Abspaltung der Stahlsparte: Thyssen-Krupp: Scharfe Kritik auf der Sondersitzung
Die Vorstandsvorsitzende kommentierte die Kritik an ihrem Kurs bisher nur intern.
Foto: IMAGO/sepp spieglDüsseldorf. Auf der Aufsichtsratssitzung beim Industriekonzern Thyssen-Krupp hat es kräftig geknallt. Sowohl Vertreter der Arbeitnehmerseite wie auch der Kapitalseite sollen den Vorstand um die Vorsitzende Martina Merz scharf kritisiert haben. Das berichteten Teilnehmer nach dem Treffen am Freitag dem Handelsblatt. Der Grund: Aus Sicht der Aufseher hat Merz für die geplante Abspaltung der Stahlsparte bisher kein schlüssiges Konzept vorgelegt.
Genau das hatten die Aufsichtsräte aber bereits im November gefordert – Merz hätte an diesem Freitag liefern müssen, wie es in Konzernkreisen hieß. Doch statt konkreter Pläne für die Hüttensparte mit rund 26.000 Mitarbeitern, sei den Aufsehern ein Bündel möglicher Investitionsszenarien vorgestellt worden. „Überzeugt hat uns das nicht“, sagte ein Kontrolleur.
Die Teilnehmenden seien erneut damit vertröstet worden, dass die Entwicklung des unsicheren Marktumfelds abzuwarten sei. Zudem erschwerten es unklare Rahmenbedingungen für die grüne Transformation, eine Entscheidung über die neue Strategie zu treffen.
Der Konzern sucht seit der Fusion von Krupp und Thyssen im Jahr 1999 nach Wegen, um sich aus dem Stahl zurückziehen zu können. Ein Börsengang, eine Fusion oder ein Verkauf scheiterten aber. Merz nahm die Überlegungen im vergangenen Jahr wieder auf.
Die Gewerkschaft IG Metall kritisierte jetzt die Strategie der Vorstandsvorsitzenden insgesamt: „Das Konzept der Group of Companies ist für uns gescheitert!“, heißt es in einem Schreiben an die Beschäftigen, das dem Handelsblatt vorliegt.
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Das Unternehmen sei nicht in der Lage, die Zukunftsperspektiven für all seine Geschäfte zu verwirklichen – es fehle ein Gesamtkonzept. Mit dem Ansatz von Merz agieren die einzelnen Einheiten unter dem Dach von Thyssen-Krupp.
Einige Aufsichtsräte und Manager teilen die Kritik. Daraus folgt auch der Widerstand gegen eine Ablösung des Stahlgeschäfts: Es fehle einfach die Perspektive, zudem bleibe der Vorgang intransparent, hieß es in Konzernkreisen.
Gespräche mit Finanzinvestor CVC zum Erliegen gekommen
Namen möglicher Bieter soll der Vorstand auf der Aufsichtsratssitzung laut Teilnehmern nicht genannt haben. Weder Investoren noch bietende Unternehmen seien thematisiert worden. In Finanzkreisen heißt es derweil, dass Gespräche mit dem Finanzinvestor CVC zum Erliegen gekommen sind.
Auch deshalb dürfte sich der Vorstand mit der Entwicklung von Plänen schwertun: Es fehlen die Interessenten. Der Stahlkonzern Jindal aus Indien wie auch das lateinamerikanische Unternehmen Ternium seien eher nicht interessiert. Denkbar sei ein Angebot des brasilianischen Herstellers CSN. Doch wie Beteiligte berichten, würde CSN die Produktion verlagern und nur die Weiterverarbeitung des Stahls in Duisburg belassen.
Das ist keine Lösung, die mit der Arbeitnehmerseite zu vereinbaren wäre, wie aus Aufsichtsratskreisen bereits signalisiert wird: „Solange der Weg nicht klar aufgezeigt wird, werden wir keinen Blankoscheck ausstellen“, heißt es: „Wir verschließen uns keiner vernünftigen Lösung, solange klar ist, dass die Arbeitsplätze gesichert sind und eine Wertschöpfungskette in Deutschland erhalten werden kann.“
Gegenüber den Mitarbeitern demonstrieren die Vorstandsvorsitzende Merz und Aufsichtsratschef Siegfried Russwurm allerdings Einigkeit. In einem gemeinsamen Interview, das nach der Aufsichtsratssitzung an die Belegschaft verschickt wurde und das dem Handelsblatt vorliegt, wird Russwurm so zitiert: „Beschlüsse mit neuer Ausrichtung hat es nicht gegeben, das war aber auch nicht das Ziel.“ Merz kündigt in diesem Interview genauere Pläne an: „Wir arbeiten daran, im Mai die eine oder andere konkrete Richtungsentscheidung empfehlen zu können.“ Überall dort, wo mit möglichen Partnern gesprochen werde, habe man das aber nicht allein in der Hand.
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Den Ärger bei der IG Metall besänftigt das nicht: „Seit letztem Herbst hat sich nichts bewegt und es ist wieder unnötig Zeit verloren gegangen“, heißt es in deren Schreiben. „Das ist nicht akzeptabel!“