Actelion nimmt ZS Pharma im Visier Biotech-Firma will US-Rivalen übernehmen

Der Pharmabranche steht womöglich eine weitere Milliardenfusion bevor: Die Schweizer Biotechnologiefirma Actelion und US-Konkurrent ZS Pharma bestätigen bereits erste Gespräche. ZS Pharma-Aktien profitieren kräftig.
Die Schweizer Biotechnologiefirma Actelion und US-Rivalen ZS Pharma verhandeln über eine mögliche Fusion. Quelle: Reuters
Mögliche Milliardenfusion in der Pharmabranche

Die Schweizer Biotechnologiefirma Actelion und US-Rivalen ZS Pharma verhandeln über eine mögliche Fusion.

(Foto: Reuters)

Die Schweizer Biotechnologiefirma Actelion hat ein Auge auf den US-Rivalen ZS Pharma geworfen. Beide Unternehmen bestätigten in der Nacht auf Freitag Gespräche über eine mögliche Transaktion, wollten sich zum Inhalt der Verhandlungen allerdings nicht äußern. Dass die Schweizer die kalifornische Firma kaufen wollen, wollte Actelion-Sprecher Andrew Weiss nicht bestätigen. Die Agentur Bloomberg hatte zuvor berichtete, Actelion habe ZS Pharma im August ein Übernahmeangebot im Wert von 2,5 Milliarden Dollar unterbreitet.

Die Schweizer, die stark abhängig von Medikamenten zur Behandlung von Bluthochdruck im Lungenkreislauf (PAH) sind, schauen sich schon seit geraumer Zeit nach Zukäufen um. Bereits früher wurden Ziele genauer unter die Lupe genommen, die zu zahlenden Kaufpreise waren laut Actelion-Chef Jean-Paul Clozel letztlich aber nicht zu rechtfertigen.

ZS Pharma ist an der Börse knapp zwei Milliarden Dollar wert. Actelion ist rund achtmal größer. Das Unternehmen aus San Mateo in Kalifornien entwickelt eine Arznei zur Behandlung von erhöhtem Kaliumspiegeln im Blut infolge Nierenversagens oder als Nebenwirkung von Medikamenten. Diese sogenannte Hyperkaliämie kann zu Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall zum Herz-Kreislauf-Stillstand führen.

Die größten Deals in der Pharma-Branche
Platz 9 – Roche für Genentech – 47 Milliarden Dollar (2008)
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Das Schweizer Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche sicherte sich 2008 für 46,7 Milliarden Dollar die amerikanische Biotech-Firma Genentech. Die Übernahme gilt als Glückgriff, da Roche als weltweit führender Produzent von Krebsmedikamenten von der Genforschung Genentechs profitiert. Roches bekanntes Vogelgrippe-Medikament Tamiflu (hier im Bild) hingegen stand mehrfach in der Kritik. Der Schweizer Konzern soll Studien zur Wirksamkeit des Medikaments manipuliert haben.

Platz 8 – Pfizer für Pharmacia – 61 Milliarden Dollar (2002)
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Pfizer zum Ersten: 60,7 Milliarden Dollar in Aktien ließ sich der US-Pharmakonzern im Jahr 2002 die Übernahme des schwedischen Unternehmens Pharmacia kosten. Da nach der Fusion das Haarwuchsmittel Rogaine und die Potenzpille Viagra von einem Unternehmen hergestellt wurden, scherzte der damalige Pfizer-Chef Hank McKinnell (l.): „Rogaine und Viagra zusammen, was kann sich ein Mann mehr wünschen“.

Platz 7 – Pfizer für Wyeth – 65 Milliarden Euro (2009)
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Pfizer zum Zweiten: Rund 64,5 Milliarden Dollar bezahlten die New Yorker für Wyeth, das zum Zeitpunkt des Kaufs ebenfalls zu den zehn größten Pharmaunternehmen der Welt zählte. Mit der Übernahme baute Pfizer sein Portfolio aus, vor allem in Richtung Impfstoffe und Biotechnologie.

Platz 6 – Sanofi für Aventis – 65,6 Milliarden Dollar (2004)
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Nur auf dem Papier eine Fusion unter Gleichen: Für gut 65,6 Milliarden Dollar übernimmt der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo das deutsch-französische Unternehmen Aventis. Es entsteht Sanofi-Aventis, der größte Medizinhersteller Europas. Die Fusion gilt als kurios, da Sanofi-Synthélabo vor der Übernahme deutlich kleiner als Aventis war. Später legte der Konzern mit Sitz in Paris den Beinamen Aventis wieder ab. Sanofi ist heute Weltmarktführer für Impfstoffe.

Platz 5 – Actavis für Allergan – 66 Milliarden Dollar (2014)
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Lange hatte sich der Botox-Hersteller Allergan gegen eine Übernahme durch den kanadischen Wettbewerber Valeant gewehrt. Dann schlug die Stunde von Actavis: Der amerikanische Branchenriese und Allergan einigten sich auf den Deal. Allergan wehrte dadurch die feindliche Übernahme durch Valeant ab. Für Actavis war der Zukauf ein Kraftakt, der Konzern war selbst kaum größer als sein Übernahmeziel.

Platz 4 – Abbott Laboratories spaltet sich auf – 67 Milliarden Dollar (2011)
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Das amerikanische Pharmaunternehmen Abbott Laboratories spaltete rund 66,6 Milliarden Dollar seines Kapitals in Aktien ab und lagert es zunächst in eine Tochtergesellschaft aus. Die Medizintechnik und Generikaproduktion wurde unter dem Namen „Abbott“ weitergeführt, die Sparten Spezialmedikamente und Biotechnologie hingegen unter dem neuen Namen „AbbVie“ ausgegliedert. Auch Abbotts Flaggschiff, das Arthritis-Medikament Humira, ging auf die neue Gesellschaft über. Im Januar 2013 wurde AbbVie schließlich komplett in die Unabhängigkeit entlassen und wird seitdem an der Wall Street unter dem Kürzel „ABBV“ gelistet.

Platz 3 – American Home Products für Warner-Lambert I – 76 Milliarden Dollar (1999)
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Rund 75,5 Milliarden Dollar betrug das Volumen bei der freundlichen Übernahme des amerikanischen Hygienekonzerns Warner-Lambert durch American Home Products (AHP). Dem Hygienekonzern gehörten seinerzeit unter anderem die Marken Wilkinson Sword und Listerine. Doch AHP überhob sich: Als der Deal schon als perfekt galt, betrat US-Branchenriese Pfizer die Bühne. Er unterbreitete den Aktionären von Warner-Lambert seinerseits ein feindliches Übernahmeangebot – und erhielt den Zuschlag. Eine Strafzahlung von 1,8 Milliarden Dollar von Pfizer versüßte AHP die Niederlage aber zumindest etwas.

In der Pharmabranche herrscht derzeit ein Kaufrausch, Actelion selbst wird als Übernahmekandidat gehandelt . Mit einem Plus von 15 Prozent gehört Actelion zu den Schweizer Bluechips mit der besten Kursentwicklung in diesem Jahr. Am Freitag gaben die Anteile vier Prozent nach, die Papiere von ZS Pharma schossen 28 Prozent in die Höhe.

  • rtr
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