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Absatzflaute Autobranche im Abwärtssog

Gewinnwarnungen bei Daimler und Conti, Massenentlassungen bei Nissan: Die Autobranche steht vor schweren Zeiten. Nur einer kann sich dem Trend noch entziehen.
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Das Geschäft der Branche schwächelt weltweit. Quelle: Bloomberg
Autos werden in Bremerhaven verladen

Das Geschäft der Branche schwächelt weltweit.

(Foto: Bloomberg)

München, Frankfurt Die vergangenen Monate liefen nicht gut für die Autoindustrie. Nach BMW und Daimler kassierte diese Woche auch noch der Zulieferer Continental seine Gewinnprognosen für 2019. Dann meldete Ford einen massiven Gewinneinbruch. Und schließlich kündigte Nissan an, weltweit 12.500 Stellen streichen zu wollen.

Zu Beginn des Jahres hatten die Firmen noch mit einem stabilen Automarkt gerechnet, jetzt sind die Hoffnungen dahin. Die Analysehäuser ISI Evercore und Center of Automotive Management (CAM) gehen davon aus, dass die globalen Verkäufe um fünf Prozent sinken werden. Das wäre der stärkste Rückgang seit Ausbruch der Finanzkrise.

„Angesichts des Markttrends dürften Hersteller und Zulieferer Sparprogramme einleiten“, sagte CAM-Experte Stefan Bratzel. Dahinter stecken politische Ursachen: Handelskonflikte und Brexit dämpfen die Stimmung, zudem lahmt die chinesische Konjunktur. Der europäische Autoverband Acea geht mittlerweile auch in Europa von einem leichten Rückgang der Verkäufe aus.

Gegen den Trend meldet der VW-Konzern gute Zahlen. Die Wolfsburger haben sich im Jahr vier nach dem Dieselskandal erholt. Im ersten Halbjahr stieg der Betriebsgewinn um zehn Prozent auf rund neun Milliarden Euro. VW-Chef Herbert Diess hat schneller als die Konkurrenten die Kosten gesenkt und die Modellpalette angepasst. VW baut jetzt mehr Geländewagen, die profitabler sind als Limousinen.

„Der Volkswagen-Konzern hat sich im ersten Halbjahr in einem sich insgesamt abschwächenden Gesamtmarkt sehr gut geschlagen“, sagte Finanzvorstand Frank Witter, der eine neue, ungewohnte Rolle gefunden hat. Während seine Kollegen derzeit reihenweise die Prognosen reißen, muss sich der VW-Finanzchef für seinen konservativen Ausblick rechtfertigen. „Es gibt keinen Grund, die Prognose zu erhöhen“, kühlte Witter am Donnerstag die Erwartungen der Analysten.

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Zuvor hat er das stärkste VW-Halbjahr seit Jahren verkündet mit einem Betriebsergebnis, das um rund zehn Prozent über dem Vorjahr liegt. Die guten Zahlen unterstützen VW beim Start in die Elektromobilität. Der weltweite Absatzrückgang bleibt aber auch für VW eine Herausforderung.

Deswegen bleibt Witter vorsichtig: Der Handelsstreit mit den USA, die schlingernde Konjunktur in China und die Aussicht auf einen harten Brexit bergen noch große Risiken für Volkswagen und die gesamte Branche.

Volkswagen hat sich aus seiner misslichen Lage befreit. Vier Jahre ist es nun her, dass der Konzern wegen der millionenfachen Manipulation an Dieselmotoren in eine schwere Krise gerutscht ist. Die Kosten für die Aufarbeitung der Affäre liegen inzwischen bei rund 30 Milliarden Euro. Die Angelegenheit ist nach wie vor eine schwere Bürde für den Konzern mit seinen zwölf Marken und 660.000 Mitarbeitern.

Aber die Dieselaffäre hat auch dazu geführt, dass Volkswagen schneller als mancher Konkurrent seine Strukturen änderte, Kosten kappte und in die Zukunft investiert. Unter dem Druck der Politik und Strafermittler ist Volkswagen Vorreiter in der Transformation der Autoindustrie und deutlich profitabler als vor der Krise.

VW-Chef Herbert Diess hat in Deutschland den Abbau von über 20.000 Stellen durchgesetzt, Produktion und Verwaltung verschlankt. Das bisherige Produktportfolio wurde entrümpelt und um sportliche Geländewagen erweitert. Für die Klimabilanz sind diese Verkäufe zwar ein Desaster, die schweren SUVs stoßen mehr Kohlendioxid aus als vergleichbare Limousinen. Aber die Geländewagen machen Volkswagen hochprofitabel: Der Konzern hat im ersten Halbjahr im Autogeschäft einen Netto-Cashflow von 6,9 Milliarden Euro eingefahren.

„Das ist fast doppelt so viel, wie Daimler und BMW zusammen voraussichtlich im gesamten Jahr 2019 auf die Waage bringen werden“, schätzt Arndt Ellinghorst von Investmentberater Evercore ISI. VW sei momentan der einzige Autohersteller, der den Ausblick hätte erhöhen können. Es ist immer wieder erstaunlich, was VW in einem solchen Umfeld schafft!!“, schrieb Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler an Reuters. Der steigende SUV-Absatz soll VW weiter tragen. Der Anteil der Geländewagen am Gesamtabsatz soll innerhalb dieses Jahres von 25 auf 35 Prozent steigen, wie Finanzvorstand Witter sagte.

Ende kommenden Jahres dürften 40 Prozent der verkauften Fahrzeuge Offroader sein. Da die SUVs besser ausgestattet sind als herkömmliche Autos, verdient Volkswagen mit weniger Absatz mehr Geld. Der Umsatz kletterte daher im ersten Halbjahr um fünf Prozent auf 125 Milliarden Euro, obwohl die Verkäufe von Neufahrzeugen um 2,8 Prozent fielen. Der SUV-Boom ist Volkswagens Rückversicherung gegen die Krise, die sich immer deutlicher durch die Branche frisst.

China macht die Branche nervös

Das gilt vor allem für China, dem weltgrößten Automarkt. Die Verkäufe sind seit zwölf Monaten rückläufig, lediglich im Juni zogen sie wieder leicht an. Insgesamt dürfte der Absatz in China in diesem Jahr um sechs Prozent zurückgehen, weltweit rechnen Analysten mit einem Minus bei vier Prozent im Absatz und fünf Prozent in der Produktion. Hinzu kommen die von den USA angezettelten Handelskonflikte mit Japan, China und der EU. In Europa drückt vor allem der bevorstehende harte Brexit auf die Stimmung.

Der Zulieferer Continental hatte daher bereits seine Prognose für das laufende Jahr kassieren müssen. Mit Verweis auf die Abschwächung der Nachfrage in China rechnet der weltweit zweitgrößte Autozulieferer für das Jahr 2019 mit einem Produktionsrückgang bei Pkws und leichten Nutzfahrzeugen von rund fünf Prozent. Umsatz und Gewinn würden bei dem Hannoveraner Unternehmen schwächer als zuvor gedacht ausfallen. Continental steht mit seiner Gewinnwarnung nicht allein da: Auch Schaeffler, Bosch und Mahle haben sich zurückhaltend über den weiteren Jahresverlauf ausgelassen.

Wie begründet diese Sorgen sind, zeigte sich an den Bilanzen der Autoproduzenten. Daimler, der weltweit größte Hersteller von Premiumfahrzeugen und Lkw, musste bereits drei Mal in diesem Jahr seine Prognose kassieren. Neben einer schwächeren Nachfrage macht den Schwaben aber die eigene Abgasaffäre und andere juristische Auseinandersetzungen zu schaffen. Der erste öffentliche Auftritt von Vorstandschef Ola Källenius stand daher unter keinem guten Stern. Kosten für die Nachwirkungen der Dieselaffäre und Produktionsprobleme drückten Daimler im zweiten Quartal mit 1,6 Milliarden Euro ins Minus. Verantwortlich ist dafür aber auch ein schwächerer Absatz. Dieser fiel um drei Prozent.

Für das Gesamtjahr rechnet Källenius zwar mit einem Gewinn deutlich unter dem Vorjahreswert. Allerdings versprach er, dass Daimler die Absatzschwäche aus dem ersten Halbjahr wird ausgleichen können. Die Verkäufe sollen sich auf dem Niveau von 2018 halten – was nur bei einem ordentlichen Verkaufsschub im weiteren Jahresverlauf gelingen kann.

Die deutschen Automobilbauer sind nicht die einzigen, die von der Branchenflaute gepackt wurden. Chinas Vorzeigekonzern Geely kam wegen schwacher Absatzzahlen heftig unter die Räder. Auch Renault, Nissan und Ford leiden unter der Flaute.

Handelskonflikt belastet
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2 Kommentare zu "Absatzflaute: Autobranche im Abwärtssog"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • In dem Artikel fehlt eine wesentliche Komponente des Halbjahresberichts von VW. Der Halbjahresbericht ist 64 Seiten lang. In wenigen Sätzen auf Seite 22 erläutert VW, dass sie 6,5 Milliarden für Pensionsrückstellungen bilden mussten. Diese 6,5 Milliarden (Seite 28 im Bericht) tauchen allerdings nicht in der GuV auf. Am Ende führt dies dazu, dass trotz des gigantischen Gewinns das Eigenkapital deutlich geringer gestiegen. Seite 35 zeigt, dass das Eigenkapital von 117,3 auf 118,6 Milliarden gestiegen ist. Ok, die Dividendenauszahlung (2,4 Milliarden) spiegelt sich natürlich hier auch wieder.

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