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Zalando und Fruchtsaft Wie Tengelmann sich neu erfindet

Ein Traditionsunternehmen plant den Neuanfang. Als Wagniskapitalgeber investiert Tengelmann in innovative Start-Ups. Künftig verkauft der Konzern auch vegane Schokolade und probiotischen Fruchtsaft.
24.06.2013 - 08:59 Uhr 2 Kommentare
Karl-Erivan Haub, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Tengelmann, schaut nach Übernahmekandidaten im Internet. Quelle: dpa

Karl-Erivan Haub, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Tengelmann, schaut nach Übernahmekandidaten im Internet.

(Foto: dpa)

Mülheim/Ruhr Der Handelskonzern Tengelmann ist den meisten Verbrauchern vor allem durch seine Textilhandelskette KiK und die Obi-Baumärkte bekannt. Doch Konzernchef Karl-Erivan Haub ist dabei, dem Konzern neue Wege zu eröffnen. Das gut 145 Jahre alte Familienunternehmen profiliert sich immer stärker als Wagniskapitalgeber für Internet-Start-ups und Nischenunternehmen.

Erst in dieser Woche beteiligte sich Tengelmann an NextFoods, einem Hersteller probiotischer Fruchtsaftgetränke in den USA. Tengelmann gehe es „nicht darum, kurzfristige Gewinne zu genieren, sondern zusammen mit unseren Partnern langfristige Werte zu schaffen“, sagte Haub.

Auffallend ist, wie sehr der Unternehmer das Risiko streut. Unter den mehr als 30 E-Commerce-Beteiligungen des Familienunternehmens finden sich neben großen Namen wie dem Mode- und Schuhhändler Zalando auch Nischenanbieter wie olivenoel.com sowie Dienstleister, die Internet-Technologien etwa für Versandhändler anbieten.

Und in den USA hat sich der Konzern auch als Wagniskapitalgeber für Unternehmen engagiert, die abseits des Internets versuchen, eigene Marktnischen zu finden. So beteiligte sich Tengelmann an BrightFarms, einem Unternehmen das in den USA Gewächshäuser an oder sogar auf Supermärkten errichtet, die die Ernte dann verkaufen. Ein anderes Jungunternehmen mit Tengelmann-Beteiligung veredelt Trinkwasser mit Essenzen aus australischen Wildblumen und verspricht seinen Kunden Entspannung und emotionale Stabilität. Auch ein Hersteller veganer Schokoladenprodukte findet sich im Portfolio.

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    Der Hintergrund der Tengelmann-Strategie ist für den Handelsexperten Joachim Zentes von der Universität Saarbrücken offensichtlich. Der Anteil des E-Commerce im Handel mit Nicht-Lebensmitteln werde bis 2022 massiv auf 20 bis 25 Prozent steigen, prognostiziert der Wissenschaftler. Und dies werde zu gewaltigen Verwerfungen im stationären Einzelhandel führen. Deshalb sei es für etablierte Unternehmen wie Tengelmann höchste Zeit, im E-Commerce „einen Fuß in die Tür zu bekommen“. Tengelmann habe hier bisher offenbar „recht glücklich“ agiert.

    Nicht ganz so enthusiastisch fällt allerdings das Urteil von Zentes bezüglich der US-Engagements wie BrightFarms aus. „Das bleiben absolute Nischenmärkte“, urteilt der Experte. „Das halte ich für Spielereien.“

    Ohne Risiko sind die Versuche des Konzerns sich neue Märkte zu erschließen nicht. Zalando glänzte im vergangenen Geschäftsjahr zwar mit enormen Umsatzzuwächsen, schrieb aber dennoch weiterhin rote Zahlen. Doch Haub will offenbar langen Atem beweisen. „Wer ins Online-Geschäft geht, sollte nicht glauben, dass er morgen direkt Geld verdient„, betonte er vor einigen Monaten in einem Interview.

    • dpa
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    2 Kommentare zu "Zalando und Fruchtsaft: Wie Tengelmann sich neu erfindet"

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    • "Wer ins Online-Geschäft geht, sollte nicht glauben, dass er morgen direkt Geld verdient". Das kommt wohl darauf an, was man verkauft. Ein Bauchladen-Retailer hat es sicherlich schwerer, als ein Nischenanbieter mit einem tatsächlich gebrauchten Produkt.

    • "Wer ins Online-Geschäft geht, sollte nicht glauben, dass er morgen direkt Geld verdient".
      Das kommt wohl darauf an, was man anzubieten hat. Als Bauchladen-Retailer ist es in der Tat schwierig. Als Nischenanbieter mit einem Produkt, das tatsächlich gebraucht wird weniger.

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