Abgas-Vorwürfe gegen Renault Ingenieure kannten die Abweichungen ganz genau

Der Autobauer Renault schließt Rückrufe nicht aus und geht davon aus, dass die Verbesserung seiner Dieseltechnologie Milliarden kostet. Aber der Konzern wartet auch mit positiven Nachrichten auf.
Update: 18.01.2016 - 11:54 Uhr
Der französische Autohersteller gerät in den Sog der Abgaskrise. Quelle: AFP
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Der französische Autohersteller gerät in den Sog der Abgaskrise.

(Foto: AFP)

ParisRenault war bewusst, dass seine Dieselautos in Wirklichkeit wesentlich mehr Schadstoffe ausstoßen als unter Testbedingungen. Das bestätigte Absatzchef Thierry Koskas heute am Unternehmenssitz in Boulogne-Billancourt: „Wir waren nicht überrascht.“ Eine unabhängige Kommission hatte vergangene Woche festgestellt, dass Renault-Fahrzeuge viel mehr Stickoxide und Kohlendioxid emittieren als der Hersteller offiziell angibt. Mitgliedern der Kommission zufolge geht es um 500 Prozent mehr.

„Unsere Ingenieure kennen die Merkmale unserer Motoren genau“, sagte Koskas, deshalb sei man auf dem Laufenden gewesen. „Das Entscheidende ist aber, dass wir nicht betrogen haben“, verteidigte er sein Unternehmen. Er befürchte nicht, dass das Image beinträchtig werde.

Koskas präzisierte nicht, welche Änderungen der Hersteller nun vornehmen will. „In den kommenden Wochen legen wir einen detaillierten Plan vor.“ Der Absatzchef ließ offen, ob der nur neue Fahrzeuge betreffen wird oder auch bereits ausgelieferte. Er schloss nicht aus, dass es einen Rückruf geben könne. Mit Mercedes, dessen A-, B- und C-Klasse mit Dieselmotoren von Renault fährt, werde es technische Diskussionen geben. „Jeder Hersteller kalibriert seine Fahrzeuge nach eigenen Maßstäben“, fügte der Absatzchef hinzu.

Obwohl auf den Hersteller durch die Verbesserung seiner Diesel-Technik Milliardenkosten zukommen, will er die Preise nicht erhöhen. „Es wird keine Effekte für die Verbraucher geben“, sagte Koskas. Renault will also eher seine Marge verringern.

Renault weigert sich nach wie vor, die genauen Testergebnisse zu veröffentlichen. „Wir sind noch mitten in den Tests, es steht uns nicht an, etwas zu veröffentlichen, wir warten ab, bis die Arbeit abgeschlossen ist.“ sagte Koskas. Das Schweigen von Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn, der sich bislang überhaupt nicht geäußert hat, verteidigte der Absatzchef: „Ghosn wird reden, wenn er entscheidet, dass der richtige Moment gekommen ist, heute ist das nicht dringend.“ Die Renault-Aktie hatte vergangene Woche über 13 Prozent verloren und lag Montagvormittag weitere 2,7 Prozent im Minus.

Das sind die Bestseller von Renault
Platz 10 - Trafic - 39.500 verkaufte Fahrzeuge*
1 von 10

Der kleinere Lastenesel der Franzosen verkauft sich in seiner Neuauflage im ersten Halbjahr wieder besser. Der Absatz legt im Vergleich zum Vorjahr um 12,1 Prozent zu.

*Quelle: Earnings report Renault / 1. Halbjahr 2015

Platz 9 - Master - 51.244 verkaufte Fahrzeuge
2 von 10

Auch für den großen Bruder läuft es besser. Der Transporter kann beim Absatz um ordentliche 13,4 Prozent zulegen.

Platz 8 - Twingo - 53.300 verkaufte Fahrzeuge
3 von 10
Platz 7 - Kangoo - 73.900 verkaufte Fahrzeuge
4 von 10

Beim Kastenwagen, der eine enge Verwandtschaft mit dem Mercedes Citan pflegt, stagniert der Absatz. Um 2,2 Prozent ging es im ersten Halbjahr aufwärts.

Platz 6 - Captur - 117.300 verkaufte Fahrzeuge
5 von 10

Der futuristische Crossover setzt seine Erfolgsgeschichte fort. Um satte 25 Prozent verkaufte sich der Captur im ersten Halbjahr besser.

Platz 5 - Logan - 145.200 verkaufte Fahrzeuge
6 von 10

Doch man muss nicht schön sein, um Erfolg zu haben. Der selbstbewusst als "Weltauto" vermarktete Logan stagniert zwar beim Absatz - aber das auf einem sehr ordentlichen Niveau.

Platz 4 - Megane - 146.703 verkaufte Fahrzeuge
7 von 10

Für einen einstigen Kandidaten für das Treppchen reicht es nur noch für Platz 4. Der Megane verkaufte sich im ersten Halbjahr rund 1,2 Prozent schlechter.

Doch es gibt auch positive Nachrichten aus dem Konzern. Der französische Hersteller hat im vergangenen Jahr weltweit 2,8 Mio Autos verkauft, das ist ein absoluter Rekord für Renault. Die Marke wurde auch in Europa gestärkt, der Marktanteil stieg auf 7.8 Prozent. In Deutschland stiegen die Verkäufe um fünf Prozent, das stärkste Wachstum gab es in Spanien, wo Renault 23 Prozent mehr absetzen konnte als ein Jahr zuvor.

Für 2016 hofft Renault sogar „auf eine Beschleunigung des Zuwachses“, wie Koskas sagte. Auch im Iran will die Marke mit dem Rhombus mehr losschlagen. Der Markt dort umfasst heute eine Million Autos, „doch perspektivisch kann das auf zwei Millionen steigen“, erwartet Koskas.

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