Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Abgasaffäre VW-Chef Diess hat Vorgänger Winterkorn wohl nicht belastet

VW-Chef Diess soll sich einem Pressebericht zufolge mit dem FBI getroffen haben – und Ex-CEO Winterkorn belastet haben. Insider widersprechen.
Update: 08.05.2018 - 13:35 Uhr 4 Kommentare

VW-Chef Diess soll Winterkorn bei FBI-Aussage belastet haben

DüsseldorfVW-Chef Herbert Diess hat den ehemaligen Konzernchef Martin Winterkorn in der Dieselaffäre laut Insidern nicht belastet. Presseberichte, nach denen Diess Anfang Mai gegenüber den US-Justizbehörden ausgesagt habe, stimmen nach Handelsblatt-Informationen nicht.

Weder sei Diess auf seiner jüngsten USA-Reise von den US-Staatsanwälten förmlich vernommen worden, noch habe er sich mit dem FBI getroffen, berichten Insider dem Handelsblatt. Diess’ Verteidiger Tido Park wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern.

Es habe lediglich ein Gespräch mit VW-Aufseher Larry Thompson gegeben, heißt es in Insiderkreisen weiter. Thompson soll VW im Auftrag der US-Justiz auf die Finger schauen, damit sich Verfehlungen wie im Dieselskandal nicht wiederholen können. Der sogenannte Monitor überwacht, ob die Wolfsburger den mit den US-Behörden geschlossenen Vergleich einhalten und die versprochenen Reformen umsetzen.

Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung berichtet, dass Diess in den USA bei Ermittlern des FBI und des Justizministeriums im Abgasskandal ausgesagt habe. Dabei habe er seinen Vorgänger Martin Winterkorn belastet. Dieser kann derzeit Deutschland nicht verlassen, da er in den USA wegen der Diesel-Abgasmanipulation angeklagt ist. VW lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Am Montag wurde bekannt, dass Herbert Diess freies Geleit erhält und weltweit frei reisen kann, ohne befürchten zu müssen, im Zusammenhang mit den US-Ermittlungen verhaftet zu werden.

Laut US-Anklageschrift gegen Winterkorn wurde der VW-Vorstand am 27. Juli 2015 am sogenannten „Schadenstisch“ über den Abgas-Betrug informiert. Diess hat zwar erst offiziell am 1. Oktober 2015 von BMW zu VW gewechselt, war aber bei dieser Besprechung dabei.

Für die US-Staatsanwaltschaft war diese Sitzung ein Schlüsselmoment einer vermeintlichen Verschwörung – eine, in der Winterkorn „die fortgesetzte Verheimlichung der Betrugssoftware vor den US-Aufsichtsbehörden genehmigte“, schreiben sie in der Anklage gegen den ehemaligen Konzernchef.

Deutsche Justiz will sicher sein, dass die Beweise für eine Verurteilung reichen

Da Diess an diesem Treffen teilgenommen habe, wisse er, was Winterkorn und andere auf der Sitzung damals sagten und kann der US-Justiz bei der Aufklärung sehr nützlich sein. Er hat dort vorerst nicht mit strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen.

In Deutschland wird noch gegen Diess, wie auch gegen Winterkorn, wegen des Verdachts der Marktmanipulation ermittelt.

In den USA wurde Winterkorn hingegen von der US-Justiz wegen seiner Rolle bei den Abgasmanipulationen angeklagt und gegen ihn ein Haftbefehl erlassen. Das US-Justizministerium erklärte, für die Behörden befinde er sich auf der Flucht.

Dem ehemaligen VW-Chef wird die Verschwörung zur Täuschung der Behörden bei den Abgasmanipulationen vorgeworfen. US-Justizminister und Generalstaatsanwalt Jeff Sessions sprach von einem System der Täuschung an der Spitze des weltgrößten Autobauers.

Die amerikanischen Ermittler gehen davon aus, dass Winterkorn schon im Mai 2014 über Unregelmäßigkeiten bei Dieselabgaswerten informiert worden war. Winterkorn hat das immer wieder bestritten.

Als Winterkorn Anfang 2017 im Bundestags-Untersuchungsausschuss ausgesagt habe, er habe von alledem nichts gewusst, habe ihm schon damals im Saal kaum einer geglaubt, sagte die SPD-Verkehrsexpertin Kirsten Lühmann. „Aber wir konnten auch den Gegenbeweis nicht antreten.“

Dass nun in den USA die Justiz gehandelt habe, in Deutschland aber nicht, habe mit den unterschiedlichen Rechtssystemen zu tun. Lühmann rechnet damit, dass auch die deutsche Justiz handeln wird, sobald sie alle Beweise gesammelt hat. Es sei richtig, dass die deutschen Ermittler lange prüften, um sicher zu sein, dass es nicht nur für eine Anklage, sondern auch für eine Verurteilung reiche.

Nichts wäre peinlicher, als würde man jetzt unter dem Druck der Öffentlichkeit ein Verfahren eröffnen und dann reichten die Beweise nicht - mit der Konsequenz, dass das Verfahren eingestellt werde.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • vov
  • mur
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Abgasaffäre - VW-Chef Diess hat Vorgänger Winterkorn wohl nicht belastet

4 Kommentare zu "Abgasaffäre: VW-Chef Diess hat Vorgänger Winterkorn wohl nicht belastet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Vinci Query
    "Ich würde sagen, dies hat mit der UNTEWRWANDERUNG der Justiz in Deutschland durch die VERLOGENE POLITIK zu tun !"

    Ganz einfach: die deutsche Staatsanwaltschaft ist WEISUNGSGEBUNDEN gegenüber dem Justizministerium. Soviel zur "Gewaltenteilung" zwischen Legislative und Judikative.
    Was denken Sie, weshalb in einigen Bundesländern neuerdings etwa "Meinungsdelikte" härter sanktioniert werden als Gewaltverbrechen?
    Hirnrissig zu glauben, dass daran ein Regierungswechsel etwas ändern würde. Dann würde nämlich nur die politische Gegenseite "profitieren" - siehe z.B. aktuell Polen.
    Eine TATSÄCHLICHE Gewaltenteilung erfordert daher auch einen kompletten Systemwechsel hin zu einer Privatrechtsgesellschaft. Dort gibt es keine Weisungsgebundenheit der Justiz, sondern miteinander in Konkurrenz stehende Strafverfolgungsbehörden und Gerichte. Als Realist muss ich natürlich sagen, dass ich (gerade in Deutschland) eine solche Gesellschaftsform ziemlich sicher nicht mehr erleben werde...

  • Diess hat die CEO-Akte bei den Amis unterschrieben, wie es mit der Kanzler-Akte üblich ist !

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • >> dass diese ungewöhnliche Zusage entstand, weil Diess Anfang Mai persönlich in die USA reiste, um mit Vertretern des US-Justizministeriums und des FBI zu sprechen. >>

    Das sagt uns aus, dass die DEUTSCHE INDUSTRIE, genauso wie die Deutsche Politik, schon lange den Amis gehört !

    SCHANDE !