ADAC-Skandal Die auffällige Ahnungslosigkeit der Autokonzerne

BMW, Daimler und VW empören sich über die Manipulationen beim ADAC-Autopreis Gelber Engel und wollen die Auszeichnung sogar zurückgeben. Dabei haben die Branchenriesen jahrelang alle Anzeichen ignoriert.
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BMW, Volkswagen und Daimler sind Seriensieger beim Autopreis „Gelber Engel“ und schieben die Verantwortung nun auf den ADAC ab. Quelle: Getty Images

BMW, Volkswagen und Daimler sind Seriensieger beim Autopreis „Gelber Engel“ und schieben die Verantwortung nun auf den ADAC ab.

(Foto: Getty Images)

Düsseldorf Der ADAC soll nicht nur Abstimmungsergebnisse, sondern auch die Rangliste beim Autopreis „Gelber Engel“ manipuliert haben. Das meldet die „Süddeutsche Zeitung“. Bei den Autoherstellern empört man sich umgehend über die neuen Erkenntnisse. „Wenn das stimmt, schicken wir dem ADAC eine ganze Wagenladung Preise zurück“, wird ein VW-Sprecher zitiert. „Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, geben wir alle 'Gelben Engel' umgehend zurück“, kündigte ein BMW-Sprecher in der der „Bild“-Zeitung an. Fast wortgleich äußerte sich auch Daimler.

Die Empörung über den gefallenen Gelben Engel wirkt scheinheilig. Denn die jahrelangen Auffälligkeiten beim Autopreis zu ihren Gunsten wurden von den deutschen Größen der Branche jahrelang ignoriert und werbeträchtig ausgeschlachtet.

Dabei wäre Skepsis schon vorher angebracht gewesen: Seit fünf Jahren wechseln sich bei der Wahl zum angeblichen Lieblingsauto der Deutschen nur drei Hersteller ab - VW, BMW und Mercedes. Ausländische Hersteller und Importmarken sucht man vergeblich. Nun könnten diese Platzierung mit der großen Bedeutung der Hersteller auf ihrem Heimatmarkt zusammenhängen, doch mehrere Modelle eines Herstellers standen selten gemeinsam auf dem Treppchen. Und der Sieger kam im stetigen Wechsel aus der Modellpalette der drei großen deutschen Autokonzerne. 2010 gewann Mercedes mit der E-Klasse, 2011 BMW mit dem 1er, dann 2012 die VW-Tochter Audi mit dem Q3, 2013 die A-Klasse von Mercedes und 2014 der Golf von VW. 

Schon vor zwei Jahren galt der Audi Q3 als fragwürdige Wahl: Im Jahr 2012, als er zum Lieblingsauto gekürt wurde – wurden vom Mittelklasse-Geländewagen aus Ingolstadt in Deutschland gerade einmal 2.900 Exemplare verkauft, das reichte für Platz 169 in der Zulassungsstatistik. Bei der Wahl erhielt er trotzdem die Mehrheit der 330.000 abgegebenen Stimmen und verdrängte auch Sportwagen wie den Mercedes SLK und Verkaufsschlager wie den 1er BMW auf die Plätze.

Für Audi-Chef Rupert Stadler war das damals „ein wunderschöner Beweis für gute Leistung“. Ihn freue, sagte er bei der Verleihung, dass es die Leser seien, die den Q3 zum Lieblingsauto gemacht hätten. Bei der Leserwahl der Fachzeitschrift „Auto Motor und Sport“ im gleichen Jahr landete der Q3 allerdings nicht mal unter den ersten zehn.

Im Jahr 2013 sorgte die Auszeichnung sogar für einen kleinen Eklat. Obwohl die neue A-Klasse von Mercedes in der Zulassungsstatistik mit rund 32.000 verkauften Fahrzeugen in Deutschland nur Platz 25 belegte, wurde sie mit dem „Gelben Engel“ zum Lieblingsauto der Deutschen gekürt. Die Volkswagen-Führung blieb der Preisverleihung demonstrativ fern, sie hatte mit einer Auszeichnung für den Golf gerechnet. Ein merkwürdiges Verhalten – immerhin soll der Sieger damals gewählt und nicht vom ADAC ernannt worden sein.

„Ein wenig durchdringbares System“
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5 Kommentare zu "ADAC-Skandal: Die auffällige Ahnungslosigkeit der Autokonzerne"

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  • Warum sollte der ADAC irgendwelche Zahlen überhaupt schönen? Die Platzierungen ihrer Fahrzeuge werden sich die Autokonzerne wohl erkauft haben. Lustig, wenn die jetzt alle ihre Preise zurückschicken wollen. Wieso denn? Die haben doch für diese Preise bezahlt. Die gespielte Empörung ist sowas von lustig. Ist natürlich blöd für die Autokonzerne, dass diese Art PR so billig aufgeflogen ist. VW, BMW und Mercedes sind höchstens über die Dummheit des ADACs empört, dass die noch nicht mal fähig sind, die Deals mit den Autokonzernen geheim zu halten. Viel schlimmer für die Autokonzerne als der angebliche Vertrauensbruch zum angeblich unabhängigen ADAC ist doch die Tatsache, dass diese Art Werbung jetzt erstmal wegfällt. Das VW-Blatt "AutoBLÖD" kommt jetzt bestimmt auch ins Grübeln. Seit 100 Jahren gewinnt VW jeden Test in diesem Wolfsburger Verlagsblatt. Wenn sich jetzt die Verkaufszahlen der VW-Fahrzeuge an der tatsächlichen Qualität anpassen und nicht an den geschönten Tests, dann wird man den gekauften und getreuen Zeitschriften aber noch lange nachtrauern.

  • Die Konzerne und die Medien sollen doch nicht so scheinheilig tun. Alle bekommen für ihre "Tests" ganz Extra vorbereitete Autos, Handverlesen und genauestens vorbereitet, also nich das was der Käufer im Laden kriegt.
    Die Autotester weden dazu von den Konzernen zu den Events eingeladen und fürstlich ausgehalten. Das will man sich nicht verscherzen.

  • Ein sehr treffender Artikel.

    Im übrigen ist auch die Wahl in einzelnen Kategorien recht merkwürdig: Da wird bei der Wahl 2014 der Smart und VW Up auf´s Treppchen gehievt. Nichts gegen diese beiden Wagen. Merkwürdig allein ist, dass beide in der Elektoversion gewannen. Das aber steht in keinem Verhältnis zur KBA-Zulassungsstatistik. Nun erhebt sich die Frage, wie viele Teilnehmer haben denn die beiden Elektroversionen gewählt ?

  • Welchen aufgeklärten Verbraucher interessieren irgenwelche Testberichte von ADAC, Auto-Motor-Sport, Autobild oder irgendeiner Autozeitschrift.

    Schauen Sie sich nur die Cover beim Zeitschriftenhändler an.
    Bei einigen Titel denkt man, dass ist die Werkzeitung von VW, Audi oder welchem deutschen Hersteller auch immer.

    Kein Wort darüber, das Toyota, Kia, Hyundai und Co mittlerweile im unteren Marktsegment auf die Überholspur gehen.

  • Also bei der A-Klasse kann ich mir das aber schon vorstellen, dass die ADAC-Mitglieder bzw. Leser der Zeitschrift dieses Fahrzeug vorziehen.

    Mercedes baut Fahrzeuge für ältere Menschen. Die A-Klasse hat meiner Meinung nach die Klientel der Älteren sehr deutlich im Auge mit dieser Mischung aus Barocken Linien etwas Jung gemachtem Design.

    ADAC-Leser, schätze ich, sind wahrscheinlich ältere Herrschaften.

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