Zweitgrößter Buchhändler Kirchen läuten Weltbilds letzte Stunde ein

Die katholische Kirche weigert sich, weiter Geld in die Rettung ihres Buchhändlers Weltbild zu stecken. Nun muss der Buchhändler in die Insolvenz. 6300 Mitarbeiter sind betroffen.
Update: 10.01.2014 - 17:22 Uhr 34 Kommentare
Weltbild-Filiale: Der Buchhändler kämpft ums Überleben. Quelle: PR

Weltbild-Filiale: Der Buchhändler kämpft ums Überleben.

(Foto: PR)

DüsseldorfDer angeschlagene katholische Weltbild-Verlag hat am Freitag einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte das Unternehmen in Augsburg mit. Auslöser sei vor allem ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Auch angesichts der in den kommenden drei Jahren erwarteten niedrigeren Erlöse habe sich der Finanzierungsbedarf für die Sanierung des Unternehmens verdoppelt. „Gestern hat sich entgegen der Erwartung der Geschäftsführung herausgestellt, dass die notwendige Finanzierung nicht zur Verfügung stehen wird“, hieß es am Freitag in der Mitteilung.

Vertreter der katholischen Kirche, der der Verlag gehört, hatten sich nach Informationen von Handelsblatt Online bereits in der Nacht zum Freitag nicht auf eine weitere Finanzierung des defizitären Verlages verständigen können. Deswegen steht jetzt der Weg zum Amtsrichter am Sitz der Verlagsgruppe in Augsburg an. Insolvenzverwalter wird die Augsburger Kanzlei Scheider& Geiwitz und Partner. Die Insolvenzspezialisten haben bereits die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker abgewickelt.

Die Insolvenz betreffe nur die Verlagsgruppe, nicht die Filialen und die Gesellschaften in Österreich und der Schweiz. Dieses Geschäft betreibt Weltbild in einer gemeinsamen Tochterfirma mit dem Buchhändler Hugendubel. Ebenfalls nicht betroffen sei der Internetbuchhändler bücher.de. Grund für die desolate Lage des Verlages, für den noch immer rund 6300 Mitarbeiter arbeiten und der im Jahr 2012 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftete, ist die schleppende Umstellung auf ein neues Geschäftsmodell. Gegen Amazon als den größten Online-Händler in Deutschland hat Weltbild es schwer.

Die Augsburger haben 300 Geschäfte unter eigenem Namen in Einkaufsstraßen, von denen viele rote Zahlen schreiben. Außerdem arbeiten sie wie ein Versandhaus. Das heißt: Sie erstellen einen Katalog, versenden ihn und warten dann auf die Bestellungen der Kunden. Der Prozess ist aufwendig und produziert Kosten, die reine Internethändler wie Amazon nicht haben. Schon Versandhäuser wie Quelle und Neckermann sind an diesen Strukturen zu Grunde gegangen.

Dazu kommen hausgemachte Probleme, die vor allem an Management und Eigentümern des Verlags liegen. Der seit Jahrzehnten für das Haus arbeitende Weltbild-Chef Carl Halff hat aus dem Buchhändler einen Allround-Anbieter gemacht. LED-Echtwachskerzen, Schminkutensilien, Adventskalender – all das sollte die Abhängigkeit vom margenschwachen Buchhandel mindern. Das Sortiment reichte vom Werkzeug-Koffer bis zur Unterwäsche. Zusätzlich ging Halff auf Einkaufstour: Als dicksten Fisch zog er 2006 Hugendubel an Land. Der Buchhändler ist mit der Weltbild-Gruppe in der Finanzholding Deutsche Buch Handels GmbH zusammengeschlossen, jede Seite hält 50 Prozent. Sie betreiben gemeinsam das Filialnetz DBH. Hugendubel bezeichnete die Insolvenz des Partners als „überraschend“.

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34 Kommentare zu "Zweitgrößter Buchhändler: Kirchen läuten Weltbilds letzte Stunde ein"

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  • @Fat_bob_ger

    Ja so ein Pech heute aber auch für Sie. ICH BIN KAUFMANN :-)

    Ein Unternehmen geht nicht von heute auf morgen pleite!! Genau wie eine Ehe nicht von heute auf morgen zerbricht! Hier wurde jahrelang entweder bewusst verschleiert und betrogen, Mißmanagement betrieben! Oder die Kriche kann nicht rechnen. Könnte so sein...da Gott ja alles regelt, gelle :)

  • @freidenker, ich wünsche ihnen druchhaltevermögen den leuten den zusammenhang zw dem u.a. geldsystem und den kuriosen vorkommnissen in deutschland beizubringen. Denn ich denke es ist zu einfach um das ein michel es versteht. Und andererseits begreifen große teile der bevölkerung nicht mal die zinsrechnung in der 1. ebene.

  • Wenn man mal von 200 Mio ausgeht sind das 33.000 EUR pro Mitarbeiter....ich denke bei solchen Zahlen is nix mehr zu retten; klar wenn die Perspektive stimmen würde

    Aber in der Verlagsbranche sind die Schwierigkeiten der Augsburger die Schwierigkeiten aller anderen, die kämpfen mit den gleichen Problemen, so einen Turnaround mit dem Tanker Weltbild kann man nicht schaffen ohne die Firma abzureißen und von Grund auf neu zu bauen.

    Da is nix zu retten, da kann man auch der reichen Kirche nur sehr begrenzte Vorwürfe machen aber jeder der von der Sache nix versteht versteht halt immer noch was vom Vorwürfe machen. Wenn hier jemand Schuld hat, dann das Managemt - ein uralter seit Jahrzehnten agierender Senior-Fürst, klar was hat so einer mit Internet am Hut. Nix. Ende. Pleite. Aus.

  • Wenn man mal von 200 Mio ausgeht sind das 33.000 EUR pro Mitarbeiter....ich denke bei solchen Zahlen is nix mehr zu retten; klar wenn die Perspektive stimmen würde

    Aber in der Verlagsbranche sind die Schwierigkeiten der Augsburger die Schwierigkeiten aller anderen, die kämpfen mit den gleichen Problemen, so einen Turnaround mit dem Tanker Weltbild kann man nicht schaffen ohne die Firma abzureißen und von Grund auf neu zu bauen.

    Da is nix zu retten, da kann man auch der reichen Kirche nur sehr begrenzte Vorwürfe machen aber jeder der von der Sache nix versteht versteht halt immer noch was vom Vorwürfe machen. Wenn hier jemand Schuld hat, dann das Managemt - ein uralter seit Jahrzehnten agierender Senior-Fürst, klar was hat so einer mit Internet am Hut. Nix. Ende. Pleite. Aus.

  • FAzit an Freidenker:

    Wer kaufmännisch denkt, ist in einer sozialen Marktwirtschaft klar im Vorteil.

    Alle anderen verstehen gar nicht, was überhaupt vorgeht.

  • Endlich finanziert die Kirche nicht mehr Pornos und Esoterik! Darauf habe ich lange gewartet.

  • Ein weiteres Problem bei Firmen mit Schieflage ist die Finanzierung per Lieferantenkredit.

    Wenn ein Laden gut läuft, einen guten Ruf hat, pünktlich zahlt, dann sind alle Lieferanten i.d.R. bereit "auf Rechnung" mit Zahlungsziel 60 Tage zu liefern. In der Zwischenzeit kann man die Ware verkaufen und den Lieferantenkredit zurückzahlen, oder bei guter Liquidität Skonto in Anspruch nehmen.

    Außerdem kann man sich sehr gute Konditionen/Preise sichern.

    Das Ganze kann sich aber schnell verschlechtern. Bei einem Einkaufsvolumen von z. B. 600 Millionen und 60 Tagen Ziel, werden von den Lieferanten 60/360*600= 100 Mio. vorgestreckt. Wenn dann Zweifel aufkommen, werden die Lieferanten nur gegen Vorkasse/Cash liefern wollen. Dann müssen die 100 Mio. von der Bank finanziert werden, was dann schnell 12 Mio. Zinsen verursacht.

    Außerdem werden bestimmte Hauslieferanten, die spezielle Druckausgaben erstellen, bei Auftragserteilung Geld sehen wollen. Da die Papier- und Druckkosten im Verhältnis sehr gering sind, muss ein sehr großer Wertanteil des Auftrages vorgestreckt werden. Ich schätze, dass bei einem Auftrag über 200.000 Euro mindestens 160.000 für Auftragsvorbereitung... fällig sind. Die restlichen 40.000 wären dann bei Lieferung fällig. Es kann dann vorkommen, dass man 80% des Auftrages mit Vorbestellungen abdecken kann, der Lieferant aber nicht liefert, weil er Zahlungsausfälle befürchtet.

  • Doc-X
    Das Problem bei Bilanzen ist, dass man nicht genau beurteilen kann, wie werthaltig manche Positionen sind.
    Ich habe mir die Zahlen nicht angeschaut, gebe aber Folgendes zu bedenken:

    (1) Alle Goodwill Werte können getrost mit 0 herausgebucht werden.
    (2) Alle Ladenhüter müssen ausgebucht werden
    (3) Alle noch folgenden Mieten der laufenden Mietverträge müssen bis zu ihrer Restlaufzeit passiviert werden, wenn vorzeitig aus dem Mietverhältnis ausgestiegen werden soll.
    (4) Forderungen an konzerninterne Töchter müssen konsolidiert werden.
    (5) Die Werthaltigkeit aller Forderungen muss geprüft werden.
    (6) Rückstellungen für Abfindungen aus betriebsbedingten Kündigungen müssen berechnet werden.

    Eine Bilanz stellt die Werten nach dem "Going Concern Prinzip", ein Begriff den der Freidenker erst noch googeln muss, bevor er dazu etwas blubbern kann.

    Sehr schnell wird dann aus einer relativ ordentlichen Bilanz eine Bilanzruine, wobei auch ich zugebe, dass ich mich schon lange nicht mehr intensiv mit Rechnungswesen befasse. Aber wenn man, wie ich, mit Aktien zockt, dann sollte man schon eine Bilanz halbwegs lesen und deren Risiken erkennen können.

  • Ich bin katholisch aufgewachsen und ich kann nur sagen dies war die groesste Gehirnwaesche und geistige Verstuemmelung in meinem Leben. Hier geht es nicht um Glauben, Gott oder Aehnliches. Hier geht es nur um die...nun ja, die Hitlerjugend war ja aehnlich aufgebaut...es geht um Gehirnwaesche und den Glauben an diese Obrigkeit.

  • die sollen ruhig Pleite gehen! Kenne den Drecksladen von Innen und habe selten etwas Roidigeres gesehen. Moralisch korrupt bis zum Anschlag. Empfehle Lektüre des 8. Gebotes: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden ... ein hochgradig inkompetentes Management welches Mitarbeiter als Sündenböcke anstellt ... pfui Teufel ...

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