Zalando Europas größter Online-Modehändler auf Rekordhoch

Der Online-Händler Zalando hat seine Jahresziele angehoben. Diese Nachricht versetzt die Anleger in Kauflaune. Trotzdem erfüllt das Unternehmen nicht alle Erwartungen der Analysten.
Update: 19.10.2016 - 10:22 Uhr

Schrei vor Glück – Zalando unaufhaltsam auf der Überholspur

Schrei vor Glück – Zalando unaufhaltsam auf der Überholspur

FrankfurtEuropas größter Online-Modehändler Zalando steckt sich trotz eines zuletzt langsameren Umsatzwachstums erneut höhere Gewinnziele. Die Rendite im Geschäftsjahr 2016 solle auf 5,0 bis 6,0 Prozent steigen, teilte der Amazon-Rivale am späten Dienstagabend mit.

Erst im Juli hatten die Berliner das Ziel für die bereinigte Marge beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 4,0 bis 5,5 Prozent angehoben. „Im dritten Quartal konnten wir den ansonsten schwachen Gesamtmarkt übertreffen und unsere Profitabilität stark verbessern“, sagte Zalando-Vorstand Rubin Ritter. „Auf dieser Basis erhöhen wir unsere Gewinnprognose für das Gesamtjahr.“

An der Börse kam das gut an: Der Aktienkurs des im MDax notierten Konzerns kletterte zeitweise um 4,3 Prozent auf ein Rekordhoch von 38,90 Euro, ehe Gewinnmitnahmen den Anstieg bremsten. „Die Bilanz belegt, dass Zalando weiter schneller wächst als der Markt“, sagte Analyst Jamie Merriman vom Finanzhaus Bernstein.

Was wird die nächste Rakete von Rocket Internet?
Hello Fresh
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Rezepte aussuchen, passende Lebensmittel in der richtigen Menge liefern lassen und anschließend Kochen – so bequem soll die Zubereitung sein. Zumindest wenn man der Beschreibung von Hello Fresh glauben darf. Gerade Kunden in den USA und Großbritannien haben den Service für sich entdeckt. Das Ergebnis: Mit einem Umsatzwachstum von 159 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten gehört Hello Fresh zu den wirklich schnellen Raketen im Rocket-Reich. Allerdings stieg auch der Verlust – von minus 21 auf minus 45 Millionen Euro, was Rocket Internet mit dem hohen Wachstum und dem Einstieg in neue Märkte begründet.

Foodpanda
2 von 10

m Foodpanda ist eine Essenslieferplattform für die Entwicklungs- und Schwellenländer, aktiv vor allem in den Balkanländern und in Südostasien. In Ländern wie Bangladesch und Kasachstan hat Rocket Internet eine echte Vorreiterrolle inne – allerdings sind hier auch die Warenkörbe kleiner als im reichen Westen. Foodpanda kassiert aber lediglich eine kleine Provision von den Restaurants, die das bestellte Essen an die Kunden ausliefern. Die Rocket-Beteilung steigerte ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 72 Prozent auf 22 Millionen Euro.

Namshi
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Namshi ist der erste einer Reihe seltsam klingender Unternehmensnamen, die alle eines gemeinsam haben: Sie kopieren die Idee von Zalando, Mode im Internet zu verkauf. Dabei operieren sie aber vor allem in Schwellenländern. Rocket Internet fasst sie als „Global Fashion Group” zusammen. Namshi ist im Nahen Osten aktiv und zur Zeit das High-Light der ganzen Gruppe: Als einziges Start-up aus dem Kosmos der großen Rocket-Beteiligungen konnte Namshi in den ersten sechs Monaten des Jahres ein positives Ergebnis (Ebitda) von immerhin 1,6 Millionen Euro auf sich verbuchen – bei einem respektablen Umsatzwachstum von knapp über 50 Prozent zum Vorjahr. Namshi könnte eine der drei Beteiligungen werden, die Rocket-Chef Oliver Samwer bis Ende 2017 profitabel haben möchte.

Dafiti
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Dafiti ist ein Modehändler in Lateinamerika nach dem Vorbild von Zalando, angesiedelt in Brasilien. Das Unternehmen gehört zur Global Fashion Group, in der Rocket Internet seine Zalando-Klone bündelt. Der Umsatz von Dafiti stieg in den vergangenen zwölf Monaten um 22 Prozent auf 136 Millionen Euro. Laut Finanzchef Peter Kimpel wäre das Wachstum noch beeindruckender, könnte man es in der brasilianischen Landeswährung darstellen. Rocket Internet ist aber an der deutschen Börse notiert. Und die interessiert sich auch für die Verluste: Die betrugen bei Dafiti noch minus 13 Millionen Euro – eine deutliche Verbesserung immerhin zu den minus 41 Millionen im ersten Halbjahr 2015.

Zalora
5 von 10

Die Australier sind digitalen Geschäftsideen traditionell ziemlich aufgeschlossen. So ist es kein Wunder, dass der Modehändler Zalora, der den südostasiatischen Markt bedient, zu dem aber auch der australische Zalando-Klon „The Iconic” gehört, immer noch beeindruckende Wachstumsraten aufweist. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 32 Prozent auf 126 Millionen Euro. Die Kosten muss der Laden aber noch in den Griff bekommen. Der Verlust ist zwar nicht mehr ganz so hoch wie noch vor einem Jahr; mit einem Minus von 32 Millionen Euro steckt Zalora aber immer noch tief in den roten Zahlen. Rocket Internet braucht eine neue Rakete, um Fehlstarts wie diese auszugleichen.

Lamoda
6 von 10

Online-Shopping in Russland funktioniert etwas anders als in Deutschland – nicht nur, weil die Staatspost zwischen Sibirien und dem schwarzen Meer nicht gerade schnell ist. Lamoda, das russische Zalando, beschäftigt eigene Kurierfahrer, die zum Teil vor dem Haus warten, bis die Kundin die Klamotten anprobiert und aussortiert hat. Manchmal nehmen die Fahrer auch Bargeld entgegen, weil die Russen nicht gerne online zahlen. Vor diesem Hintergrund ist es beachtlich, dass Lamoda seine Kosten senken und den Verlust in den vergangenen zwölf Monaten von 17 auf minus sieben Millionen Euro verringern konnte. Der Umsatz stieg immerhin noch um 15 Prozent auf 125 Millionen Euro.

Jumia
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Afrika ist für die meisten deutschen Unternehmen noch immer ein Kontinent, in dem man Hilfsprojekte gründet, aber keine Geschäfte macht. Nicht für Rocket Internet. Unter dem Namen Jumia verkaufen die Berliner von Lagos in Nigeria aus Mode und Elektroartikel über das Internet und Smartphone. Das läuft nicht immer glatt – im vergangenen Jahr musste Jumia auf einen Schlag ein Drittel seiner Angestellten entlassen. Jetzt wird umgestellt, vom reinen Online-Handel zu einem Marktplatzmodell, bei dem die Plattform lediglich an der Provision verdient. Entsprechend fielen die Umsätze des ersten Halbjahrs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 56 Prozent.

Allerdings legten die Geschäfte im Sommerquartal vergleichsweise langsam zu. Der Umsatz erhöhte sich von Juli bis September nach vorläufigen Zahlen um 16 bis 18 Prozent auf 827 bis 841 Millionen Euro. Im Frühjahr waren es noch 25 Prozent. Dass das Unternehmen dennoch profitabler wurde, führt Ritter auf verbesserte Lieferketten zurück. Dadurch könne rascher auf Wettertrends und Kundenverhalten reagiert werden, wodurch Überhänge gesenkt und Rabattmengen reduziert werden konnten. „Das zahlt sich wirklich aus“, sagte Ritter.

Der gesamten Modebranche machten im September ungewöhnlich warme Temperaturen zu schaffen, wegen denen die Kunden nicht wie erhofft bei den neuen Herbst- und Winterkollektionen zugriffen. „Das Umsatzwachstum ist auf den ersten Blick enttäuschend“, sagte Analyst Thomas Maul von der DZ Bank.

Allerdings sei das Marktumfeld auch sehr schwierig gewiesen. „Unter dem Strich wird diese Entwicklung aber durch eine unerwartet starke Profitabilität mehr als ausgeglichen.“ Trotz der Delle bekräftigte Zalando sein Ziel, 2016 beim Umsatzwachstum am oberen Ende des in Aussicht gestellten Korridors von 20 bis 25 Prozent anzukommen. „Wir sind weiterhin im Plan“, sagte Ritter. Die endgültigen Geschäftszahlen für das dritte Quartal will Zalando am 10. November vorlegen.

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