20 Jahre Wiedervereinigung Aus Ostdeutschland an die Weltspitze

In der ehemaligen DDR sind 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung nicht ausschließlich „blühende Landschaften“ zu finden. Ostdeutschland kann aber mit einer ganzen Reihe von Weltmarktführern glänzen. Ganz vorne liegen Firmen aus Sachsen – und das ist kein Zufall.
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Optomechanisches Modul bei Jenoptik: Das Unternehmen aus Jena hat es in die Weltspitze geschafft. Quelle: ap

Optomechanisches Modul bei Jenoptik: Das Unternehmen aus Jena hat es in die Weltspitze geschafft.

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DÜSSELDORF. Im Juni 1990, wenige Monate vor der Wiedervereinigung, haben sich drei Wissenschaftler der Technischen Universität Chemnitz zusammengetan und den Anlagenbauer Roth & Rau gegründet. Nur wenige Tage zuvor war Karl-Marx-Stadt wieder in Chemnitz umbenannt worden. Die promovierten Physiker Dietmar Roth, seine Frau Silvia und Bernd Rau sind Spezialisten für Plasmatechnik. Innerhalb von 20 Jahren haben sie eine beeindruckende Erfolgsgeschichte hingelegt. Heute beschäftigt die Unternehmensgruppe mit Sitz im sächsischen Hohenstein-Ernstthal mehr als 1100 Mitarbeiter und setzte im vergangenen Jahr knapp 200 Mio. Euro um. Seit Juni 2008 ist sie im Börsenindex TecDax gelistet.

Angefangen haben die Gründer ganz bescheiden mit einem Mitarbeiter. "Die Männer saßen in einem recht hübschen Hintergebäude vor einem leeren Schreibtisch mit einem Telefon, und keiner rief an", erzählt Silvia Roth und lacht. Den Durchbruch schaffte Roth & Rau um die Jahrtausendwende, als das damals noch sehr kleine Unternehmen einen Prozess zur Oberflächenbeschichtung von Solarzellen erfand, "der die Zellen zum Massenartikel und uns zu Pionieren beim Anlagenbau im Solarbereich machte", wie Silvia Roth sagt. Heute ist der von ihrem Mann geführte Anlagenbauer global aktiv, die meisten Kunden sitzen in Asien und dort vor allem in China und Indien.

Insgesamt 43 Unternehmen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Ost-Berlin zählen in ihrem jeweiligen Bereich weltweit zu den Top 3 und haben es deshalb in die Datenbank des Münchener Wirtschaftsprofessors und Unternehmensberaters Bernd Venohr geschafft.

Auch beim Biotechnologieunternehmen Novaled sind Physiker die treibende Kraft. Der weltweit führende Anbieter von organischen LEDs (OLEDs) geht auf eine Ausgründung der Technischen Universität Dresden aus dem Jahr 2001 zurück. Die extrem dünnen und energieeffizienten Lichtquellen sind bereits in kleinen Displays im Einsatz, etwa bei MP3-Playern oder Displays von Mobiltelefonen.

Novaled, Roth & Rau oder Europas größter Halbleiterstandort Dresden zeigen, wie wichtig eine dynamische Forschungslandschaft ist. Es ist kein Zufall, dass sich die beiden Weltmarktführer und das Mikroelektronik-Cluster in Sachsen finden. Dort hat fast jedes zweite Unternehmen aus Ostdeutschland seinen Sitz, das in der Weltspitze mitmischt und Aufnahme in Venohrs Datenbank gefunden hat.

Unter den ostdeutschen Bundesländern gibt es im Freistaat mit Abstand am meisten Forschung und Entwicklung (F&E). Das Verhältnis von F&E-Aufwendungen zum Bruttoinlandsprodukt ist nur in Baden-Württemberg, Berlin und Bayern höher.

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  • Warum Novaled ein biotechnologieunternehmen sein soll ist mir schleierhaft...

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