Zukunft der Drogeriekette Gläubiger haben wenig Mitleid mit Schlecker

Schlecker hat die Planinsolvenz gerade erst eingereicht - und schon gibt es jede Menge Ärger mit den Gläubigern - auch über den Insolvenzverwalter. Ausgerechnet Finanzinvestoren werden zum großen Hoffnungsträger.
Update: 23.01.2012 - 09:16 Uhr 14 Kommentare
Die Zentrale der Drogeriemarktkette Schlecker nahe Ehingen: Gläubiger werden hart verhandeln. Quelle: dpa
Schlecker Zentrale Ehingen

Die Zentrale der Drogeriemarktkette Schlecker nahe Ehingen: Gläubiger werden hart verhandeln.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWer will Teile von Schlecker? So lautet flapsig ausgedrückt die Gretchenfrage in dieser Woche. Das Familienunternehmen hatte am Freitag mitgeteilt, zahlungsunfähig zu sein. Die nächsten Tage werden nun zeigen, wie es weitergeht. Am Montagmorgen hat Schlecker die Planinsolvenz offiziell beantragt.

Schnell wurden als mögliche Interessenten für die 7000 Schlecker-Filialen in Deutschland DM und Rossmann ins Spiel gebracht, doch die haben schon abgewiegelt. Schlecker passe nicht in ihr Konzept, ohnehin hätten sie nur Interesse an einer Handvoll großer, moderner Läden.

Nun richtet sich der Blick auf Finanzinvestoren wie Sun Capital. Das Beteiligungsunternehmen hat Erfahrung im Handelsbereich und bei der Restrukturierung. In Finanzkreisen gehandelt wird zudem der Besitzer der Textilkette Takko, Apax Partners. Doch das bleiben vorerst Spekulationen.

Das gilt auch für die Frage, wem Schlecker im Detail wie viel Geld schuldet. Laut Medienberichten hat das Unternehmen mehrere offene Rechnungen im Zusammenhang mit einer Einkaufsgemeinschaft, der unter anderem auch die Schlecker-Konkurrenten Rossmann und DM angehören. Über Schulden, Gläubiger und anvisierte Lösungswege schweigt Schlecker bislang.

Die Gläubiger müssen jedenfalls einem vorgelegten Sanierungskonzept Vertrauen schenken, so dass frische Ware in die Läden kommt. Zur Investorensuche hat die Drogeriekette angeblich den Ex-Edeka-Chef Alfons Frenk engagiert. Der Schlecker-Sprecher wollte entsprechende Angaben des „Manager Magazins“ nicht kommentieren.

Wie das Handelsblatt erfuhr, drängten am Wochenende bereits mehrere große Gläubiger auf die Ernennung des Frankfurter Rechtsanwalts Ottmar Hermann zum Insolvenzverwalter. Der hatte zuletzt die Warenhauskette Woolworth erfolgreich aus der Insolvenz geführt, indem er unprofitable Filialen schloss und das verschlankte Unternehmen an die Eigentümer von Kik und Tengelmann verkaufte.

Die Chancen für Hermann scheinen aber eher gering zu sein. Die Ulmer Amtsrichter, so wurde den Gläubigern mitgeteilt, bevorzugen einen Insolvenzverwalter aus Bayern. In Finanzkreisen wird daher erwartet, dass der Kaufmann Werner Schneider aus Neu-Ulm zum Zuge kommt. Er ist zwar gerade bei dem Druckmaschinenbauer Manroland im Einsatz, hat aber viel Erfahrung mit großen Insolvenzverfahren.

Gläubiger wollen nicht verzichten
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14 Kommentare zu "Zukunft der Drogeriekette: Gläubiger haben wenig Mitleid mit Schlecker"

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  • Der Seniorchef hat den Laden gerade noch rechtzeitig an die nächste Generation übergeben um nicht selbst in den sauren Apfel beißen zu müssen.
    Er hat es versäumt seinen Laden auf der Höhe der Zeit zu halten.

  • Wenn Schlecker bei der Vermoegensverwaltung nicht ganz so unfaehig war wie bei der Betriebsleitung dann hat er seine Kohle ausserhalb des Hoheitsgebietes der deutschen Justiz gebunkert. Er sah die Pleite doch kommen lange bevor irgend jemand anders etwas davon wusste.

  • Da sind doch übr Jahre enorme Mannagement-Fehler gemacht worden. Düstere Läden, die nun nicht gerade zum Einkaufen einladen. Z. T teurer als Rossmann oder DM, also warum soltle man da zu Shlecker gehen?
    Das sit halt, wenn die Eigentümer sich nur noch selbt das Geld in die Taschen stopfen ohne sich wirklich um ihre Geschäfte zu kümmern.
    Mal etws wenigerFerien auf der Yacht, ein wenig weniger Glamour und es mal mit Arbeit versuchen, hätte man den Schleckers schon vor Jarhen sagen sollen

  • "Wenn man den Laden kaufen will, wird man erst einmal Unsummen in die Modernisierung und Imagepflege stecken müssen, um dann letztlich in einem Markt mit winzigen Margen zu landen"

    Genau! Deshalb wird es hier keine klassische Sanierung geben. Die wenigen guten Läden in 1a übernehmen die Konkurrenten, der Rest wird zerschlagen. Zudem hat dieser Markt nicht nur geringe Margen, sondern er wird auch bereits zu 100% bedient, nicht nur von den spezialisierten Drogerie-Ketten.

  • Persönlich sehe ich für den Konzern keine Möglichkeiten der Sanierung, - gerade weil die Führungsriege um die Familie Schlecker sich über Jahre zurückgelehnt hat, - und die Mitarbeiter, die Kunden wie auch den Markt vernachlässigt hat. Viele Mitarbeiter i.d.R. ohne Bildungshintergrund, schmutzige, schummrige Filialen und Preise die an Flughafenshops erinnern. Die Probleme sind vollends hausgemacht, demnach war es schon lange absehbar das Schlecker der Verlierer der "drei großen Drogerieketten" in D wird. Schauen wir auf die Konkurrenz, - dm hat die humanere Personalpolitik, und Rossmann ordentliche aufgeräumte Filialen nebst guten Preisen.

    Eine interessante Frage wäre, wieviel vom Imperium die Familie Schlecker noch in sichere Hafen hat retten können, stehen die Bücher doch demnächst offen.

    Nun stehen 30 000 Jobs à <400 € vor dem Aus,
    doch Dank der Regierung werden sicher die Meisten eine
    "ordentliche Stelle" bei einer Zeitfirma erhalten, - was die Statistiken nicht berühren wird.




  • Zitat: "Also wenn Schlecker nicht mal da vorgesorgt haette, dann kaufe ich morgen seinen Laden."

    Normalerweise sollte Schlecker vorgesorgt haben. Aber wer führt einen solchen Laden als e.K.? Der Insolvenzverwalter wird schon schauen, was alles zur Masse gehört.

    Der Begriff "vorgesorgt" ist eh relativ. Der Schritt vom Milliardär zum lausigen Millionär ist ein sehr schmerzhafter.

    Wenn man den Laden kaufen will, wird man erst einmal Unsummen in die Modernisierung und Imagepflege stecken müssen, um dann letztlich in einem Markt mit winzigen Margen zu landen.

    Da sollte man seine Milliarden vielleicht doch lieber aufs Sparbuch stellen.

  • @KeepCool

    "Daher wird vielleicht liquidiert, was zu liquidieren ist. Und danach wird Anton Schlecker e.K. ausgezogen bis auf die Unterhosen"

    Ich sehe eher Badehosen in einem Luxusresort. Also wenn Schlecker nicht mal da vorgesorgt haette, dann kaufe ich morgen seinen Laden. Der Duemmste koennte nur gewinnen.

  • Ohne Hoffnung auf eine erfolgreiche Weiterführung der Firma haben die Gläubiger wenig Anreiz, auf Forderungen zu verzichten

    Daher wird vielleicht liquidiert, was zu liquidieren ist. Und danach wird Anton Schlecker e.K. ausgezogen bis auf die Unterhosen.

    Hinterher gibt es weder Dumping- noch Mindestlohn.

  • Ich höre immer Billiganbieter?
    Wo ist er billig?
    Billig in der Ladenausstattung
    Billig im kalten einfältigen Blau ohne Charme

  • Was denn jetzt - Dumpinglöhne oder teure Tarifverträge?

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