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Abacus-Chef Flemming Wagner Dieser Däne macht Medikamente in Europa günstiger – und strebt nun an die Börse

Flemming Wagner will als Parallelimporteur dafür sorgen, dass mehr Arnzeien in der EU günstiger abgegeben werden. Noch für 2018 plant er einen Börsengang.
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Mit dem Vater gründete er das Unternehmen. Quelle: Abacus Medicine / Maria Sattrup
Flemming Wagner

Mit dem Vater gründete er das Unternehmen.

(Foto: Abacus Medicine / Maria Sattrup)

FrankfurtSeine Firma heißt Abacus Medicine, und was ein Rechenschieber mit medizinischer Versorgung zu tun hat, darüber kann der Däne Flemming Wagner einiges erzählen. Denn seine 2004 in Kopenhagen gegründete Firma ist ein Parallelimporteur von Arzneimitteln.

Und dass das Unternehmen in einem eher stagnierenden europäischen Markt seit ein paar Jahren hoch zweistellig wächst – 2017 war es ein Plus von 42 Prozent auf 253 Millionen Euro Umsatz –, hat mit dem richtigen Umgang von Zahlen zu tun. Das Geschäftsprinzip von Parallelhändlern wie Abacus Medicine basiert auf dem freien Warenverkehr im EU-Binnenmarkt.

Dasselbe Arzneimittel wird häufig in den verschiedenen EU-Ländern zu unterschiedlichen Preisen angeboten. Parallelhändler wie Abacus Medicine oder auch Kohlpharma in Deutschland kaufen Produkte zu einem niedrigen Preis in einem Mitgliedstaat ein, verpacken sie um und verkaufen sie zu einem höheren Preis in einen anderen Mitgliedstaat.

Von der Differenz – abzüglich weiterer Kosten – leben sie. Für den Patienten und die Krankenkassen ist das Importprodukt dann günstiger als das originär vom Pharmahersteller für diesen Markt bestimmte Produkt.
Abacus Medicine kauft in 28 EU-Ländern Medikamente ein und verkauft sie in zwölf Märkten wieder.

Bei mehr als 2800 Produkten, für die Abacus Medicine Lizenzen hat, prüft das Unternehmen kontinuierlich die Märkte nach An- und Verkaufschancen und muss dabei neben sich verändernden Preisniveaus oder Transportkosten auch noch Wechselkursschwankungen berücksichtigen. „Unser Geschäftserfolg hat viel mit unserer Leistungsfähigkeit bei der Datenanalyse zu tun“, sagt Wagner im Gespräch mit dem Handelsblatt.

„Wir haben schon früh ein eigenes IT-System entwickelt, mit dem wir all diese Daten in Echtzeit analysieren können.“

In diesem Jahr will Abacus weiterhin zweistellig wachsen: Zur Jahresmitte lag das Plus erneut bei mehr als 40 Prozent. „Wir wollen eine führende Rolle unter Europas Parallelimporteuren einnehmen“, sagt Wagner. Aktuell wird der Markt von der dänischen Firma Orifarm mit 720 Millionen Euro Umsatz angeführt.

Auch vom deutschen Marktführer Kohlpharma, ebenfalls ein Familienunternehmen mit 640 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2017, ist Abacus Medicine noch ein deutliches Stück entfernt.

Um das Wachstum weiter finanzieren und die rund 24 Millionen Euro Schulden zurückzahlen zu können, sucht das Unternehmen nun frisches Kapital. Über einen Börsengang sollen 40 Millionen Euro für die weitere Expansion erlöst werden.

„Der geplante Börsengang ist der nächste logische Schritt, um unseren Erfolgskurs fortzusetzen. Mit ihm schaffen wir die Basis für zusätzliches Wachstum“, sagte der 53-jährige Vorstandschef am Montag bei Verkündung des Börsengangs.

In diesem Jahr ist der deutsche Markt einer der aktivsten bei Börsengängen. Nach der Siemens-Medizintechniktochter Healthineers und dem Vermögensverwalter DWS läuft aktuell mit dem Technologiekonzern Knorr-Bremse die dritte milliardenschwere Emission.

„2018 ist ein bemerkenswert starkes IPO-Jahr – auch angesichts der geopolitischen Risiken und des bevorstehenden Brexits“, sagt Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO bei der Beratungsgesellschaft EY. Besonders internationale Fonds greifen bei den Megaemissionen in Frankfurt zu, Abacus dürfte für viele Profianleger aber zu klein sein.

Wagner, studierter Biochemiker mit MBA von der Kopenhagener Business School, blickt auf 13 Jahre Erfahrung in der Gesundheitsbranche und arbeitete auch als Strategieberater und Prüfer. Das Unternehmen Abacus gründete er zusammen mit seinem Vater und Unterstützung eines privaten Business-Angels.

Seitdem bleibt dem Dänen, der mit Ehefrau und seinen Töchtern in Kopenhagen lebt, kaum mehr Zeit für seine Hobbys, etwa Musik zu komponieren und Keyboard zu spielen.

50 Prozent Streubesitz angepeilt

Aktuell hält die Familie Wagner über eine Holding 91 Prozent der Anteile, der Rest entfällt auf das Management und Mitarbeiteroptionen. Mit dem Sprung auf das Börsenparkett in Frankfurt ist die Gründerfamilie um Wagner bereit, zugunsten eines höheren Streubesitzes von etwa 50 Prozent einen größeren Anteil abzugeben. Begleitet wird der Börsengang von Berenberg und der Commerzbank.

Als Erfolgsfaktor von Abacus Medicine sieht Wagner neben der Datenanalyse auch die breite Aufstellung des Unternehmens in mittlerweile zwölf europäischen Ländern an. Viele Player konzentrieren sich auf wenige Märkte. Europas größter Parallelimporteur Orifarm ist nach eigenen Angaben in acht Ländern tätig und wuchs zuletzt um elf Prozent.

Dass Abacus Medicine deutlich schneller wächst, wird natürlich von einer kleineren Umsatzbasis begünstigt. Aber ein wichtiger Faktor ist nach Einschätzung Wagners auch, dass sich das Unternehmen stark auf hochpreisige Medikamente konzentriert: Biotechprodukte etwa, die gegen Krebs oder Erkrankungen des Immunsystems eingesetzt werden.

Frisches Kapital braucht Wagner nicht zuletzt, um die nötigen Lizenzen zu kaufen. 2017 konnte er sich rund 800 neue Lizenzen sichern, musste dafür aber auch fast vier Millionen Euro investieren. Überhaupt brauchen die Unternehmen im Geschäft mit Parallelimporten viel Liquidität. Sie müssen in der Lage sein, von einen auf den anderen Tag große Summen zahlen zu können, um günstige Kaufchancen zu nutzen.

Von den 253 Millionen Euro Umsatz von Abacus Medicine gingen im vergangenen Jahr 224 Millionen an Kosten für die eingekauften Produkte ab, unter dem Strich blieb ein Gewinn von 4,3 Millionen Euro. Das entspricht einer Marge von 1,7 Prozent. Wie gut Abacus Medicine im Vergleich zu Konkurrenten im Markt aufgestellt ist, lässt sich nur schwer sagen, da viele Familienunternehmen sind und nur wenige Zahlen veröffentlichen.

Unser Geschäftserfolg hat viel mit unserer Leistungsfähigkeit bei der Datenanalyse zu tun. Flemming Wagner, Vorstandschef und Inhaber Abacus Medcine

Während sich Abacus Medicine mit einer operativen Marge von vier Prozent über dem Branchenschnitt sieht, schneidet Orifarm bei der Gewinnmarge vor Steuern etwas besser ab.

Die gesetzliche Krankenversicherung verspricht sich von den Parallelhändlern Einsparungen. Deshalb wurde vor Jahren eine Rahmenvereinbarung geschlossen, die vorsieht, dass Apotheker eine Quote von mindestens fünf Prozent des Arzneimittelumsatzes als Arzneimittelimporte an ihre Patienten abgeben müssen. Voraussetzung dafür ist, dass der Import mindestens 15 Prozent und 15 Euro billiger ist als das deutsche Original.

Die Pharmaindustrie sieht den Parallelhandel naturgemäß kritisch. Regelmäßig fordert der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller, die Importförderklausel abzuschaffen. VFA-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer sagte kürzlich, dass die Klausel einmal als Preisdämpfungsinstrument eingeführt worden sei.

„Zwischenzeitlich greifen aber in Deutschland neue Preisregulierungen, sodass es auch keine ökonomischen Gründe mehr für die Importförderklausel gibt.“ Der Verband der Arzneimittelimporteure rechnet dagegen auf Nachfrage des Handelsblatts für 2017 vor, dass durch den Parallelhandel 247 Millionen Euro in Deutschland eingespart wurden.

Wagner sieht das ähnlich: „Wir sorgen dafür, dass Medizin günstiger wird und deshalb in Summe mehr Menschen Zugang dazu haben.“ Der Rechenschieber spielt auch hier für ihn die entscheidende Rolle.

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