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737-Max-Krise Mehr Stornierungen als Aufträge: Boeing meldet negative Jahresbilanz

Das Flugverbot für die 737 Max hat dem Flugzeugbauer 2019 eine rabenschwarze Bilanz eingebrockt. Erstmals seit Jahrzehnten sank die Zahl der Aufträge.
14.01.2020 Update: 14.01.2020 - 18:30 Uhr Kommentieren
Wegen der großen Ungewissheit um die Wiederzulassung der 737 Max musste die Produktion gestoppt werden. Quelle: AFP
Boeing-Werk in Renton im US-Bundesstaat Washington

Wegen der großen Ungewissheit um die Wiederzulassung der 737 Max musste die Produktion gestoppt werden.

(Foto: AFP)

Chicago Die nach zwei verheerenden Abstürzen weltweit mit Flugverboten belegte Baureihe 737 Max hat dem US-Luftfahrtriesen Boeing 2019 starke Geschäftseinbußen eingebrockt. Erstmals seit Jahrzehnten sanken die Aufträge in der Verkehrsflugzeugsparte sogar, wie der Airbus-Kontrahent am Dienstag in Chicago mitteilte.

Unterm Strich büßte Boeing im Gesamtjahr 87 Bestellungen ein, weil es mehr Stornierungen als neue Aufträge gab. Das Unternehmen konnte nicht auf Anhieb Auskunft geben, ob und wann es zuvor schon mal eine negative Jahresbilanz gab. „Dies ist in den vergangenen 30 Jahren definitiv nicht vorgekommen“, sagte ein Sprecher dem US-Sender CNBC.

Nach zwei Abstürzen des bis dahin gefragtesten Modelltyps 737 Max in Indonesien und Äthiopien, bei denen innerhalb weniger Monate insgesamt 346 Menschen starben, darf Boeings Bestseller seit Mitte März 2019 nicht mehr abheben. Die Auslieferungen brachen deshalb drastisch ein, im gesamten Jahr wurden nur 380 Verkehrsflugzeuge an die Kundschaft gebracht – über 50 Prozent weniger als im Vorjahr.

Erzrivale Airbus profitiert von Boeings Schwäche. Mit 768 neuen Aufträgen und 863 ausgelieferten Verkehrsfliegern übernahmen die Europäer 2019 die Weltmarktführerschaft vom US-Konkurrenten. Boeing steckt wegen des 737-Max-Debakels tief in der Krise.

Ob und wann die Maschinen wieder abheben dürfen, ist unklar. Wegen der großen Ungewissheit um eine Wiederzulassung musste die Produktion gestoppt werden. Boeing-Chef Dennis Muilenburg wurde im Dezember gefeuert.

American Airlines streicht wegen der anhaltend hohen Ungewissheit den Krisenjet noch länger aus dem Flugplan. Der Problemflieger werde voraussichtlich bis 4. Juni nicht mehr zum Einsatz kommen, teilte die US-Fluggesellschaft am Dienstag mit. Zuvor hatte United Airlines die 737 Max bereits bis dahin aus der Planung genommen. Southwest Airlines geht bislang von einem Ausfall bis zum 13. April aus.

Zuletzt hatte Boeing auch seinen Widerstand dagegen aufgegeben, dass 737-Max-Piloten eine umfassende Umschulung im Flugsimulator absolvieren müssen, bevor die Unglücksflieger wieder abheben dürfen. Diese Maßnahme dürfte eine Wiederinbetriebnahme weiter verzögern. Sie ist mit zusätzlichen Kosten für Airlines verbunden, deshalb hatte sich der Hersteller lange dagegen gesträubt.

In internen Nachrichten, die Boeing jüngst im Rahmen einer Ermittlung des US-Kongresses offenlegte, brüsteten sich Angestellte des Konzerns damit, der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA das Simulatortraining als verpflichtende Auflage für 737-Piloten zunächst ausgeredet zu haben. Die Mitarbeiter-Chats sind auch sonst sehr brisant und unangenehm für Boeing. Unter anderem hieß es darin im April 2017 über die 737 Max: „Dieses Flugzeug ist von Clowns entworfen worden, die wiederum von Affen beaufsichtigt werden.“

Mehr: Airbus ist bei den Auslieferungen an Boeing vorbeigezogen, weil der Rivale mit der Max-Krise zu kämpfen hat. Doch die könnte bald auch Airbus zu schaffen machen.

  • dpa
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