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Wut in Zweibrücken Flughafen-Insolvenz löst Anti-EU-Proteste aus

Nach einem Tauziehen um Subventionen hat der Flughafen Zweibrücken in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet. Jetzt demonstrierten 600 Menschen gegen die Schließung. Sie sind sauer – auf die EU und die Landespolitik.
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Demonstration am Montag in Zweibrücken: „Almunia ist piepegal, was hier passiert“. Quelle: dpa

Demonstration am Montag in Zweibrücken: „Almunia ist piepegal, was hier passiert“.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/Zweibrücken Im rheinland-pfälzischen Zweibrücken regieren Wut und Enttäuschung. Nachdem der Flughafen am Donnerstag den Insolvenzantrag stellte, haben am Montag rund 600 Menschen gegen die drohende Schließung demonstriert. Mitglieder der rot-grünen Landesregierung wurden ausgepfiffen, noch unbeliebter ist nur die EU.

„EU = Unser Ende“ steht auf einem Plakat, „Brüsseler Betrug macht Zweibrücker zu EUnuchen“ auf einem anderen, wie die „Rhein-Zeitung“ berichtet. Die EU-Kommission hatte am Mittwoch den Plan des Landes abgelehnt, dem Airport eine neuerliche Finanzspritze geben zu dürfen. Damit hätte er etwas länger durchhalten können. Im Jahr 2012 hatte der Flughafen 4,6 Millionen Euro Verlust gemacht, im vergangenen Jahr fiel das Minus nach eigenen Angaben geringer aus.

Nun muss der verschuldete Flughafen staatliche Beihilfen in Höhe von bis zu 56 Millionen Euro zurückzahlen, wozu er nicht in der Lage ist. Neue EU-Leitlinien verbieten zudem Subventionen für zwei Airports, die weniger als 100 Kilometer auseinanderliegen. In diesem Wettstreit hat Zweibrücken offenbar gegen den rund 30 Kilometer entfernten Flughafen Saarbrücken verloren. Er muss keine Beihilfen zurückerstatten.

Der rheinland-pfälzische Arbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD) sagte am Montag, er verstehe den Groll der Menschen in Zweibrücken. „Die Landesregierung hat für den Flughafen gekämpft, aber nicht gewonnen. Das ist bitter.“ Die Lokalpolitiker wurden am Montag deutlicher.

Der Oberbürgermeister der Stadt sagte laut „Rhein-Zeitung“: „Der Flughafen Zweibrücken hat die längere Landebahn, die bessere Infrastruktur, und die Flughafengesellschaft braucht weniger Subventionen als Saarbrücken“, so Kurt Pirmann (SPD). Trotzdem treffe es Zweibrücken. „Almunia ist piepegal, was hier passiert“, kritisierte Pirmann den EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia. Jürgen Gundacker (SPD), der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, zeterte: „Wie kann ein EU-Kommissar entscheiden, ohne überhaupt vor Ort gewesen zu sein?“

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte am Freitag versichert, den Mitarbeitern bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen zu helfen. Zweibrücken solle als Fluglandeplatz erhalten bleiben. Der Landesregierung wird vorgeworfen, sich nicht genug für den Standort eingesetzt und stattdessen den Fokus auf den Flughafen Hahn gelegt zu haben.

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16 Kommentare zu "Wut in Zweibrücken: Flughafen-Insolvenz löst Anti-EU-Proteste aus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die AfD sind Populisten ohne jegliche Verantwortung. Und so wird alles vertreten was Stimmen bringt.
    Wenn diese Leute mal in Verantwortung sind, Position beziehen müssen, werden sie schnell am Ende sein!

  • Die EU ist einem hier echt sympatisch. Wenigstens eine Kraft, die dem Flughafenwahn ein Ende bereitet. Man denke auch an Kassel!

  • tja, das nennt man dann wohl Ursache und Wirkung..!! Schön, wenn der Flughafen seine Gäste kostenlos parken lässt und noch noch schöner für die Billig-Airlines (siehe Ryan Air etc.) wenn sie auf diesen Provinz-Flughäfen kaum Start- und Landdegbühren zahlen mussten (Hauptsache, der OB und Landesfürst haben sich ihren Traum vom eigenen Flughafen erfüllt..). Dumm nur, dass man ohne Parkeinnahmen und ohne Start- und Landegebühren auch niemals einen € Profit einfahren wird. Sowas lernen viele BWL-Studenten im 1. Semester - offenbar aber nicht Provinzpolitiker. Und daher ist es lange überfällig, dass diesen Irrsinns-Projekten endlich der Geldhahn zugedreht wird und sie nicht länger unser aller Steuergelder verpulvern. ...

  • Zwar auf meinem Mist gewachsen, aber Open Source

  • Ach und wenn der EU-Komissar vorbeikommt, dann sind die beiden Flughäfen gleich weiter voneinander entfernt?

    Ausserdem liegt da der Schwachsinn bei den Landesbehörden! Die EU hat vollkommen Recht!

    Wir in Deutschland machen das natüüürlich viel schlauer, Beispiel: Tiefseehafen! Erst bauen wir einen mit Steuergeldern, dann ist der (noch) nicht ausgelastet, dafür fangen wir aber an mit Steuergeldern die Elbe in Hamburg auszubaggern...

    Hoffentlich können wir da bald wieder auf die EU schimpfen, wenn sie diesen Wahnsinn stoppt!

  • Hallo Ritschie, danke für deinen Beitrag! Herrlich formuliert und auf den Punkt!

    Frage: Hast du auf die Formulierung "Indoktrination des GEZ-zombiefizierten Pöbels" Nutzungsrechte? Oder darf ich mir das merken und bei Gelegenheit auch mal nutzen? Thx!

  • Vielleicht demonstriert die AFD weil die EU sich willkürlich gegen Zweibrücken entschieden hat, obwohl es die besseren Argumente gegenüber Saarbrücken hat. Ich kenne keinen der Flughäfen, wahrscheinlich sind beide überflüssig

  • Den Flughafen Zweibrücken habe ich persönlich ein einziges Mal genutzt, als es noch eine Direktverbindung nach Berlin gab. Die wurde allerdings bereits vor einigen Jahren ersatzlos gestrichen.
    Unschlagbarer Vorteil von Zweibrücken waren hier die kostenfreien Parkplätze - eine echte Serviceleistung gegenüber der schamlosen Parker-Abzocke an den meisten anderen Flughäfen (das gilt auch für den Konkurrenten Saarbrücken-Ensheim).
    Mittlerweile fliege ich nicht mehr nach Berlin, aber ich setze mich auch nicht mehr dem Un-Komfort der Bahn mit vielfachem Umsteigen, notorischen Verspätungen, verpassten Anschlüssen, asozialem die Beine mit den Schuhen auf die Sitze legenden Pöbel aus.
    Innerhalb kürzester Zeit hat hier der freie Markt die beste Alternative angeboten (und das tut der freie Markt immer, wenn regulierungswütige Politiker oder Organisationen wie die EU ihn nicht unterdrücken): die nationalen Fernbusse: schnell, konfortabel und unschlagbar günstig...

  • der eigentliche Skandal ist doch, wieviel Millionen Subventionen die Landes-Regierung über Vettern-Wirtschaft in solche ökonomisch wahnsinnigen Projekte gesteckt hat. Egal ob eigener Provinzflughafen (Zweibrücken ist ja kein Einzelfall, siehe Kassel-Calden, Bremen, Memmingen, Paderborn etc.pp...), Rennstrecke oder Bundesliga-Verein Kaiserslautern - die Geltungssucht der Provinzpolitiker gepaart mit ihrer wirtschaftlichen Inkompetenz ist grenzenlos. Soange die Kosten vom jeweiligen Land getragen werden, könnte man ja sagen: Geht uns nichts an!! Aber über EU-Beihilfen und den deutschen Länderfinanzausgleich wird ja wie immer jeder Steuerzahler in Geiselhaft genommen. Und was den Zweibrückener OB angeht: Um zu sehen, dass es sich um unzulässige Subventionen handelt für einen Flughafen, dem jede Grundvoraussetzung fehlt, um jemals profitabel zu werden - dazu reicht's offenbar, sich die Zahlen anzuschauen. Dazu muss Almunia auch nicht die tolle Landebahn in Zweibrücken persönlich in Augenschein nehmen und noch mehr EU-Spesen und Kosten für den Steuerzahler verursachen.

  • Das ist mir auch aufgefallen und macht mich als AfD-Sympathisant nachdenklich! Das Problem scheint zu sein, dass die EU im Olivengürtel alles Mögliche zulässt und bei uns mit ganz harter Elle misst.

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