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Abgasmanipulation Neue Schummelvorwürfe sorgen für scharfe Kritik an deutschen Autoherstellern

Nach dem Verdacht der EU-Kommission auf neue Tricks bei den CO2-Emissionen zeigt sich die Politik entsetzt – und fordert schnelle Aufklärung.
25.07.2018 - 18:05 Uhr 1 Kommentar
Welche Tricks sind erlaubt, welche nicht? Quelle: dpa
Abgastest

Welche Tricks sind erlaubt, welche nicht?

(Foto: dpa)

Berlin, Brüssel Tricksen Autohersteller in Europa erneut bei den Emissionsangaben ihrer Fahrzeuge? Die EU-Kommission hegt den Verdacht – und ermahnt die Hersteller zu Ehrlichkeit.

„Es scheint, dass einige in der Industrie keine Lehren aus dem Dieselskandal gezogen haben“, sagte Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska dem Handelsblatt. Statt nach Schlupflöchern bei den neuen CO2-Tests zu suchen, sollten die Unternehmen lieber emissionsfreie Autos entwickeln, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verteidigen und das Klima zu schützen.

Experten der Brüsseler Behörde hatten zuvor Hinweise gefunden, dass Hersteller bei den im vergangenen September eingeführten neuen Testverfahren einen zu hohen Ausstoß der Treibhausgases Kohlendioxid angegeben hatten.

Die Auswertung der ersten Testergebnisse nach dem WLTP-Messverfahren deute darauf hin, dass die „offiziell von den Herstellern angegebenen Emissionswerte überhöht sein könnten“, heißt es in einem fünfseitigen Bericht der Kommission an den Rat der Mitgliedsstaaten und an Europaabgeordnete, über den das Handelsblatt berichtet hatte. Daraus ergebe sich das „klare Risiko“, dass die geplanten EU-Einsparziele für den Flottenausstoß des Treibhausgases bis 2025 und 2030 unterlaufen würden.

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    Das Papier enthält keine Angaben darüber, bei welchen Herstellern die Experten derartige Hinweise gefunden haben. In den vergangenen drei Jahren war die Branche in Kritik geraten, weil etliche Unternehmen ihre Fahrzeuge so ausgelegt hatten, um auf dem Prüfstand besonders niedrige Abgaswerte auszuweisen.

    Volkswagen musste sogar den Einsatz illegaler Abschalteinrichtungen bei Dieselfahrzeugen einräumen, gegen Daimler, BMW, Audi und Porsche ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft wegen ähnlicher Vorwürfe. Auch ausländische Hersteller wie PSA, Renault-Nissan und Fiat-Chrysler stehen im Verdacht, Abgas-Werte manipuliert zu haben.

    Entsprechend groß ist das Misstrauen in der Politik. Der nun von der EU-Kommission geäußerte Verdacht, basierend auf vorläufigen Erkenntnissen von Fachleuten ihrer Forschungseinrichtung Joint Research Center, löste daher scharfe Reaktionen aus. „Die PKW- Hersteller können das Tricksen nicht sein lassen“, kritisiert der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer. „Ehrlichkeit gehört nicht zu den Tugenden der Branche.“

    Daniela Kluckert, FDP-Verkehrspolitikerin, ermahnt die Branche, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. „Denn eines ist klar: Betrug wird bestraft.“ Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Kirsten Lühmann, forderte schnelle Aufklärung von den zuständigen Aufsichtsbehörden. „Solche Tricks müssen im Zuge der neuen Regulierung der CO2-Emissionen auf EU-Ebene verhindert werden.“

    EU-Kommissare warnen vor Tricksereien der Autobauer

    In Brüssel verhandeln Europaparlament und Staaten derzeit über neue Grenzwerte, die die Hersteller im kommenden Jahrzehnt erreichen müssen. Die Kommission hat vorgeschlagen, dass die Unternehmen ihren Flottenausstoß an CO2 bis 2025 um 15 Prozent und bis 2030 um 30 Prozent im Vergleich zu 2021 reduzieren müssen.

    Industriekommissarin Bienkowska und Klimakommissar Miguel Arias Cañete warnten bereits vergangene Woche in einem Brief an Rat und Europaparlament, die Hersteller könnten ihre Testergebnisse bis 2020 bewusst zu hoch ausweisen, um anschließend weniger einsparen zu müssen.

    Solche Praktiken einzelner Hersteller könnten auch zu Wettbewerbsverzerrungen in der Industrie führen, warten die Kommissare und forderten, in der neuen Verordnung nicht die vom Hersteller angegebenen Werte als Grundlage zu nehmen, sondern die tatsächlich unter Aufsicht der Zulassungsbehörden gemessenen Emissionen. Der Verband der Automobilindustrie hält die Sicht der Kommission für irreführend. Höhere Verbrauchsangaben seien „kontraproduktiv“ für die Branche.

    Die Hinweise auf Tricksereien dürften den Befürwortern strengerer Grenzwerte in den laufenden Verhandlungen weiteren Auftrieb geben. Sollte sich der Verdacht bestätigen, „darf sich die Automobilindustrie nicht wundern, wenn die neuen CO2-Grenzwerte strenger ausfallen, als es der aktuelle EU-Kommissionsvorschlag vorsieht“, sagt SPD-Politikerin Lühmann.

    Frankreich und etliche andere EU-Staaten setzen sich bereits für ambitioniertere Einsparvorgaben ein, auch im Europaparlament gibt es dafür Unterstützung. Die Abgeordneten nähmen die Hinweise ernst, sagt Tiemo Wölken, SPD-Vertreter im maßgeblichen Umweltausschuss des Straßburger Parlaments. „Aufgabe der Politik ist es, sicherzustellen, dass die Angaben der Hersteller der Realität entsprechen.“

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    1 Kommentar zu "Abgasmanipulation: Neue Schummelvorwürfe sorgen für scharfe Kritik an deutschen Autoherstellern"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Mir wird ganz schlecht wenn ich das lese. Die Autobauer haben nichts dazu gelernt?? Warum-Weshalb-Wieso??
      Ich glaube eher, dass die dtsch. + EU Politiker nach 3 Jahren immer noch den falschen in den Mittelpunkt stellen und nichts dazu gelernt haben. In den USA ist der Skandal im Wesentlichen abgearbeitet. Der Filz aus der Vetternwirtschaft ..........ach, das steht ja schon in der Überschrift:...........die Politik zeigt sich entsetzt..........."

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