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Abgasaffäre Zwangsrückruf für Audi-Dieselmodelle

Das Kraftfahrt-Bundesamt ordnet wegen Verdachts auf eine „unzulässige Abschaltvorrichtung“ einen Zwangsrückruf von zehntausenden Audis an. Bis Anfang Februar muss die VW-Tochter eine Lösung finden.
Update: 21.01.2018 - 16:21 Uhr 2 Kommentare

„80.000 Wagen betroffen“ – Muss Ihr Audi in die Werkstatt?

BerlinIn der Abgas-Affäre muss Audi fast 130.000 weitere Dieselmodelle in die Werkstätten zurückholen und umrüsten. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat für V6-Dieselfahrzeuge von Audi einen Zwangsrückruf verhängt. Der Hersteller sei darüber informiert worden, dass die Behörde in den Audi-Modellen A4, A5, A6, A7, A8, Q5, SQ5 und Q7 mit der Abgasnorm 6 „unzulässige Abschaltvorrichtungen“ festgestellt habe, bestätigte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Sonntag in Berlin. Zuvor hatte die „Bild am Sonntag“ darüber berichtet. Insgesamt seien in Deutschland 77.600 Fahrzeuge betroffen und weltweit 127.000 Fahrzeuge.

Bei dem zum VW-Konzern gehörenden Autobauer hieß es, seit Monaten untersuche Audi mit Hochdruck alle Diesel-Konzepte auf etwaige Unregelmäßigkeiten und Nachrüstungspotenziale. Dabei arbeite man eng mit den zuständigen Behörden zusammen. Im Zuge dieser Überprüfung und Auswertung habe das Kraftfahrt-Bundesamt nun auch Bescheide für Audi-Modelle mit V6-TDI-Motoren erlassen. Daher müssten Teile der Software einzelner Typen umgerüstet werden.

Die Software der Motorsteuerung für die betreffenden Fahrzeuge werde überarbeitet, getestet und dem Kraftfahrt-Bundesamt zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt. „Sobald die Software freigegeben ist, werden die betroffenen Kunden benachrichtigt“, erklärte Audi weiter.

Die Produktion von Neufahrzeugen sei bereits durch Audi umgestellt, heiß es. Bis spätestens Anfang Februar muss Audi dem KBA dem Vernehmen nach Lösungen vorlegen, wie die Manipulation auf dem Rollenprüfstand abgestellt wird. Nach Freigabe der Updates durch das KBA muss der Hersteller unverzüglich die betroffenen Fahrzeuge zurückrufen und entsprechend umrüsten. Anschließend habe er 18 Monate Zeit, die Rückrufaktion abzuschließen, hieß es.

Nach Angaben der „Bild am Sonntag“ beanstandet das KBA eine sogenannte Aufheizstrategie, die nur auf dem Prüfstand aktiv sei und im Straßenbetrieb abgeschaltet werde. Die schadstoffmindernde, schnelle Motoraufwärmfunktion springt bei diesen Fahrzeuge demnach nahezu nur im Prüfzyklus an. Im realen Verkehr unterbleibt diese Schadstoffminderung dagegen.

Audi überprüft seit mehr als einem Jahr systematisch alle Motor- und Getriebevarianten auf unzulässige Abschalteinrichtungen und hatte bereits im Juli 2017 die Nachrüstung von 850.000 Autos der Marken Audi, Porsche und Volkswagen mit V6- und V8-TDI-Motoren in Europa angeboten. Die nun vom KBA beanstandeten Fahrzeuge seien darin auch enthalten, hieß es jetzt bei Audi.

Nach Angaben der „Bild am Sonntag“ droht das KBA Audi für das A8-Modell, das bis Mitte 2017 produziert worden sei, mit einem Zulassungsverbot. Nach Darstellung von Audi handelt es sich hier um eine nachträgliche Anordnung zu einem Bescheid des Kraftfahrt-Bundesamtes, der Anfang November 2017 gemeldet worden sei und der einen Rückruf von 5000 Autos in Europa beinhalte. Betroffen war das bisherige Flaggschiff von Audi, der A8 mit TDI-Achtzylinder-Motor und Euro-6-Zulassung. Er wurde von 2013 bis vergangenen August gebaut.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer kritisierte Audi: „Das ist mehr als peinlich. Es kann nicht sein, dass das Kraftfahrt-Bundesamt den Rückruf anordnet und die Kunden dies über die Medien erfahren“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Montag). Zwar habe sich Audi selbst bemüht, die Probleme mit einem freiwilligen Rückruf zu lösen. Dass nun aber ein Zwangsrückruf angeordnet worden sei, zeige, wie ernst die Lage sei.

  • dpa
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2 Kommentare zu "Abgasaffäre: Zwangsrückruf für Audi-Dieselmodelle"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hier noch ein Nachtrag zu dem Verfahren der US Behörden mit einer Liste der nach US Recht betroffenen Fahrzeuge:
    https://www.justice.gov/criminal-vns/case/volkswagen-diesel-engine-vehicle-matters

  • Das ist doch eigentlich ein alter Hut. Die Hintergründe für den Rückruf sind seit Monaten im Internet abrufbar. Sie waren aus meiner Sicht bereits Gegenstand des Rückrufs der Porsche Cayenne im vergangenen Jahr. Ich frage mich eher, warum bei uns sechs Monate gebraucht werden, bis die Behörden handeln, wenn die Staatsanwaltschaft in den USA saubere Vorarbeit leistet.

    Die Anklage im Verfahren gegen den ehemaligen Audi Entwicklungsingenieur Giovanni Pamio legt nahe, dass die Probleme bei Porsche auch bei den anderen Fahrzeugen auftreten, die den gleichen Motor benutzen.

    https://ag.ny.gov/sites/default/files/new_york_vw_complaint_7.19.pdf

    Unabhängig davon, wie man zu der gesamten Problematik steht, sollte doch jetzt wirklich klar sein, dass die Autobesitzer, die sich für viel Geld eines der betroffenen Fahrzeuge angeschafft haben, mit ihren Problemen allein gelassen werden.

    Kann man noch davon ausgehen, dass die Autos mangelfrei waren? Ich meine nicht.

    Warum handelt dann die Politik nicht früher. Muss man wirklich noch 6 weitere Monate abwarten, bevor man einen Rückruf veranlasst?

    Will man hier abwarten, bis Gewährleistungspflichten abgelaufen sind und den Autokäufern damit der Weg verbaut ist, Ansprüche gegen Verkäufer und Hersteller geltend zu machen?

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