahme schon seit Monaten vorantreibt, sollen am Freitag beginnen. Schon im Januar war dem umsatzstärksten europäischen Luftverkehrskonzern ein Teilerfolg gelungen: Damals wurden die Anmietung und faktische Übernahme von 38 Mittelstrecken-Maschinen genehmigt, was rund einem Viertel der Air-Berlin-Flotte entspricht.

Carsten Spohr
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Mindestens ein weiteres Viertel will der Lufthansa-Chef nun für seine Billigflieger-Gruppe Eurowings sichern. Diese sucht ohnehin zusätzliche Maschinen und Slots für die Mittel- und die Langstrecke. In Wirklichkeit verfolgt Spohr aber ein übergeordnetes Ziel: Den Billigflieger Ryanair von den größeren deutschen Flughäfen so weit wie möglich fernzuhalten. Um den Wettbewerb hochzuhalten, nimmt er dafür sogar größere Marktanteile anderer Anbieter in Kauf.

Die Konkurrenz
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Daher steht die Lufthansa ihren Konkurrenten auch nicht im Weg. Gespräche mit Easyjet und Tuifly sind nach Angaben von Air Berlin ebenfalls geplant. Auch der Reiseveranstalter Thomas Cook mit seiner Ferienflugtochter Condor interessiere sich an einer „aktiven Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin“. Thomas-Cook-Feriengäste kommen ohnehin schon zu großen Teilen mit Air Berlin an ihr Ferienziel.

Wöhrl hatte nach Mitteilung vom Freitag über eine Münchner Kanzlei ein formelles Angebot für die Fluggesellschaft abgegeben. Ziel der Offerte sei es, die Air Berlin Gruppe als Ganzes zu erhalten und als unabhängige Airline fortzuführen.

Die Fluggesellschaft stellte hingegen fest, dass bis Sonntagmittag keine Offerte von Wöhrl eingegangen sei.

Air Berlin soll möglichst schnell unter mehreren Bietern aufgeteilt werden. „Wir haben mit mehr als zehn Interessenten gesprochen, darunter mit mehreren Fluglinien“, sagte Konzernchef Thomas Winkelmann der „Bild am Sonntag“. Namen nannte er nicht. „Wir wollen den Verkauf spätestens im September abschließen. Sonst schwindet das Vertrauen der Kunden in die Airline.“

Ein Komplettverkauf der insolventen Fluggesellschaft sei unwahrscheinlich: „Es wird nicht einen, sondern zwei oder drei Käufer geben.“ Langstrecken, Geschäftsflüge und Urlaubsreisen seien zu unterschiedliche Bereiche. Neben der Lufthansa gelten Easyjet, TUI und der Reisekonzern Thomas Cook mit seiner Tochter Condor als Interessenten für Teile von Air Berlin.

Air Berlin trotz Insolvenz im Plus – Dax bleibt im Rückwärtsgang

Nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ hat die Lufthansa den Insolvenzverwaltern ein Konzept vorgestellt, wonach die Airline bis zu 70 Flugzeuge übernehmen will – davon 12 bis 17 für die Langstrecke und 21 von der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki. Dazu kämen 2000 bis 3000 Mitarbeiter, vor allem Piloten und Flugbegleiter. Insider hatten der Nachrichtenagentur Reuters bereits vergangene Woche gesagt, dass die Lufthansa bis zu 90 der 140 Flugzeuge von Air Berlin übernehmen will, darunter 21 Flugzeuge von Niki. Air Berlin und Lufthansa haben Gespräche bestätigt, sich aber nicht zu Details geäußert. Der Marktführer hat bereits 38 Maschinen inklusive Crews von Air Berlin gemietet.

TUI wolle sechs bis sieben Maschinen, berichtete die „Bild am Sonntag“. Die TUI-Tochter TUIfly fliegt für Niki und hat Passagiere auf Air Berlin gebucht. Thomas Cook hatte erklärt, er und seine Tochter Condor stünden ebenfalls für eine „aktive Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin bereit“.

Bei den Verhandlungen über die Aufteilung von Air Berlin drängt die Zeit. Aus insolvenzrechtlicher Sicht muss die Zukunft von Air Berlin spätestens bis Ende Oktober zumindest ansatzweise klar sein. Denn die Arbeitsagentur zahlt die Löhne der 7200 Mitarbeiter in Deutschland nur im vorläufigen Insolvenzverfahren, von August bis Oktober. Von November an müsste die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft die Personalkosten wieder selbst stemmen. Sollten die Buchungen einbrechen, dürfte es schon davor eng werden – denn von der Buchungslage hängt ab, wie lange der Staatskredit über 150 Millionen Euro reicht.

  • dpa
  • rtr
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