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Abgas-Skandal Seit einem Jahr wusste jeder Bescheid

Der Volkswagen-Skandal erschüttert die Republik. Niemand will etwas gewusst haben. Doch ein Blick ins Archiv zeigt: Schon vor einem Jahr wurde über den Betrug berichtet. Auch Winterkorn hätte es lesen können.
67 Kommentare
„Die realen Emissionen sind siebenmal höher sind als die, die gesetzlich erlaubt sind.“ Quelle: ap
Was kommt aus dem Auspuff?

„Die realen Emissionen sind siebenmal höher sind als die, die gesetzlich erlaubt sind.“

(Foto: ap)

Berlin/DüsseldorfDas Präsidium des VW-Aufsichtsrats hat Martin Winterkorn am Mittwoch mit Worten gewürdigt, die bei näherem Hinsehen zweifelhaft erscheinen: "Die Mitglieder des Präsidiums stellen fest, dass Herr Professor Dr. Winterkorn keine Kenntnis hatte von der Manipulation von Abgaswerten", teilten sie offiziell mit. Handelsblatt-Recherchen werfen ein anderes Licht auf die Sache. Bereits vor einem Jahr berichtete Medien wie der „Spiegel“ und auch das Handelsblatt über Manipulationen beim Abgastest.

Bis dahin ahnte jeder Autofahrer: Den durchschnittlichen Spritverbrauch, mit dem Auto-Hersteller im Prospekt werben, erreicht man auf der Straße niemals. Klar war damit auch: Wenn das Auto mehr Treibstoff als angepriesen schluckt, sind die Emissionen höher.

Spätestens am 28. September des vergangenen Jahres wurde für jeden, der es wissen wollte, aus der Ahnung Gewissheit. Der „Spiegel“ hatte damals Ergebnisse des Forschungsinstituts ICCT veröffentlicht. Die Geschichte machte anschließend auch in anderen Medien wie dem Handelsblatt die Runde. In der Studie belegen Wissenschaftler, dass insbesondere deutsche Auto-Hersteller Werte beim Spritverbrauch angeben, die bis zu 50 Prozent unter dem liegen, was die Fahrzeuge tatsächlich schlucken. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit habe in den letzten Jahren stark zugenommen. „Ein Zusammenhang zwischen der Einführung strenger Grenzwerte und der zunehmenden Schummelei ist mehr als deutlich zu erkennen“, sagte ICCT-Studienautor Peter Mock in den damaligen Berichten.

Besonders erstaunen lässt aus heutiger Sicht ein Absatz. Unter der Zwischenüberschrift „Blackboxes erkennen Laborfahrt“, war dort zu lesen, was jetzt Winterkorn vom Sockel stieß: „Doch der Aufwand [der Autohersteller] reicht noch viel weiter: Bordcomputer der neuesten Generation können erkennen, wenn sich das Auto auf einem Rollenprüfstand befindet, und daraufhin in einen optimierten Testmodus schalten. Für die Prüfer ist es unmöglich, solche Manipulationen zu erkennen.“

Damals hat allerdings niemand reagiert: Politik, Verbraucher und Journalisten haben weiter zugeschaut, Umweltschützer wurden überhört. Erst die US-Umweltbehörde EPA setzt das Thema mit ihrem Vorgehen gegen Volkswagen jetzt ganz oben auf die Agenda in Deutschland.

Die Lobbyarbeit der Automobilbranche, so scheint es, hatte über Jahre Erfolg. Es sei eine Tatsache, „dass die realen Emissionen siebenmal höher sind als die, die gesetzlich erlaubt sind. Und das ist den Behörden bereits seit Jahren bekannt“, sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), dem Handelsblatt. Die Reaktionen der Politik, die jetzt aus allen Wolken fällt, hält er für „heuchlerisch“.

Bundesregierung hatte angeblich „keine Erkenntnisse“
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67 Kommentare zu "Abgas-Skandal: Seit einem Jahr wusste jeder Bescheid"

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  • Gute Frage. Keine Ahnung.

  • Herr Paule 5025.09.2015, 09:17 Uhr

    Was hat der FALSCHE Bezinverbrauch mit falschen Abgaswerten zu tun ?

    BEIDES ist falsch und von technischen "Prüfständen" habe ich als Techniker es in den 70/80' Jahren gelernt, damals genannt der spezifische Kraftstoffverbrauch ! Das hat mit dem rühren der Gangschaltung im Benzintank im normalen Leben nichts zu tun !!! Eine Schön-Blöd-Angabe, immer schon gewesen !
    NUR jetzt erkennt man die überschwängliche Dummheit aus Politik und Wirtschaft, was uns blüht, wenn TTIP von unseren "Experten" unterschrieben wird !!!
    Es gibt INDUSTRIE-STAATEN, die sin uns an Raffinesse und Skrupellosigkeit weit voraus !!!
    Wir in DEUTSCHLAND haben Marionetten (nicht alle aber zu viele) in unseren Parlamenten herum lungern, um gewisse unseriöse Lobby-Truppen zu "bedienen" !!!
    Uns fehlen ECHTE VOLKSVERTRETER !!! Seriöse Unternehmen (allgemein gemeint) , die den Namen verdienen !!!

  • Was hat denn der Benzinverbrauch mit falsche Abgaswerten zu tun?
    Und die "falschen" Angaben beim Benzinverbrauch war doch schon immer so, zumindest seit den siebziger Jahren! Was ist da eigentlich neu?
    Die meisten Käufer suchen deshalb ihr Auto doch nach anderen Kriterien, z.B. Leistung, Preis und Qualität und damit hat der Skandal doch garnichts zu tun!
    Das Video von Dirk Müller sagt zum Thema VW eigentlich alles:
    http://bcove.me/3mxjpw8s

  • Mal eine ganz naive Frage. Bevor man sich ein teures Konsumgut anschafft, informiert man sich doch. Mich interessierte der VW-Bulli. Alle Foren waren voll von Motorproblemen. Da hab ich nach Japan geschaut und ohne Probefahrt einen ISUZU gekauft. Binnen 2 Jahren sind die Jungs 180tkm gefahren. Verschleissteile wechseln lassen. Das war es. Preis: 50% was die VW Pritsche gekostet hätte.

    Wieso kauft man dann überhaupt diese "Premium"-Autos?

  • Da kommen Handelsblatt und die anderen deutschen Medien aber spät drauf. Bloomberg hatte schon am 20.9. berichtet, daß EPA im May 2014 Kontakt zu VW aufnahm, um die Fragen geklärt zu bekommen.
    Lesen Handelsblattredakteure keine internationalen Online-News?

  • Mir ist es relativ egal wieviel Treibstoff meine Karre verbraucht; nimmt er 12 im Stadtverkehr ist es so, nimmt er 19 bei Vollgas ... ist mir auch irgendwo egal.
    Und CO2 Ausstoß? Ja mein Gott: lass uns den Verkehr gesamt totlegen und die Droschke nehmen.
    Was mich am Diesel eher nervt sind die Feinstaubpartikel; oder alte stinkende Taxis, Busse und Lkw´s.

    Was mich stört ist eher der Umstand, das diese Kraftstoffverbrauchstest so durchgeführt werden das ich als Verbraucher beleidigt bin weil ich scheinbar vom Hersteller für DOOF gehalten werde. DAS ist eine Unverschämtheit !

    Und da diese tollen trollen Bundesumweltämter so einen Scheiß auch noch dulden, gehören die alle GEKÜNDIGT.

    Zum Abschluss noch die Frage der Fragen: ist die Abgaswolke jetzt endlich per Verfassungsgericht dazu verdonnert worden gefälligst am Schild "Umweltzone" zu stoppen?

    Gott lass Hirn in den Verwaltungen regnen...meine Herrn nochmal.

  • Dass der Aktienkurs von VW noch keinen Boden hat, ist anzunehmen. Seit heute "...wirkt sich der Skandal auf Europa aus", was insgesamt zu schier unüberschaubaren Schadenersatzansprüchen führen sollte. Heute haben mehrere "Ethik"-Fonds bekanntgegeben, sich von VW-Papieren zu trennen. Ein Schicksal a la Commerzbank oder RWE ist für VW nicht mehr ausgeschlossen. Der Fluch der wirklich üblen Tat eben! Ich fürchte, unser Mitkommentator Paul Oberste (16:36 Uhr) wird sich mit seinem frühen Kauf vorerst die Finger verbrennen. Short-Positionen sind allenfalls angesagt. Notabene: wir Bürger sollten Mitleid mit dem Land Niedersachsen haben, wo man über alle Parteien hinweg anachronistisch an einer rd. 20%-igen Beteiligung an der Sünderfirma festgehalten hat.

  • "Die Mitglieder des Präsidiums stellen fest, dass Herr Professor Dr. Winterkorn keine Kenntnis hatte von der Manipulation von Abgaswerten". Können die Mitglieder des Präsidiums in das Hirn von Martin Winterkorn hineinschauen? Ganz sicher können sie das nicht, aber sie merken nicht einmal, was für einen Unsinn sie daherreden. Winterkorn und andere Vorstände müssen abtreten, die Dummschwätzer des Präsidiums hoffentlich auch. Dann hat VW wieder eine Chance.

  • Ich kann nicht glauben, dass unseren Politiker die daneben liegen Schadstoffwerte und der weit überhöhte Treibstoff-Verbrauch nur entgangen sind, weil sie sich damit wohlfühlten. Gerade in dem Bereich ist die Lobbyarbeit der Autoindustrie gigantisch und seit Jahren sehr erfolgreich. Man denke nur an den Verband der Automobilindustrie (VDA), dessen Präsident seit 2007 der eloquente Matthias Wissmann (CDU) ist. Dieser Mann war von 1993 bis 1998 Bundesminister für Verkehr und verfügt bis heute über beste Kontakte zu Ministern und Abgeordneten. Gestern begrüßte er - angeblich sehr betroffen -, dass VW die Vorwürfe rasch und vollständig aufklären wolle...“. Ich empfand das als einigermaßen scheinheilig, und wer glaubt wirklich, dass dieser einflussreiche Verband und sein Chef von den jahrelangen Manipulationen nichts ahnten oder gar wussten? Ihre Lobbyarbeit hat übrigens maßgeblichen Anteil daran, dass Deutschland vor ein paar Jahren sein Veto gegen noch umweltfreundlichere Schadstoffgrenzen einlegte. – Heute Morgen gab ein ehemaliger Verkehrsminister (CSU) im DLF zu dem Skandal ein Interview und ergriff verdächtig einseitig und verharmlosend Partei. In meinen Augen muss nicht nur bei VW dringend aufgeklärt werden, sondern genauso auf der Ebene was Politiker wussten und nicht handelten. Wo waren etwa die Minister für Justiz, Verbraucherschutz und Verkehr in den vergangenen 12 Monaten und davor? Der gegenüber der Werbung viel höhere Verbrauch ist schließlich unmittelbarer Betrug am Käufer/Kunden! - Und dann ist da noch Anton Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen), der zum Thema schon mehrfach die Backen aufgeblasen hat. Genau so scheinheilig, wie das Agieren von BM Dobrindt. Auch er muss sich fragen lassen, was seine Partei denn während ihrer Regierungszeit unternommen hat, wenn es etwa um die betrügerischen Angaben beim Kraftstoffverbrauch ging.

  • Das wird teuer für den VW Konzern. Da es hier nicht um Gewährleistung sondern um Täuschung, also Deliktshaftung handelt, wird der Hersteller die betroffenen Fahrzeuge in Deutschland uneingeschränkt zurücknehmen müssen. Es gibt paktisch keine Verjährung. Bei einer Nutzungsentschädigung in Höhe von 10 Cent, die der geprellten Autofahrer pro gefahrenen Kilometer zu zahlen hätte, geht es um einen zweistelligen Milliardenbetrag.
    Der Aktienkurs ist also noch deutlich überhöht!

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