Adidas im Shitstorm Der rassistische Turnschuh

Vom Style-Objekt zum „Sklaven-Schuh“: Adidas hat in den USA einen Skandal ausgelöst – wegen eines neuen Modells, das an die Unterdrückung der Schwarzen erinnert. Der Konzern entschuldigte sich und zog eilig Konsequenzen.
23 Kommentare
Eines der wenigen Fotos, das im Netz noch verfügbar ist.

Eines der wenigen Fotos, das im Netz noch verfügbar ist.

WashingtonAußerhalb Amerikas würden sich Menschen wohl vor allem folgende Frage stellen: Warum in aller Welt braucht ein Turnschuh eine Kette, mit der man ihn am Schienbein festbinden muss? Fliegt er sonst weg? Geschichtsbewusste Amerikaner stellen sich dagegen eine viel größere und ernstere Frage: Kann ein Turnschuh rassistisch sein?

Ja, lautet die Antwort, und sie hat dem Sportartikelhersteller Adidas in den USA ein PR-Debakel sondergleichen eingebrockt. Die Zutaten: ein deutscher Weltkonzern, ein irrlichternder Designer, ein dunkles Kapitel der US-Geschichte und eine hyper-erregbare Internet-Öffentlichkeit.

Es geht um das neue Turnschuh-Modell „JS Roundhouse Mid“ – lila Ungetüme mit einem Zusatzaccessoire: orangefarbene Plastik-Fußketten. Entworfen hat den Sneaker der angesagte US-Designer Jeremy Scott, und Adidas wollte das Modell im August auf den US-Markt bringen. „Verschärfe deinen Style“, hatten die Deutschen am Donnerstag vergangener Woche auf der Facebook-Seite geworben, „mit Sneakers so heiß, dass man sie am Knöchel festbinden muss“.

Das Problem: Die Ketten ähneln fatal den Fußfesseln, mit denen in den USA früher Sklaven unterjocht wurden. Und so dauerte es nicht lange, bis sich Internet-Nutzer empörten und das Ganze von Tag zu Tag zu einem Shitstorm anwuchs. „Dumme Deutsche! Schaut in eure Vergangenheit“, schrieb eine Nutzerin auf der Facebook-Seite des Konzerns. „Ich werde nie wieder Adidas-Schuhe kaufen“, kündigte ein anderer an. Wieder einer schimpfte: „Ihr habt mein Bild von eurem Konzern komplett umgedreht. Ihr macht Euch Rassismus, Hass, Unterdrückung und das Böse zu eigen“.

Plötzlich folgte der totale Rückzug
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23 Kommentare zu "Adidas im Shitstorm : Der rassistische Turnschuh"

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  • Hallo,

    den Fall des rassistischen Turnschuhs habe ich auch in meinem Beitrag zu Auslösern von Shitstorms aufgenommen. In dem Beitrag geht es darum, wie der Verstoß gegen gesellschaftliche Werte zu Shitstorms führen kann. Dieser Fall von Adidas ist besonders interessant, weil er zeigt, dass globale Player sich dringend mit den Werten der Länder auseinandersetzen müssen, in die sie expandieren. Dass ein deutsches Unternehmen die Krux von Fußfesseln bei einer afroamerikanischen Zielgruppe unterschätzt, ist leider ein Negativbeispiel hierfür.

    Mein Artikel ist unter den folgenden Links verfügbar. Über kritische Kommentare, Likes und Shares würde ich mich freuen!
    https://www.facebook.com/ShitstormSchnueffler/posts/300635360036109
    http://bit.ly/shitstorm_ursachen

    Viele Grüße aus Münster

  • naja, wenn man das hier sich genauer anschaut kommt das selbe bei raus.. http://www.youjizz.com/videos/i-lost-my-dick-in-doris-2203336.html .. naja muss jeder selber wissen wie er mit dem medium umgeht. lg

  • ich glaube es nicht... gibt es nichts interessanteres zu berichten ?? die amis müssten beim thema rassismus eigentlich verschämt auf den boden blicken... wie spiessig muss man sein, wegen einem designersneaker ne welle zu machen ?
    wieviele menschen sterben, weil die amis mit deutschen waffen in der welt rumbomben ?? da sagt keiner von denen nazideutsche ;)
    abgesehen davon, finde ich den schuh eigentlich echt geil, würde ihn mir zwar nicht kaufen, weil ich diese fussfessel eher als lästig empfinden würde, aber so als gag hat er auf jeden fall was an sich... ich wäre nie auf den gedanken der parallele zur sklavenhaltung gekommen... sowas können nur dumme amis...

  • Adidas hätte damit werben sollen, dass diese Schuhe 'Low Fat' oder '100% Fat Free' sind. Dann hätten ihnen 100 Millionen massiv übergewichtige und unterbelichtete Amerikaner die Dinger sofort abgekauft.

    So aber verursacht jedes Lüftchen, das subfontanell schlecht möblierte amerikanische Durchschnittsblogger ablassen in deutschen Medien für einen künstlich erzeugten Orkan.
    Mein Tip: Ball flach halten, entspannt bleiben und nicht alles immer so ernst nehmen.

  • Liebe Handelsblattredakteure,
    Ohne Euch und Euresgleichen hätte niemand in Deutschland etwas davon erfahren. Warum füllt Ihr Eure Seite mit solchen Nichtereignissen? Gibt es so viele Leser, die Eure Seite nur deshalb besuchen, weil Ihr wie andere Medien auch von Zeit zu Zeit solche Nichtereignisse publiziert? Ist unser Leben schon so langweilig, das wir solche Skandälchen brauchen? Ich weiss es nicht?
    Der Skandal existiert wohl mehr in den Köpfen einiger überdrehter (US)Teenager, die nun ein historisches Vorbild aus der eigenen finsteren Geschichte der US Gesellschaft mit einem angesagten Turnschuh wie auch immmer in Verbindung bringen. Der Schuh wurde, wie zitiert, von einem US Designer(!) entworfen, von adidas vertrieben und garantiert in Asien gefertigt. Müssen sich jetzt Chinesische Lohnfertiger auch öffentlich entschuldigen??
    Mal im Ernst, nur wenn Ihr darüber berichtet und die Begriffe "Rassismus und Skandal" gleich als Überschrift verwendet ist es auch einer. Die viel zitierte öffentliche Meinung ist doch nie die Meinung einer Mehrheit gewesen, sondern eher die in der Presse als Endlosschleife wiederholte Darstellung eines Ereignisses. Sie ist vielmehr das Produkt des in den Medien vorherschenden (Meinungs)Konsens, also m.E. das Spiegelbild der Bericht erstattenden Redakteure.
    Grüße, H.Northoff

  • Ich bin gerade in den USA und muss wieder einmal erleben, dass dies eines der rassistischsten Länder dieser Erde ist. Wir sollten uns nicht so aufregen und dem ganzen. Icht solch einen großen Wert beimessen. Solange selbst in den noblen Country Clubs in den Nordstaaten keine Afro-Amerikaner aufnahme finden, sollten wir was Rassismuskritik aus diesem Land angeht sehr antspannt bleiben. Wie heißt es doch so schön: Wer mit dem Zeigefinger auf andere zeigt, zeigt mit drei Fingern auf sich selbst! Über den angeblichen Adidas-Skandal habe ich erst durch das Handelsblatt erfahren. Ich schätze mal, dass 240 Millionen Amerikaner davon nicht mal was gehört haben und auch in den Medien gibt es so gut wie keine Berichte darüber.

    Kleiner 'Spaß' am Rande: Dier Amerikanische Golfhersteller Cleveland stellt derzeit einen Golfschläger her, einen sogenannten Driver, der die Bezeichnung 'Black Driver' hat. Also nimmt jeder, der diesen Schläger spielt seinen 'schwarzen Fahrer' mit auf den Golfplatz und kann danach auch noch von sich sagen, dass er ihn auf der letzten Golfrunde 14 mal geschlagen hat! Komischerweise hat sich bis heute darüber in den USA niemand bisher beschwert.

  • Ich empfehle, unbedingt noch schnell ein Dutzend dieser Schuhe zu kaufen.

    Die werden irgendwann richtig was wert sein. :)

  • Interessant... wenn alle auch einen Kapuzenpulli anziehen wie ein unglücklicher junger Farbiger, der auf der Strasse erschossen wurde, ist das ein Statement gegen Rassissmus, wenn aber eine Firma einen Schuh herausbringt, der (wenn auch unabsichtlich) an die Sklaverei und somit den Rassissmus erinnert, ist das skandalös...
    Vielleicht sollte man den Schuh eher als offenen Anklage an die USA verstehen, sich mit der nach wie vor vorherrrschenden Rassendiskriminierung auseinanderzusetzen... Sozusagen ein öffentliches Statement "wir sind immer noch Sklaven!". Natürlich können Weisse diesen Schuh als Solidaritätsbekundung ebenfalls anziehen!

  • In Schuhe kann man Schweissfüse stecken, oder aber auch Scheixxe hineneinterpretieren. Macht halt jeder so wie er es will. Wenn wir schon dabei sind, sollten wir uns fragen, ob auch Nürnberger Würstchen auf irgend einen linksfaschistischen Index gehören.

  • einfach geschmacklos.
    Ein globales Unternehmen sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein.

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