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737 Max 8 Pilot konnte Lion-Air-Boeing offenbar einen Tag vor dem Absturz noch retten

Vor fünf Monaten ist eine 737 Max in Indonesien abgestürzt. Dieselbe Maschine wurde tags zuvor noch durch eine glückliche Fügung gerettet.
Update: 20.03.2019 - 12:47 Uhr 5 Kommentare
Eine Lion-Air-Crew hatte mit der Softwarestörung zu kämpfen, die für die beiden Flugzeugabstürze des Typs 737 Max 8 verantwortlich sein soll. Quelle: AFP
Boeing 737 Max

Eine Lion-Air-Crew hatte mit der Softwarestörung zu kämpfen, die für die beiden Flugzeugabstürze des Typs 737 Max 8 verantwortlich sein soll.

(Foto: AFP)

New YorkDer Flugzeugbauer Boeing steckt weiter in der Krise: Nun wurde ein neues Detail zum Flugzeugabsturz einer Boeing 737 Max 8 in Indonesien vor fünf Monaten bekannt. Offenbar entging die Unglücksmaschine vom 29. Oktober 2018 bereits einen Tag vor dem Absturz nur knapp einer Katastrophe. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei mit den Untersuchungen vertraute Personen.

Die Lion-Air-Crew hatte demnach mit der Softwarestörung zu kämpfen, die für die beiden Flugzeugabstürze des Typs 737 Max 8 verantwortlich sein soll. Doch ein zusätzlicher Pilot im Cockpit, der zufälligerweise mitflog, erkannte laut den Insidern das Softwareproblem und erklärte der Besatzung, wie die fehlerhafte Software deaktiviert und das Flugzeug so gerettet werden konnte.

Am darauffolgenden Tag stürzte dieselbe Maschine dann unter dem Kommando einer anderen Besatzung nur elf Minuten nach dem Start ab – alle 189 Personen an Bord starben.

„Alle Daten und Informationen, die wir über den Flug und das Flugzeug haben, wurden dem indonesischen NTSC übermittelt. Aufgrund der laufenden Untersuchung des Unfalls können wir zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Anmerkungen machen“, sagte Lion-Air-Sprecher Danang Prihantoro.

Der Bericht des Ausschusses der Nationalen Verkehrssicherheit (NTSC) besagt laut Bloomberg, dass das Flugzeug bei früheren Flügen mehrfach versagt habe und nicht ordnungsgemäß repariert worden sei.

Die Steuerungssoftware soll das Flugzeug vor zu steilem Steigen schützen. Es wird vermutet, dass ein fehlerhafter Sensor die Boeing-737-Max-Maschinen zum Absturz gebracht hat. Die Piloten hatten einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge vor dem Absturz noch im Handbuch nach einer Lösung des Problems gesucht.

Kurz vor dem Absturz habe der Kapitän der Fluggesellschaft Lion Air das Steuer an den Ersten Offizier übergeben, um selbst noch einmal in der Anleitung nachzusehen. Während der 31-Jährige Kapitän vergeblich gesucht habe, habe der 41-Jährige Erste Offizier die Kontrolle über das Flugzeug verloren.

„Es ist wie ein Test, bei dem es hundert Fragen gibt und wenn die Zeit abgelaufen ist, hat man nur 75 beantwortet“, sagte eine der Personen der Nachrichtenagentur Reuters, der die Aufnahmen aus dem Cockpit bekannt sind. „Also gerät man in Panik.“

Die Sprachaufzeichnungen sind umso interessanter, da das vor zehn Tagen in Äthiopien verunglückte Boeing-Flugzeug der Ethiopian Airlines vom gleichen Typ war und Experten ähnliche Gründe für den Absturz vermuten.

Nach Aussagen der drei Insider seien die Piloten des Lion-Air-Fluges die meiste Zeit über ruhig geblieben. Der in Indien geborene Kapitän sei am Ende ganz still gewesen, der indonesische Erste Offizier rief „Allahu Akbar“. Dann prallte das Flugzeug auf das Wasser auf.

Einem vorläufigen Bericht zufolge, der im November veröffentlicht worden war, begannen die Probleme beim Lion-Air-Flug kurz nach dem Start. Der Kapitän steuerte das Flugzeug, als der Erste Offizier nach wenigen Minuten Flugzeit Probleme mit der Flugsteuerung meldete. Eine der Personen, die mit den Aufzeichnungen des Sprachrekorders vertraut sind, sagte, der Kapitän habe den Ersten Offizier daraufhin gebeten, im Handbuch mit Kurzanleitungen für ungewöhnliche Ereignisse nachzusehen.

Erstmals werden Inhalte der Sprachaufzeichnung öffentlich

Dem Bericht zufolge meldete das Flugzeug einen Strömungsabriss, als Reaktion wurde die Nase heruntergedrückt. „Die Piloten scheinen nicht bemerkt zu haben, dass das Stabilisierungssystem nach unten drückt“, sagte einer der Insider. „Sie dachten nur an Fluggeschwindigkeit und Höhe. Das war das Einzige, worüber sie sprachen.“

Zum ersten Mal kommen nun Inhalte aus den Aufzeichnungen des Sprachrekorders an Bord des Lion-Air-Flugzeugs an die Öffentlichkeit. Die drei Insider kennen die Aufnahmen aus dem Cockpit und haben der Nachrichtenagentur Reuters unter Zusicherung ihrer Anonymität davon berichtet. Reuters liegen die Aufzeichnungen oder deren Transkript nicht vor.

Der im November veröffentlichte vorläufige Untersuchungsbericht enthält keine Inhalte des Sprachrekorders, da dieser erst im Januar vom Meeresboden geborgen werden konnte. Der endgültige Report könnte im Juli oder August vorliegen. Ein Lion-Air-Sprecher verwies darauf, dass alle Unterlagen und Informationen den Behörden übergeben worden seien und lehnte eine Stellungnahme darüber hinaus ab. Boeing wollte ebenfalls keinen Kommentar abgeben.

Nach den Abstürzen der zwei Boeing 737 Max mit insgesamt 346 Toten ist das Stabilisierungssystems MCAS im Visier. Das MCAS soll bei zu steilem Flugwinkel einen Strömungsabriss verhindern, indem es automatisch die Nase der Maschine absenkt. Boeing empfahl seinen Kunden, die rund 350 betriebenen Maschinen vorerst am Boden zu lassen.

Zuvor hatten nationale Behörden weltweit Startverbote für das Flugzeugmodell verhängt, das erst seit 2017 am Markt ist. Die Auslieferungen der 737 Max wurden gestoppt. Die EU und Kanada kündigten an, die Jets erst wieder abheben zu lassen, nachdem sie sich selbst von der Sicherheit überzeugt haben.
Mit Agenturmaterial

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5 Kommentare zu "737 Max 8: Pilot konnte Lion-Air-Boeing offenbar einen Tag vor dem Absturz noch retten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • TUI ist eine der wenigen Airlines die unbeirrt weiter den flieger in betrieb haben. damit ist TUI für mich gestorben. das ist doch unverantwortlich.

  • ...wieder ist es Software, die ein System aushebelt...die Bedeutung von Qualitätssicherung bei Software wird wegen des Kostenaufwandes überall immer gern weggedrückt...sollten die im Artikel gemachten Aussagen des Insiders stimmen....fällt dazu einem wirklich nichts mehr ein....

  • Nicht das US-System ist schuld, sondern alle diejenigen die glauben für 29,00 Euro kann man dauerhaft sicher von Deutschland nach Mallorca fliegen.
    Die einen wollen den maximalen Profit die anderen den minimalsten Flugpreis, dazwischen ist das Flugzeug und das Personal. Das Flugzeug muss immer billiger werden und das Personal kriegt nur noch Mindestlohn und nur minimale Schulung. Wenn der Abend am Ballerman teurer ist wie das Flugticket sollte man sich dringendst Gedanken machen denn dann läuft was schief und nicht auf andere zeigen.
    Ich bin mal gespannt wie sich die Kunden verhalten und weiter in ein Boeing Fluzeug einsteigen oder diese Flüge boykottieren, denke aber wenn der Ticketpreis stimmt ist das den meisten egal.
    Trotz alledem ist das Flugzeug noch mit das sicherste Verkersmittel.

  • Seit den 50er Jahren haben wir das amerikanische System immer weiter kopiert: "Wichtig ist, was hinten rauskaumt!" Und zwar in $$$$.
    Nachzulesen zum Beispiel in dem schönen Buch "Die Entdeckung Amerikas im Jahre 1953".
    Wir hatten bis heute genug Zeit, derartiges wahrzunehmen, sind aber lieber dem goldenen Kalb hinterhergerannt. Darüber haben wir auch jeden Begriff von Ehre, Anstand oder wie man das nennt: "Etwas richtig zu machen, weil es richtig ist und nicht falsch, weil das den schnellen $ bringt." verloren.
    Zuallererst mal: eigene Nase!
    Statt dessen verbietet die SPD einen säkulären Arbeitskreis. Die Dogmatiker jeder Religion haben den ihren "natürlich". Darüber hätte ich hier genauso gerne gelesen, wie über die Urteile des OVG Münster bezüglich Rammstein und Drohneneinsätze.
    Das hat ja auch Auswirkungen auf die Wirtschaft.

    Das ein Billigflieger unbillig "billig" fliegt, um die Bilanz glänzen zu lassen, ist naturgemäß so offenbar wie ein schwarzer Rabe.
    Und wenn sich der Chef einer irischen Fluglinie regelmäßig als Quartalsirrer gibt, dann gehört der aus der Branche per Aufsichrtsbeschluss entfernt.

  • Das nach einem solchen Ereignis das Flugzeug am nächsten Tag eingesetzt wurde als sei alles in Ordnung ist Besorgnis erregend. TUI scheint diese Sichtweise zu teilen. Die Idee ein Flugzeug bei dem es Hinweise auf ein möglicherweise - und mittlerweile mit zwei Abstürzen und 300+ Toten bestätigten - fatalen Problems gibt, weiter fliegen zu lassen kann nur durch den Gedanken an Profit gesteuert sein. Es ist wohl ratsam als Passagier und Kunde viel genauer hinzuschauen und zu hinterfragen wem und was man sich da anvertraut. Kunden haben eine große Macht, nur nutzen muss man sie.