Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Dieselaffäre

Bei Daimler droht ein Massenrückruf.

(Foto: AP)

Abgasskandal Daimler droht Rückruf von mehr als 600.000 Dieselfahrzeugen

Daimler droht ein Diesel-Debakel: Einem Medienbericht zufolge könnte der Konzern zu einem Rückruf hunderttausender Fahrzeuge verdonnert werden.
Update: 25.05.2018 - 15:00 Uhr 1 Kommentar

Stuttgart Daimler könnte vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zum Rückruf von mehr als 600.000 Dieselfahrzeugen verpflichtet werden. Das berichtet der „Spiegel“.

Das KBA gehe dem Verdacht nach, dass bei diesen Modellen unzulässige Abschalteinrichtungen die Wirkung der Abgasreinigung manipulierten, berichtete das Magazin am Freitag. Dadurch könne es im Fahrbetrieb zu erhöhten Emissionen von Stickoxid (NoX) kommen.

Prüfungen an den betreffenden Autos, unter anderem von Modellen der C-Klasse, fänden bereits statt. Die Modelle hätten einen vergleichbaren Motor wie der gerade zurückgerufene Transporter Vito.

Daimler erklärte, dem Unternehmen liege keine amtliche Anhörung des KBA – die Vorstufe zu einem Rückrufbescheid – zu den genannten Fahrzeugen vor. „Zu Spekulationen des Spiegels äußern wir uns nicht“, ergänzte ein Sprecher. Das Bundesverkehrsministerium bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters nur, dass Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) das KBA angewiesen habe, weiteren Verdachtsfällen bei Mercedes unverzüglich nachzugehen.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Daimler mehr als 6.000 Fahrzeuge des Transporter-Modells Vito zurückrufen muss. Angesichts der Vorwürfe hatte der Minister Daimler-Chef Dieter Zetsche für diesen Montag zum Rapport ins Ministerium einbestellt. Zetsche habe sein Kommen auch zugesagt. „Ich erwarte, dass Mercedes seinen Kunden gegenüber Klarheit schafft“, sagte Scheuer.

Daimler ist zu dem Rückruf des Vito, bei dem ein Software-Update für die Motorsteuerung vorgenommen werden soll, bereit. Die Motoren stammen vom französischen Partner Renault. Die genaue Zahl der betroffenen Fahrzeuge sei noch nicht geklärt, sagte ein Daimler-Sprecher.

Renault will zu den umstrittenen Motorenlieferungen nicht Stellung nehmen. Es handele sich hier um eine Frage, die allein Daimler angehe, sagt der französische Hersteller.

Allerdings haben sich Manager der beiden Unternehmen in der Vergangenheit, als noch nicht gegen Daimler ermittelt wurde, sehr eindeutig zu der Motoren-Kooperation geäußert. Renault Vorstand Thierry Bolloré sagte zuletzt auf dem Genfer Autosalon, dass die von Renault an den deutschen Hersteller gelieferten Dieselmotoren von Daimler selbst programmiert und kalibriert werden.

Daimler hat sich in der Vergangenheit ähnlich geäußert, nicht zuletzt um zu unterstreichen, dass die eigenen Autos einen Mercedes-spezifischen Touch haben.

Bei den in Frage stehenden Motoren geht es um Dieselaggregate mit der sogenannten SCR -Technologie. Dabei wird eine auf Harnstoff beruhende Flüssigkeit namens AdBlue in die heißen Abgase eingespritzt, um die Stickoxide zu verringern. Renault selber verwendet  diesen Dieselmotor bislang nur im Transporter trafic.

Die Franzosen rüsten mehrere Baureihen von Mercedes mit ihren Motoren aus. Es geht um die A, B, C, CLA und GLA Klassen. Zu den genauen Stückzahlen äßerte sicht Renault nicht.

Doch da die Kooperation mit Daimler bereits seit 2010 anhält, dürften sie erheblich sein. Aus den Dokumenten der Franzosen geht ebenfalls hervor, dass die an Mercedes gelieferten Dieselaggregate von den deutschen selber angepasst werden.

Es gibt zwei verschiedene Versionen, einen 1,5 Liter Motor, der im spanischen Valladolid hergestellt wird, und einen stärkeren 1,6 Liter Motor, der auch im Vito zum Einsatz kommen. Dieses Aggregat steht im Zentrum der Ermittlungen wegen Betrugs. 

Daimler kündigte derweil Widerspruch gegen die Feststellung des KBA an, es handele sich um eine unzulässige Abschalteinrichtung. Notfalls will der Autobauer das vor Gericht klären lassen.

Kommt es tatsächlich zu einem Massenrückruf, könnte die Situation für Daimler-Chef Zetsche brenzlig werden: Der Konzernchef hatte 2015 noch die Devise ausgegeben, „dass bei uns nicht betrogen wird“.

Später wurde die Führung jedoch vorsichtiger und schrieb 2017 in einem Quartalsbericht, dass in den Stuttgarter Fahrzeugen „Funktionalitäten enthalten sein könnten“, die „möglicherweise unzulässig identifiziert wurden“.

Bereits im Februar hatten Ermittlungsakten aus den USA den Verdacht nahegelegt, dass mit der Abgasreinigung vieler Mercedes-Dieselfahrzeuge etwas nicht stimmt. Wie die anderen Autobauer auch setzt Daimler Ad-Blue, Harnstoff, für die Abgasreinigung ein.

Daimler hatte stets betont, die Software regele die Ad-Blue-Einspritzung, um den Motor vor der sogenannten „Versottung“ zu schützen. Denn bei dem chemischen Prozess, der Dieselabgase durch Ad-Blue von Stickoxiden befreit, entsteht den Herstellern zufolge ein Schleim. Der kann Motorleitungen und Teile der Abgasreinigung schädigen.

Doch die US-Ermittler fanden Softwarezeilen, die mit einer Schonung des Motors nicht mehr zu rechtfertigen waren – und auf eine Manipulation hinweisen könnten.

Mit Material von Reuters

Startseite

Mehr zu: Abgasskandal - Daimler droht Rückruf von mehr als 600.000 Dieselfahrzeugen

1 Kommentar zu "Abgasskandal: Daimler droht Rückruf von mehr als 600.000 Dieselfahrzeugen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "US-Ermittler fanden Softwarezeilen, die mit einer Schonung des Motors nicht mehr zu rechtfertigen waren – und auf eine Manipulation hinweisen könnten."
    Liebe Autoren, wo habt Ihr das denn abgeschrieben? Bitte gebt doch die Quelle an!!!
    Im Spiegel online Artikel stand es jedenfalls nicht - und so eine böse Spekulation "auf eine Manipulation hinweisen könnten" wirkt schon geschäftsschädigend!
    Habt ihr nicht Angst, dass ihr irgendwann mal verklagt werden könntet?

Serviceangebote