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Abgang des Vorstandschefs Daimler nach Dieter Zetsche – Der lange Schatten des Schnäuzers

13 Jahre prägte Dieter Zetsche den Autoriesen Daimler. Was bleibt von seiner Ära? Spurensuche in einem Konzern zwischen Kulturwandel und Dieselskandal. 
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Der Automanager tritt nach 13 Jahren an der Daimler-Spitze ab. Quelle: Reuters
Der scheidende Daimler-Chef Dieter Zetsche

Der Automanager tritt nach 13 Jahren an der Daimler-Spitze ab.

(Foto: Reuters)

München Zunächst ist alles wie immer. Es gibt Lob, ein wenig Tadel und die üblichen Ansprachen bei einer Führungskräftetagung. Dann spielt Daimler-Chef Dieter Zetsche ein kurzes Video ab, das mit allen Gepflogenheiten bei dem Mercedes-Hersteller bricht.

Die 200 wichtigsten Manager der Marke mit dem Stern starren im hauseigenen Event-Center im schwäbischen Sindelfingen gebannt auf eine Leinwand. Sie sehen einen Mann mit dunkler Sonnenbrille und Rauschebart, der Zeitung liest. Langsam lugt der Kopf von Friedrich Liechtenstein hinter dem Papier hervor.

„Ho-ha, wen haben wir denn da. Warum habt ihr euch denn alle so schick gemacht?“, fragt der Entertainer mit der unverkennbar sonoren Stimme in die Runde. „Dieter, du bist ja auch hier“, bemerkt Liechtenstein. „Dein Moustache ist seeeeehr, sehr geil“. Gekicher im Saal. „Ich mein das so“, schiebt der Schauspieler hinterher. Die Führungstruppe um den Schnauzbartträger Zetsche wirkt zunächst irritiert: Dürfen sie wirklich laut lachen, wenn ihr oberster Chef veräppelt wird? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten.

Nach und nach wird der gesamte Vorstand der Autosparte Mercedes-Benz durch den Kakao gezogen – vom Entwicklungschef über den Produktionsleiter bis hin zum obersten Designguru. Mit einem Blick auf den Erzrivalen BMW endet der fünf Minuten lange interne Clip, den das Handelsblatt einsehen konnte: „Lasst euch nichts von diesen Bayern erzählen. Ihr seid supergeil.“

Die Szene spielt im Frühjahr 2014. Damals begeistert ein Werbespot die Republik, in dem Liechtenstein durch die Regalgänge eines Edeka-Supermarktes tänzelt und dazu „Supergeil“ singt. In der Daimler-Zentrale in Stuttgart-Untertürkheim reift in dieser Zeit eine Idee. Warum nicht mal die sonst so dröge Führungskräftetagung aufpeppen? Und zwar mit etwas, das man Schwaben gemeinhin abspricht: Humor. Daimler engagiert dafür Liechtenstein.

„Das war einmalig“, erinnert sich ein langjähriger Mercedes-Manager: „Bis dahin haben wir uns mit Selbstironie sehr schwergetan“. Supergeil markiert die Wende. Seither nimmt sich die Sternen-Truppe nicht mehr ganz so ernst. Die einst so hierarchischen Strukturen in Stuttgart wurden aufgelockert. Das ist das große Verdienst von Daimler-Chef Zetsche, heißt es unisono in Unternehmenskreisen.

Der 66-jährige Langzeitherrscher in Turnschuhen hat sich am Mittwoch in den Ruhestand verabschiedet. Was bleibt von seiner 13 Jahre währenden Ära als CEO? Was besteht fort, wenn er nicht mehr da ist? Wer diese Fragen an Vertraute und Kontrahenten stellt, an Führungskräfte und langjährige Daimler-Mitarbeiter, der hört vielfach „Kulturwandel“ als Antwort. Unter Zetsche, so der einhellige Tenor, hat sich das einst so schwerfällige Industriekonglomerat geöffnet, ein neuer Stil wurde etabliert.

„Er hat die stille Post abgeschafft“

In der Zeit von Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp blieben die Führungstruppen unter sich. Kommuniziert wurde über Hierarchiestufen. Undenkbar, dass ein Teamleiter im erweiterten Vorstand präsentierte und nicht der laut Managementebene oberste zuständige für die Materie. Zetsche hatte damit kein Problem, ihm ging es mehr um die Sache, als um den Vortragenden „Er hat die stille Post im Haus mit ihren vielen Übersetzungsfehlern abgeschafft“, sagt ein Daimler-Veteran.

Befördert wurde zudem nicht mehr ausschließlich, wer neben den Fähigkeiten auch das nötige Alter mitbrachte, sondern auch Jüngere, wenn sie denn pfiffig genug waren. So machte Zetsche 2008 etwa Gorden Wagener zum Chefdesigner von Mercedes. Mit ihm startete er eine bespiellose Produktoffensive mit klaren Linien. Der Schnauzbart scharte eine neue Generation an Managern um sich, darunter den 17 Jahre jüngeren Ola Källenius, den er behutsam zu seinem Nachfolger aufbaute.

Mit „Leadership 2020“ etablierte Zetsche hierarchieunabhängiges Arbeiten in Schwärmen, förderte den Austausch mit Start-ups und ermutigte jeden Mitarbeiter, kluge Geschäftsideen in das Unternehmen einzubringen. „Nichts hat Daimler in den vergangenen Jahren so sehr verändert“, sagt eine langjährige Führungskraft.

Jünger, weiblicher und internationaler sei der Mercedes-Hersteller in der vergangenen Dekade geworden, konstatieren selbst jene, die Zetsches Sneaker-Vorliebe für albern halten. „Er war die Galionsfigur des Kulturwandels“, sagt Michael Häberle, Betriebsratschef des Daimler-Stammwerks in Stuttgart-Untertürkheim.

Es gibt aber noch ein anderes, weniger erfreuliches Vermächtnis von Zetsche: die Vorwürfe gegen Daimler im Dieselskandal. Als bei Volkswagen die millionenfachen Betrügereien aufflogen, legte sich Zetsche früh fest, dass derlei Machenschaften in seinem Haus nicht stattfinden würden. „Wir halten uns grundsätzlich an die gesetzlichen Vorgaben und haben keinerlei Manipulationen an unseren Fahrzeugen vorgenommen“, erklärte Zetsche im September 2015 klar und unmissverständlich.

Anfang 2016 wurde Zetsche noch deutlicher: „Bei uns wird nicht betrogen, bei uns wurden keine Abgaswerte manipuliert.“ Danach wurde er allerdings immer kleinlauter. Auf dem Genfer Autosalon 2017 erklärte Zetsche etwa, dass es ein Fehler gewesen sei, dass die Autohersteller beim Diesel die gesetzlichen Spielräume in unterschiedlicher Bandbreite ausgenutzt hätten. „Da ist einiges falsch gelaufen“, sagte er.

Im vergangenen Jahr verdonnerte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) Daimler schließlich dazu, mehr als 700.000 Dieselfahrzeuge zurückzurufen. Die Flensburger Beamten sind überzeugt, dass Daimler in mehreren Modellen unzulässige Abschalteinrichtungen genutzt hat.

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass das KBA im Zuge weiterer Untersuchungen zusätzliche Anordnungen mit vergleichbaren Feststellungen erlassen wird“, warnt Daimler seine Aktionäre im Geschäftsbericht 2018. Gleichzeitig ist der Konzern überzeugt, dass seine Motorkalibrierungen völlig legal sind. Gegen den Bescheid des KBA haben die Stuttgarter Widerspruch eingelegt. Den Vorwurf, manipuliert zu haben, will Daimler notfalls vor Gericht entkräften. Bis Klarheit herrscht, ob nun das KBA oder Daimler Recht hat, werden wohl noch Jahre vergehen.

Von der Ära Zetsche bleibt daher zunächst nicht nur der positive Kulturwandel, sondern auch ein vergiftetes Dieselerbe, das die Hausjuristen noch lange beschäftigen wird und bei den Managern noch viele Kräfte binden wird.  

Mehr: Der Abschied von Dieter Zetsche als Daimler-Chef lässt auch die Konkurrenz nicht kalt. BMW verabschiedet den Manager mit einem humorvollen Video.

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1 Kommentar zu "Abgang des Vorstandschefs: Daimler nach Dieter Zetsche – Der lange Schatten des Schnäuzers"

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  • Das vergiftete Dieselerbe ist tatsächlich eines der Schwersten. Jetzt wird es an der Zeit, dass der Konzern den neuesten Technologien folgt, um aus dem Loch zu kommen. Die neueste Alternative für die Elektromobilität heisst Neutrino-Energy - die revolutionärste Innovation, die weltweit selbstladend funktioniert und unendliche Reichweite bietet. Die Berliner Neutrino-Energy Group entwickelt innovative Patente, die es ermöglichen, das nichtsichtbare kosmische und solare Strahlenspektrum in elektrischen Strom zu wandeln. Das neueste Produkt ist die NeutrinoVoltaic, die ähnlich wie die bereits seit den 90iger Jahren bekannte solare Photovoltaic funktioniert, allerdings auch ohne Sonnenschein und 24h in 365Tagen im Jahr, unendlich und weltweit. Darum heisst das patentierte Kleinfahrzeug dann auch PI, weil es mit unendlicher Reichweite ohne Auftanken fahren kann. Auch anwendbar für eine mobile und dezentrale Haushaltsenergie. Bitte der Deutschen Politik Weitersagen. Es müssen neue Wege und Berufsfelder eröffnet werden, damit wir eine erfolgreiche Zukunft haben.




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