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Abgasskandal Volkswagen will vier Millionen Diesel nachrüsten

Volkswagen bessert nach: Der Autobauer will zusätzlich 1,5 Millionen Diesel nachrüsten, um die Abgase zu reduzieren. Umweltministerin Barbara Hendricks droht der Branche jedoch weiter mit Fahrverboten.
Update: 27.07.2017 - 11:57 Uhr 6 Kommentare
Volkswagen rüstet zusätzlich 1,5 Millionen Fahrzeuge nach. Quelle: dpa
Software-Update bei Dieselfahrzeug

Volkswagen rüstet zusätzlich 1,5 Millionen Fahrzeuge nach.

(Foto: dpa)

WolfsburgVolkswagen hat kurz vor dem „Diesel-Gipfel“ der Bundesregierung Abgas-Nachbesserungen bei zusätzlichen Autos in Aussicht gestellt. Der Konzern werde anbieten, insgesamt vier Millionen Fahrzeuge nachzurüsten und damit die Emissionen deutlich zu reduzieren, sagte Vorstandschef Matthias Müller am Donnerstag nach einem Gespräch mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in Wolfsburg. Nach Unternehmensangaben sind dies 1,5 Millionen zusätzliche Fahrzeuge. Volkswagen muss nach dem Skandal um manipulierte Abgaswerte bereits rund 2,5 Millionen Autos umrüsten.

Müller betonte: „Wir wissen um unsere Verantwortung für Umwelt und für unsere Arbeitsplätze.“ VW wolle einen Beitrag zu einem Erfolg des Gipfels leisten, zu dem Hendricks mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eingeladen hat.

Hendricks sieht die Auto-Industrie vor einschneidenden Veränderungen. „Das ist ein Wendepunkt“, sagte die Politikerin am Donnerstag vor dem Treffen mit Müller. Die Vorwürfe zu möglichen illegalen Kartellabsprachen hätten weiteres Vertrauen zerstört. Es gebe „offenbar hier oder da Missstände im Management“ der Autobauer.

Es habe auch eine große Nähe zwischen Politik und der Branche in den vergangenen Jahren gegeben, die den Anschein der Kumpanei erweckt habe. „Ich kann das nicht ganz von der Hand weisen“, sagte sie. Es wäre daher richtig, wenn die Aufsicht über die Branche verstärkt würde und nicht nur von einem Ministerium. Neben dem Verkehrsministerium könnte auch das Umweltministerium dabei eine Rolle spielen.

Trotz geplanter Nachbesserungen von Diesel-Autos hält Hendricks weiterhin Fahrverbote für möglich. Diese würden notwendig, wenn die Grenzwerte für Stickoxide weiter überschritten würden – auch wenn sie das letzte Mittel seien, sagte die SPD-Politikerin. In einem ersten Schritt werde die Politik den Automobilkonzernen nur aufgeben können, die Software der Autos zu verbessern. Damit seien „nur Teilverbesserungen“ möglich - „und damit kann man nicht ausschließen, dass es trotzdem zu Fahrverboten kommen kann“.

Um Nachbesserungen soll es auch auf dem Diesel-Gipfel in der kommenden Woche gehen. Dort werde es neben Software-Updates auch um die „Formulierung von Anforderungen für den zweiten Schritt“ gehen, sagte sie – also Nachrüstungen am Motor. Der Verdacht illegaler Kartellabsprachen stehe nicht auf der Agenda des Treffens, sagte Hendricks. Sie würden aber „die Atmosphäre der Debatte“ prägen.

„Ich denke, es ist gut, miteinander zu reden und nicht übereinander zu reden“, sagte VW-Chef Müller. Er hoffe, dass der Gipfel „eine ernsthafte Angelegenheit wird – keine Inszenierung, kein Wahlkampfthema.“ Zur Wahrheit gehöre, „dass wir auch in Zukunft saubere und effiziente Verbrennungsmotoren brauchen in einer Übergangsphase hin zur Elektromobilität.“

Diese Autobauer sind im Visier der Diesel-Ermittler
Daimler
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Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen zwei Mitarbeiter des Autobauers wegen des Verdachtes der Abgasmanipulation und strafbarer Werbung. Dabei soll es sich nicht um Vorstandsmitglieder handeln. Ermittelt wird auch gegen weitere Unbekannte. Ende Mai durchsuchten die Strafverfolger mit mehr als 230 Beamten elf Standorte, um Beweise sicherzustellen.

(Foto: dpa)
Daimler
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Laut einem Medienbericht wird im Durchsuchungsbeschluss auf eine Million Fahrzeuge verwiesen, die zwischen 2008 und 2016 in Europa und den USA verkauft wurden. In den USA ermitteln das Justizministerium und die Umweltbehörden EPA und CARB ebenfalls, ob Daimler illegale Abschalteinrichtungen einsetzte. Der Konzern erklärte, mit den Behörden zu kooperieren und beiden die gleichen Unterlagen zur Verfügung zu stellen.

(Foto: dpa)
Volkswagen
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Die Wolfsburger kämpfen juristisch an zahlreichen Fronten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt allein wegen der Manipulation von Dieselabgasen gegen insgesamt 37 Beschuldigte, darunter ist auch der ehemalige Konzernchef Martin Winterkorn (im Bild). Gegen ihn sowie VW-Markenchef Herbert Diess und den früheren Finanzvorstand und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Dieter Pötsch laufen zudem Untersuchungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Insgesamt sind in Braunschweig fünf Verfahren mit 47 Beschuldigten anhängig, darunter auch eines wegen Ordnungswidrigkeit gegen Volkswagen.

(Foto: dpa)
Volkswagen
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In den USA hat der Konzern die Einstellung der Verfahren wegen Betrugs gegen ein Schuldeingeständnis und milliardenschwere Schadensersatzzahlungen erreicht. Dort laufen noch strafrechtliche Ermittlungen gegen frühere Manager und Entwickler. Zwei von ihnen sitzen in U-Haft, einer von ihnen gilt als Kronzeuge. Fünf weitere frühere oder beurlaubte VW-Mitarbeiter in Deutschland hat die US-Justiz weltweit zur Fahndung ausgeschrieben.

(Foto: dpa)
VW-Hauptaktionär Porsche SE
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Wegen des Verdachts der Marktmanipulation sind die Strafermittler in Stuttgart auch gegen Verantwortliche des VW-Hauptaktionärs Porsche Automobil Holding SE aktiv geworden. Zuvor war eine Anzeige der Finanzaufsicht BaFin gegen die damals amtierenden Vorstände der Porsche SE eingegangen.

(Foto: dpa)
VW-Hauptaktionär Porsche SE
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Dabei handelt es sich um den heutigen VW-Chef Müller (r.), seinen Vorgänger Winterkorn (l.) sowie den VW-Aufsichtsratschef Pötsch. Eine Anzeige der BaFin richtet sich auch gegen Porsche-Manager Philipp von Hagen, der ebenfalls im Vorstand des VW-Großaktionärs sitzt. Die Vorwürfe drehen sich um die Frage, ob VW die Anleger früh genug über die Erkenntnisse zu Manipulationen informiert hat.

(Foto: dpa)
Audi
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In der Dieselaffäre hatte die Staatsanwaltschaft München jüngst erstmals in Deutschland mit einen ehemaligen Audi-Mitarbeiter einen Manager verhaftet. Der Verdacht lautet auf Betrug und unlautere Werbung. Er soll Mitarbeiter der Audi-Motorenentwicklung angewiesen haben, Betrugssoftware anzuwenden. In den USA hat die Justiz Strafanzeige gegen den Manager erhoben, dem sie Verschwörung zum Betrug und Verstöße gegen US-Umweltgesetze vorwirft. Bei Audi soll die Software ausgetüftelt worden sein, die später auch bei VW zur Manipulation von Dieselabgaswerten eingesetzt wurde.

(Foto: dpa)

Trotz aller Widrigkeiten rund um Abgasskandal und Kartellverdacht hat Volkswagen seine Gewinne im ersten Halbjahr fast verdoppelt. Unter dem Strich stand ein Gewinn von knapp 6,6 Milliarden Euro – nach rund 3,6 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum, wie das Dax-Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Am Vorabend hatte der VW-Vorstand den Aufsichtsrat über den Stand bezüglich der möglichen Kartellvorwürfe informiert – VW ist sich allerdings keiner illegalen Absprachen bewusst.

Nach außen schwieg das Unternehmen nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung zu dem Verdacht gegen deutsche Autobauer, hält den Austausch zwischen Konzernen zu technischen Fragen aber für „weltweit üblich“. Zur Frage von Gesprächen unter den Herstellern teilte VW mit, davon profitierten auch Kunden, „weil innovative Lösungen schneller verfügbar und preiswerter sind als aufwendigere Einzelentwicklungen“. Die EU-Kommission prüft derzeit Informationen, wonach sich VW, BMW, Daimler, Audi und Porsche in verschiedenen Fragen mutmaßlich abgesprochen haben sollen.

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6 Kommentare zu "Abgasskandal: Volkswagen will vier Millionen Diesel nachrüsten"

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  • Vor allem "Will!"!
    Ich lache mich tot. Den Verbrechern muss mal endlich der Marsch geblasen wird. Genau das ist Aufgabe der Politik!

  • Es ist schon bemerkenswert. Die Industrie bietet an, auf eigene Kosten Millionen von Dieselfahrzeugen nachzurüsten. Dass eine solche Aktion den NOX-Ausstoß deutlich vermindert und unsere Luftqualität verbessert, liegt auf der Hand.

    Aber deutliche Verbesserungen reichen unserer Umweltministerin Hendricks nicht aus. Für die Dame sind die Stickoxyd-Grenzwerte der EU 6 das Maß aller Dinge. Dass dieses hochgesteckte Ziel mit Software-Massnahmen nicht erreichbar ist, ist klar. Folgerichtig stellt die SPD-Umweltministerin in Aussicht, dass es trotz der teuren Nachrüstaktionen zu Fahrverboten kommt.

    Wenn die Politik von diesen Vorstellungen nicht abläßt, brauchen wir am 2. August keinen Autogipfel. Bei EU 6 als Meßlatte machen teure Nachrüstaktionen keinen Sinn. Aber dann müssen wir auch klar sagen, dass SPD und Umweltaktivisten zu keinen Kompromissen fähig und aus meiner Sicht auch nicht wählbar sind.

  • @Yoski
    Sie müssen schon ein bisschen aufpassen, was Sie da so absondern.
    Wer sagt, dass der deutsche Wähler die Migrantenflut und den Niedergang der Deutschen Wirtschaft will? Habe ich Herrn Müller zum Vorstand des Volkswagens bestellt? Die Flüchtlingskrise ist nach der letzten BT-Wahl eingetreten und ich kann mich nicht erinnern, dass bei der letzten BT-Wahl offensiv mit offenen Grenzen für alle von den Regierungsparteien geworben wurde. Und bloss, weil man mit dem Migrantenproblem nicht einverstanden ist, heißt das noch lange nicht, dass man diese Totalversager der AfD wählen könnte. Dass unsere Automobilindustrie die Zeichen der Zeit nicht erkennt, können Sie ebenfalls kaum dem deutschen Wähler anlasten (was für eine schwachsinnige Kausalkette). Ihre billige Polemik können Sie bei Ihrem Kegelverein absondern, aber nicht hier.

  • Die Motoren verbrennen im Kalten nun einmal anders als im Warmen, weiß
    eigentlich jeder von daher sind die Gesetze weltfremd. Das mit der Software sich
    daran etwas ändert sind "Fake News".

  • Diesel-Fahrer, keine Stimme für Verkehrsminister Dobrindt und seine CSU (die letzten 8 Jahre war das Verkehrsministerium in CSU-Hand!)!
    Wer glaubt, dass sich das Dieselabgasproblem durch Software-Updates kurzfristig lösen lasse, ist entweder naiv oder steckt mit der um ihre Reputation und Erfolge ringenden Autoindustrie unter einer Decke. Wenn das so einfach wäre, wäre die Autoindustrie gar nicht erst die Risiken eingegangen, die jetzt angesichts der zunehmenden "Enttarnung" deren Schummel-Abgasreinigungs-Lösungen eintreten. Und eine Orientierung an der EURO-6-Abgasnorm ist nicht zielführend, ja sogar irreführend, wenn dort selbst Laborwerte und reale Werte um - bis zu - Faktor 20 auseinanderdriften. Die Politik, die das ganze Problem bisher verschlafen und/oder in Kungelei mit der Autoindustrie unter den Teppich gekehrt hatte, wird angesichts drohender Fahrverbote und bevorstehender Wahlen zunehmend nervös und wird, in gewohnter Kungelei, auf "Auto-Gipfeln" (Schein-)Lösungen versprechen, die nach der Wahl nicht eingehalten werden. Bleibt nur zu hoffen, dass Gesundheit der Bürger bei verantwortungsvollen Richtern und Bürgermeistern besser aufgehoben ist!
    Inzwischen folgen die Marketingabteilungen der Autohersteller dem Medienhype zum Automomen Fahren auf Hochtouren - wohl auch, um von den nicht beherrschten Klima-und Umwelt-Problemen der schmutzigen, veralteten Otto-bzw. Diesel-Motor-Technologien abzulenken.
    https://youtu.be/njj5Z7KzG60
    http://youtu.be/WzvpF6JR1cE

    Viel Spaß beim Anhören! Und lasst Euch die Realität nicht vermiesen!

    PS: Autoabgase sind gar nicht gesundheitsschädlich! - Dr. Benz/Geheimrat Porsche

  • Es ist faszinierend mit welcher Freude die ökosozialistischen Politiker an dem Ast sägen auf dem Sie und die Gesellschaft sitzt. Es ist auch faszinierend das sich die Menschen dies gefallen lassen.

    Die Autobranche ist die erfolgreichste Branche in Deutschland. Neben den Autobauern kann man die Zulieferer, einen Teil der Chemie, einen Teil des Maschinenbaus dazuzählen. Eine Schwächung der Autobranche hätte einen massiven Wohlstandsverlusts zur Folge.

    Die Ökoreligion hat zunächst Zukunftsbranchen wie die Kernenergie, Gentechnik bekämpft die für die Zukunsftsfähigkeit wichtig sind, jedoch nicht in das Leben der Menschen eingreifen. Mit dem Ökokult der Mülltrennung haben die Menschen erstmals einem aufwendigen Kult zugunsten der neuen Religion angenommen. Das Auto gibt Freiheit und Unabhängigkeit. Ein Verzicht auf Autos für Jedermann hätte eine massive Einschränkung und einen erheblichen Verlust von Lebensqualität zur Folge. Es ist faszinierend das sich die Menschen diese Schritte die letztlich zur Einschränkung der Mobilität führen gefallen lassen.

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