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Wolfgang Krogmann im Interview Primark-Manager: „Deutschland ist ein schwieriger Markt“

Wolfgang Krogmann, Deutschland-Chef von Primark, spricht im Interview über sinkende Umsätze, geschrumpfte Filialen und den Kampf gegen Amazon.
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Primark-Manager Krogmann: „Deutschland ist ein schwieriger Markt“ Quelle: Primark
Primark-Deutschlandchef Wolfgang Krogmann

„Wir müssen ja darauf achten, dass wir die erforderliche Flächendichte erreichen.“

(Foto: Primark)

Herr Krogmann, jahrelang hat Primark die Konkurrenten das Fürchten gelehrt. Jetzt aber stockt erstmals das Wachstum in Deutschland auf vergleichbarer Fläche. Was läuft schief?
Nichts läuft schief. Wir haben es schließlich in nur zehn Jahren nach unserem Start in Deutschland hier in die Top Ten der Modehändler geschafft. Im laufenden Jahr werden wir in Deutschland einen Umsatz von knapp 900 Millionen Euro erreichen.

Aber trotzdem sinkt der Umsatz in Deutschland auf vergleichbarer Fläche. Warum?
Deutschland ist ein schwieriger Markt. Der Umsatz im gesamten stationären Modehandel ist in den vergangenen zwei Jahren jeweils um zwei Prozent gesunken.

Bekommen Sie jetzt auch den Frequenzverlust in den Innenstädten zu spüren?
Unsere Läden sind immer noch stark besucht. Wir haben jede Woche über 1,2 Millionen Besucher in unseren 28 Stores in Deutschland, also durchschnittlich mehr als 40.000 Besucher pro Store, pro Woche. Damit liegen wir sicherlich im deutschen Modehandel an der Spitze.

Aber Ihr neuer Laden in Wuppertal, den Sie im April eröffnen, wird ein Drittel kleiner als ursprünglich geplant.
Wir haben die Größe der Filiale an die Kaufkraft in der Stadt und der Region angepasst. Wir müssen ja darauf achten, dass wir die erforderliche Flächenproduktivität erreichen.

Haben Sie die Expansion in Deutschland übertrieben?
Wir werden auch dieses Jahr noch drei Stores eröffnen, in Kiel, Bonn und Berlin. Und im Vergleich mit unseren anderen Märkten haben wir in Deutschland durchschnittlich die größten Filialen. Wir haben mittlerweile auch Erfahrungen mit einer Store-Größe gesammelt, die auf kleinere Städte zugeschnitten ist, wie beispielsweise in Ingolstadt. Wir lernen eben dazu.

Herr Krogmann, Konkurrenten wie C&A haben auch dazu gelernt und greifen Primark mit einer eigenen neuen Billiglinie an. Ist der Wettbewerb unter den Discountern härter geworden?
Der Wettbewerb im Textilhandel hat sich seit unserem Start in Deutschland stark verändert. Wir müssen deshalb immer wachsam bleiben und uns ebenfalls verändern. Wir stellen uns deshalb noch mehr als früher auf die Kunden in Deutschland ein.

Und wie bitte?
Wir bieten zum Beispiel jetzt mehr Babykleidung aus Baumwolle an als in unseren englischen Stores. Deutsche Mütter wollen keine Synthetik-Kleidung für ihre Jüngsten. Und anfangs waren alle Preisschilder und Hinweise auf den Regalen in englischer Sprache. Doch das haben viele Kunden nicht verstanden. Also haben wir vor ein paar Monaten alles auf Deutsch umgestellt.

Das ist doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Wie wollen Sie denn den Umsatz künftig wieder steigern?
Wir haben unser Produktangebot erweitert und unter anderem unsere Abteilungen für Wohnaccessoires und für Beauty ausgebaut. Das Beauty-Geschäft, mit dem wir erst vor drei Jahren begonnen haben, wächst mit hohen zweistelligen Raten.

Sie gehören zu den wenigen im Modehandel, die auf das Online-Geschäft verzichten. Wie lange können Sie sich das noch leisten?
Lieferungen zu den Kunden nach Hause sind für uns kein Thema. Zu unseren Preisen ist es sehr schwer vorstellbar, dass jemand dabei einen Gewinn erzielt. Dafür sind die Logistikkosten viel zu hoch. Wir verfolgen dennoch sehr aufmerksam die Entwicklungen im Onlinehandel.

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Wie wollen Sie denn dauerhaft gegenüber Amazon und Zalando in Deutschland bestehen?
Wir müssen den Kunden mehr anbieten als die Online-Stores: bessere Preise, besseren Service und mehr Aufenthaltsqualität in unseren Läden.

Aufenthaltsqualität in Primark-Läden?
Wir haben sogenannte „Trend Rooms“ eingerichtet, wo wir den Kunden zeigen, welche Kleidungsstücke sie gut kombinieren können. Zusätzlich gibt es in den meisten Filialen Sitzecken mit Ladestationen und kostenloses Wifi.

Na, schön. Aber wie wollen Sie mit dem großen Warenangebot im Internet mithalten?
Wir arbeiten hart dafür, dass jeder Store jedes Kleidungsstück möglichst in jeder Farbe und Größe vorrätig hat, jeden Tag. Denn unsere Kunden sollen bei uns ihr gewünschtes Produkt finden. Dafür kommen viele Mitarbeiter jeden Morgen um sechs Uhr zur Frühschicht, um alle Regale und Kleiderständer aufzufüllen.

Sie könnten die Logistik vereinfachen, wenn Sie zum Beispiel Stores nur für Kinderkleidung, für Damenmode oder wie Zara Home für Wohnaccessoires eröffnen.
Nein, das ist keine Option für uns. Wir wollen in jeder Filiale die ganze Familie einkleiden.

Herr Krogmann, vielen Dank für das Interview.

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