Vorstandschef Bock BASF-Mitarbeiter sollen Titel weglassen

Weg mit dem „Doktor“: Die Beschäftigten von BASF sollen sich künftig ohne akademische Titel ansprechen. Das fordert Vorstandschef Kurt Bock. Nur auf Visitenkarten könnten die Chemiker eine Ausnahme machen.
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Die Mitarbeiter von BASF sollen sich künftig ohne akademische Titel ansprechen, fordert Vorstandschef Kurt Bock. Quelle: dpa

Die Mitarbeiter von BASF sollen sich künftig ohne akademische Titel ansprechen, fordert Vorstandschef Kurt Bock.

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BerlinDer Chemiekonzern BASF will auf den Gebrauch akademischer Titel sowie interner Rangbezeichnungen im Umgang der Mitarbeiter untereinander weitgehend verzichten. Wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtete, forderte Vorstandschef Kurt Bock die BASF-Mitarbeiter in einer Videobotschaft zur titellosen gegenseitigen Ansprache auf. Dies sei zeitgemäßer und entspreche Stil und Gepflogenheiten in einem internationalen Unternehmen, begründete der Konzern-Chef die neue Business-Etikette.

In seiner Videobotschaft erzählte Bock, der selbst promovierter Betriebswirt ist, laut „FAS“ von seiner Zeit in den USA, wo er stets als „Kurt“ und nicht als „Doktor Bock“ begrüßt worden sei. Diese Anrede bleibe in den Vereinigten Staaten Medizinern vorbehalten. Wie die BASF gegenüber der Zeitung bestätigte, gilt die Empfehlung des Vorstandsvorsitzenden für den titellosen Umgang innerhalb des Konzerns. Auf ihren Visitenkarten könnten die vielen promovierten BASF-Chemiker demnach aber weiter den Doktor-Titel führen.

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15 Kommentare zu " Vorstandschef Bock: BASF-Mitarbeiter sollen auf Gebrauch akademischer Titel verzichten"

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  • Als Vorstandsvorsitzender kann man leicht den jovialen Chef spielen und auf die Anrede mit seinem Titel verzichten. Der Big Boss ist man trotzdem.
    Anders sieht es aus, wenn ein junger promovierter Mitarbeiter seinen Platz im Unternehmen erst noch definieren muss. Der wird duch diese Gleichmacherei herabgesetzt.

    Das Verhalten des Herrn Bock entspricht dem sozialen Ungeist unserer Zeit: Die Oberschicht macht sich Liebkind bei der breiten Masse auf Kosten des Mittelstandes und des Bildungsbürgertums (siehe das Steuerrecht).

    Herr Bock spekuliert darauf, dass sich die herabgesetzten promovierten Mitarbeiter aus Karrriereangst schon nicht bei ihm beschweren (was sie aber tun sollten), und die Gewerkschaften ihm zustimmen. Dieses Schmeicheln kostet nichts und schädigt andere. Ziemlich mies, wie ich meine.

  • Das widersinnigste an dieser in vorauseilendem Sprach- und Globalisierungsgehorsam erstellten VV-Forderung ist, dass künftig ausgerechnet nur mehr pseudo- oder gar-nicht-promovierte Ärzte weiterhin mit Herr oder Frau Doktor angesprochen werden sollen, nur weil dies in den USA und vielleicht anderorten paradoxerweise üblich ist. Anscheinend ist sich (fast) niemand im klaren darüber, woher das Wort Doktor kommt und was es wirklich bedeutet. Bestimmt nicht medicus oder ιατρος.

  • Völlig richtig, muunoy, ich wette, dass es auch in der BASF seit 20 Jahren weithin üblich ist, sich mit dem Vornamen anzusprechen. Man müsste mal untersuchen, auf welchen Grundlagen die Erkenntnisse des HB beruhen.

  • Na, da fühlen sich aber ein paar Chemiker auf die akademischen Füße getreten. Ihr armen, armen Egozentriker!

  • Was soll das denn? Kuschen vor irgendeiner "öffentlichen" Meinung, die doch nur von nicht promovierten Journalisten aus reinem Neid losgetreten wurde? Insbesondere in den Naturwissenschaften ist die Promotion noch etwas wert und ein Baustein für den Erfolg unserer erfindungsreichen Industrie. Leute, seid doch selbstbewusster! Vor allem gegenüber der sogenannten öffentlichen Meinung.

  • Früher wurden Chemie-Unternehmen von Chemikern geführt, heute von Betriebswirten, die den Forschungsaufwand möglichst klein halten wollen. So wie bei Bayer, wo statt überwiegend Medikamentenforschung auf Nahrungsmittelergänzungen, weil aufwandsschwach und profitabler, umgestellt wurde.Daß immer wieder Absprachen auf dem Sektor passieren und geahndet werden, erledigt die Portokasse. Man läßt kleine Firmen forschen, bei denen man sich einkauft, oder bei Universitäten mit Zuschüssen, wenn erfolglos, hat man viel Geld gespart und springt ab.

    Sobald im internen Bereich einer Firma sich Nähe ergibt, entfallen ohnehin auf gleicher Ebene die Anredeformalitäten. Und so sollte es sein, darüber hinaus aber nicht.

    Der Herr Dr. Betriebswirt ist selbstredend eine andere Kathegorie als der Dr. Chemie, das macht ihm sicherlich etwas Bauchschmerzen, weil er mehrheitlich deren Eingaben um Forschungsmittel nicht wissensmäßig einordnen kann.
    Gleiches gilt inzwischen an den Unis, wo ein Solcher, Fachfremder über die Gelderverteilung an die Fakultäten entscheidet.

    Daß ein Arzt mit Doktor angeredet wird, hat nichts mit seinem Titel zu tun,(der quasi im Vorbeigehen erworben werden kann) sondern ist Sprachgebrauch für die Gattung Mediziner, man spricht ja auch von "herumdoktorn", ohne den Titel im Auge zu haben. Es gibt auch Ärzte ohne Dr. Titel, die man genauso anspricht.

    Internationale Gepflogenheiten kann man dort anwenden, wo sie Usus sind, und auch in USA wird der Student, die Laborantin oder die Sekretärin den Prof. nicht mit "You John" ansprechen, sondern ist nur Gepflogenheit solcher auf gleichen Level.


    Die Titelsucht in Oesterreicht ist allerdings besonders abgefahren, wo auch gleich noch die Frau mit dem Titel ihres Mannes angesprochen wird.(was es bei uns früher allerdings auch gab, nicht nur Frau Prof., auch Frau Meisterin)aber lang ist's her.

    Letztlich ist das alles eine Frage der Schätzung der Leistung- so sie denn berechtigt ist - dort sollte sie auch stattfinden.

  • Man sollte eben nicht den Bock zum Gärtner machen.

  • Da hätte die BASF vor ungefähr 55 Jahre damit anfangen sollen, dann wäre uns ein gefakter Dr. Titel durch Zukauf erspart geblieben. Wie der gute Mann hieß, schien mir als Elfjähriger sowas von daneben, aber des Aufhebens, ein Mittelläufer (Libero) mit einem Dr. Titel hatte schon etwas.

    Nur doof, daß schriftstellerische Beihilfe herhalten mußte, um die Dinge bei Namen zu nennen. Auf so etwas auch noch "stolz" zu sein, liegt einfach an der persönlichen Überheblichkeit. Nur noch bei eingefleischten "Nutznießern" der Bimbesdynastie hat er nach wie vor "hohen" bis "sehr hohen" Respekt.

    Respekt habe ich vor Jesus, der brauchte keinen Dr. Titel, die Anrede Meister, wird im Handwerk immer noch geführt, aber oft durch das verbrämte Auslandswort "Chef" ersetzt. Soviel Respekt vor einer Leistung zur Nation, die keine wahr. Mir jedenfalls kann er seine Bücher nicht andrehen lassen.

    Wenn im Alter meist die Reue, wenn sie denn kommt, eine Kehrtwende eintritt, sollte dies in dem Falle schon was heißen, aber so viel Courage, die er gerne von anderen einforderte, hat er meines Wissens nach, gerade nicht. Amen.

  • Liebe GenossInnen, so die zukünftige Anrede bei BASF!

    Ich lache mich schlapp!

    "Das Land der Dichter und Denker"...

    Damals...

  • Will der Herr Bock so Werbung für sein Unternehmen machen? Als Unternehmensberater bin ich hauptsächlich in der chem.-pharm. Industrie tätig. Sorry, aber der Dr. (hab auch einen in Chemie) wird schon seit Jahrzehnten in der verbalen Anrede nicht mehr verwendet. Die meisten Projekte sind sowieso international, wo man auf den Vornamen geht. Mit Herr Dr. werde ich eigentlich nur bei kleinen Mittelständlern anderer Branchen angeredet (und bei Behörden, wo ich drauf besteht, weil Arroganz gegenüber Beamten hilfreich sein kann).
    Und diejenigen, die hier auf typisch Deutsche Umgangsformn anspielen mögen ja Recht haben. Aber wirklich nur unter Deutschen bitte. Ich lach mich schließlich schlapp, wenn Anshu Jain als Herr Jain angesprochen wird. Wenn man in Indien Herr Jain oder gar Herr Singh rufen würde, sollte man sich nicht wundern, wenn sich gleich Dutzende nach einem umdrehen ;-)

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