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Abgasskandal VW weist Bericht über Manipulation auch neuerer Diesel zurück

Gab es auch bei Motoren neuer Dieselfahrzeuge von Volkswagen Manipulationen? Konzern und Behörden weisen einen entsprechenden Bericht zurück.
Update: 12.09.2019 - 17:57 Uhr 1 Kommentar
Laut Bericht geht es um die VW-Motorreihe EA 288, den Nachfolger des Skandalmotors EA 189. Quelle: Bloomberg
Volkswagen-Stand auf der IAA

Laut Bericht geht es um die VW-Motorreihe EA 288, den Nachfolger des Skandalmotors EA 189.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Auf der Internationalen Automobilausstellung will Volkswagen eigentlich mit Zukunftsprojekten punkten. Doch tatsächlich werden diese Tage wieder von Dieselthemen überschattet. Erst musste sich VW-Chef Herbert Diess von einem Landrichter vorhalten lassen, eine Ladung zu einer Gerichtsverhandlung eines klagenden Kunden ignoriert zu haben.

Dann verhagelte am Donnerstag ein aktueller Bericht des SWR die Stimmung bei dem Autohersteller. „Abschalteinrichtung auch in neuen Motoren? Neue Manipulationsvorwürfe gegen VW“ titelte der öffentlich-rechtliche Sender. Fast alle Medien stiegen darauf ein – das Dementi des Autobauers ging in den Schlagzeilen fast unter.

Der SWR will Belege dafür gefunden haben, dass auch in neueren VW-Dieselmotoren mit Euro-6-Abgasnorm eine Software eingebaut ist, die erkennt, ob sich das Fahrzeug auf einem Prüfstand befindet. Die Software könne erkennen, ob gerade ein Abgastest durchgeführt wird.

Laut Bericht geht es um die VW-Motorreihe EA 288, den Nachfolger des Skandalmotors EA 189. Die Manipulationen dieses Selbstzünders kosteten den Konzern rund 30 Milliarden Euro und zogen umfangreiche Ermittlungen der Staatsanwaltschaften nach sich.

Bislang gibt es allerdings keine Beweise dafür, dass VW im Falle des EA 288 ähnliches Ungemach droht. Die Wolfsburger weisen die Verdächtigungen scharf zurück. „In den EA-288-Motoren kommt keine Umschaltlogik oder prüfstandsoptimierende Software zum Einsatz, die auf dem Prüfstand in einen abgasoptimierten Modus wechselt“, sagte ein Sprecher auf Nachfrage.

Das Gegenteil sei der Fall: Durch die verpflichtenden Applikationsrichtlinien habe VW sichergestellt, dass eine Nutzung von Fahrkurven im Testbetrieb nicht zur Einhaltung von Emissionsgrenzwerten verwendet wird. „In Bezug auf EA-288-Motoren liegt folglich auch kein Rückrufbescheid des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) wegen einer unzulässigen Abschalteinrichtung vor“, betonte der VW-Sprecher.

In den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft finden sich zum EA-288-Motor tatsächlich keine eindeutigen Hinweise auf den Einsatz einer illegalen Software, zumindest im Hinblick auf die in Europa verkauften Autos. Auch der Bericht einer Sonderkommission des Landeskriminalamts zum VW EA 288 von Mitte 2018 ist entlastend. Die Kommission befragte KBA-Mitarbeiter und VW-Manager und kam zu dem Schluss, dass zwar eine Abschalteinrichtung verbaut war, diese aber so gestaltet war, dass es keinen Unterschied gab zwischen Rolle und Straße. Aussagen von Beschuldigten stützen das.

Anders war die Situation in den USA. Dort kam offenbar auch im EA 288 in den Jahren nach 2012 nach amerikanischem Recht eine illegale Abschalteinrichtung zum Einsatz. Der Bußgeldbescheid der Staatsanwaltschaft Braunschweig sanktioniert ausdrücklich auch Verstöße beim Motor der neuen Generation. „Allen mit dem EA 189 und dessen Nachfolgeentwicklung in den USA, dem EA 288 (Gen3), ausgerüsteten Fahrzeugen ist gemeinsam, dass deren Motorsteuerung erkennen kann, ob eine bestimmte, in der Software hinterlegte Fahrkurve abgefahren wird, und das Abgasverhalten der Fahrzeuge entsprechend anpasst“, heißt es in dem Bescheid. Eine Milliarde Euro Bußgeld und Vermögensabschöpfung zahlte VW für die Verfehlungen.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig erklärte, den Sachverhalt bezüglich des EA 288 zu prüfen. Inzwischen gibt es auch zahlreiche Zivilverfahren in der Sache. Nach VW-Zählung haben rund 650 Kunden in Deutschland gegen VW und einige Händler wegen des EA-288-Motors geklagt. Einer der umtriebigsten Vertreter von Dieselklägern ist Marco Rogert. Der Anwalt vertritt den Bundesverband der Verbraucherzentralen in der Musterfeststellungsklage im Fall des EA 189. Er hat bereits einige Hundert Mandate wegen des EA 288. Ob sich hier auch eine Musterklage eignet? „Ja, ohne Weiteres“, sagt Rogert.

Mehr: VW-Chef Herbert Diess könnte, wie auch Aufsichtsratschef Pötsch und Ex-Chef Winterkorn, die Anleger zu spät über den Abgasbetrug und seine Folgen informiert haben. Staatsanwälte entscheiden bald über eine Anklage.

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  • Geschickt, das Ganze zur IAA zu plazieren! Da findet es noch mehr Gehör. Hat VW trotz Dementis nicht nochmals manipuliert? Oder ist das einfach Auslegung der gesetzlichen Vorschriften? Auf jeden Fall neigt man dazu, VW nichts mehr zu glauben!

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