Zerschlagung der Pleite-Airline Transfergesellschaft für Air Berliner wackelt

Eine Auffanglösung soll Mitarbeiter der Pleite-Airline Air Berlin den Übergang in einen neuen Job erleichtern. Doch die Geldgeber von Bund und Ländern zögern. Beim Verkauf von Unternehmensteilen gibt es Fortschritte.
Update: 24.10.2017 - 16:46 Uhr Kommentieren
Der Ausverkauf der insolventen Fluggesellschaft geht weiter. Quelle: Reuters
Air Berlin

Der Ausverkauf der insolventen Fluggesellschaft geht weiter.

(Foto: Reuters)

Berlin/FrankfurtDie Auffanglösung für rund 4000 Beschäftigte der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin hängt am seidenen Faden. „Wir sind in einer kritischen Situation vor den abschließenden Gesprächen“, sagte der Chef der Berliner Senatskanzlei, Björn Böhning, am Dienstag in Berlin. Er appellierte an den Bund, die Länder Nordrhein-Westfalen und Bayern, Air Berlin selbst und Käufer von Unternehmensteilen der Airline, sich ihrer Verantwortung für die Beschäftigten zu stellen.

Am Mittwoch steht die entscheidende Gesprächsrunde an. Die angepeilte Transfergesellschaft soll helfen, Mitarbeiter ohne Jobperspektive zu schulen und zu vermitteln.

Bayern will kein Geld für eine Transfergesellschaft geben. Der Freistaat sehe die Unternehmen in der Pflicht, erklärte eine Sprecherin des Arbeitsministeriums in München. Die in Bayern betroffenen Beschäftigten dürften nach Einschätzung der Landesregierung ohnehin rasch neue Stellen auf dem boomenden Arbeitsmarkt in der Region finden.

Böhning signalisierte, dass bei einem Scheitern tausenden Beschäftigten die Kündigung bevorstehe. Deshalb müsse eine Lösung gefunden werden, "damit die Kolleginnen und Kollegen der Air Berlin nicht schon nächste Woche drohen auf der Straße zu stehen". Der Generalbevollmächtigte von Air Berlin, Frank Kebekus, hatte am Wochenende zur Eile gemahnt und erklärt, bis Anfang November müsste etwa 4000 Mitarbeitern gekündigt werden. Air Berlin kalkuliert intern mit Kosten von rund 50 Millionen Euro zur Finanzierung der Transfergesellschaft. Der Konzern will ein Fünftel davon selbst aufbringen und erhielt dafür grünes Licht von seinen Gläubigern.

Kampf um Air Berlin wird schmutziger – Manager Utz Claassen zieht vor Gericht

Zuletzt hatte die Airline in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel um Hilfe bei Bund und Ländern geworben. Air Berlin hat im August Insolvenz angemeldet und stellt Ende dieser Woche den Flugbetrieb in eigener Regie ein. In den vergangenen Wochen konnte das Unternehmen nur dank eines staatlichen Kredits von 150 Millionen Euro weiterfliegen.

Böhning mahnte mehr Engagement auch von Bund und Ländern an: „Es kann aus meiner Sicht nicht sein, dass man einem Unternehmen mit einem Kredit hilft, aber wenn es dann um die Belange der Beschäftigten geht, dass alle die Tür zuschlagen.“ Wenn es zu einer Auffanglösung komme, müsse sich die öffentliche Hand aber auch an den Gesamtkosten beteiligen und nicht nur an kleineren Einzelposten. „Rosinen-Pickerei wird nichts bringen und wird die Transfergesellschaft nicht realisierbar machen“, sagte Böhning.

Wer im Airline-Poker mit am Tisch sitzt
Folgenreicher Insolvenzantrag
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Der Insolvenzantrag der Air Berlin zog eine Welle von Interessensbekundungen nach sich. Von Anfang an zeichnete sich ab, dass die Fluggesellschaft wohl von mehreren Konkurrenten übernommen wird. Neben zahlreichen Interessenten sind auch weitere Akteure in die Verhandlungen verwickelt: Nicht nur Experten des Insolvenzrechts, auch die Bundesregierung wirkt zumindest indirekt mit. Derweil konkretisieren die Interessenten ihre Wünsche.

Neu im Rennen
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Der frühere Formel 1 Champion Niki Lauda interessiert sich nun auch offenbar für Air Berlin. Der Ex-Rennfahrer will knapp 40 Maschinen der insolventen Airline und ihrer Tochter Niki übernehmen. Dafür will er zusammenarbeiten mit ...

Thomas Cook und Condor
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... dem Reiseveranstalter Thomas Cook und der Tochter Condor. Geht der Plan auf, erhält Niki Lauda 51 Prozent des Konsortiums. Er will dann ausschließlich touristische Ziele anfliegen. Für Fluggäste soll dabei Thomas Cook sorgen.

Aktionär zieht sich zurück – mit weitreichenden Folgen
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Seit 2012 ist Großaktionär der Staatskonzern aus Abu Dhabi mit einem Anteil von 29,2 Prozent an Air Berlin beteiligt. Wenige Tage, nachdem Etihad die Unterstützung entzogen hatte, sah sich Air Berlin zur Insolvenzanmeldung gezwungen. Dennoch widerspricht Etihad dem Eindruck, Air Berlin im Stich gelassen zu haben: Noch im April seien 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden. Diese Unterstützung habe man aber angesichts der „sich rapide verschlechternden Geschäftsergebnisse und Liquidität“ nicht weiter leisten wollen. Ein Großteil der 1,5 Milliarden Schulden dürfte wohl ohnehin am großen Partner hängenblieben.

Lufthansa dominiert die Verhandlungen
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In der nun eröffneten Bieterschlacht ist die Lufthansa ganz vorn dabei. Die Verhandlungen mit dem deutschen Marktführer, der die Übernahme schon seit Monaten vorantreibt, sollen am Freitag beginnen. Schon im Januar war dem umsatzstärksten europäischen Luftverkehrskonzern ein Teilerfolg gelungen: Damals wurden die Anmietung und faktische Übernahme von 38 Mittelstrecken-Maschinen genehmigt, was rund einem Viertel der Air-Berlin-Flotte entspricht.

Carsten Spohr
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Mindestens ein weiteres Viertel will der Lufthansa-Chef nun für seine Billigflieger-Gruppe Eurowings sichern. Diese sucht ohnehin zusätzliche Maschinen und Slots für die Mittel- und die Langstrecke. In Wirklichkeit verfolgt Spohr aber ein übergeordnetes Ziel: Den Billigflieger Ryanair von den größeren deutschen Flughäfen so weit wie möglich fernzuhalten. Um den Wettbewerb hochzuhalten, nimmt er dafür sogar größere Marktanteile anderer Anbieter in Kauf.

Die Konkurrenz
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Daher steht die Lufthansa ihren Konkurrenten auch nicht im Weg. Gespräche mit Easyjet und Tuifly sind nach Angaben von Air Berlin ebenfalls geplant. Auch der Reiseveranstalter Thomas Cook mit seiner Ferienflugtochter Condor interessiere sich an einer „aktiven Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin“. Thomas-Cook-Feriengäste kommen ohnehin schon zu großen Teilen mit Air Berlin an ihr Ferienziel.

Unterdessen hat die Pleite-Airline für einen weiteren Geschäftsteil neue Eigentümer gefunden. Die Bietergemeinschaft der Berliner Zeitfracht-Gruppe übernehme die Düsseldorfer Air-Berlin-Tochter Leisure Cargo mit ihren 60 Mitarbeitern, teilte die insolvente Fluggesellschaft am Dienstag mit. Der Frachtraumvermittler ist Spezialist für die Mitnahme von Luftfracht in Passagierflugzeugen.

Die Verhandlungen des Konsortiums über einen Kauf der Techniksparte von Air Berlin würden fortgesetzt, erklärte Zeitfracht-Chef Wolfram Simon. Sie sollten bald erfolgreich abgeschlossen werden, und dabei möglichst viele Arbeitsplätze gesichert werden. Der Technik-Bereich hat mehr als 1000 Beschäftigte mit größeren Standorten in Berlin, Düsseldorf und München.

Mehr als die Hälfte der Flotte von Air Berlin gehen an die Lufthansa. Die Airline verhandelte zuletzt außerdem mit Easyjet über die Übernahme von 25 Maschinen am Standort Berlin. Am Dienstag sollte sich der Gläubigerausschuss erneut mit dem Stand der Verhandlungen beschäftigen.

  • rtr
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