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Skyline von London
(Foto: Getty Images)

Airbus, Ford, Sony Die Angst vor dem No-Deal-Brexit erfasst die Konzerne

Nicht nur britische Firmen, auch internationale Konzerne bereiten sich auf den harten Brexit vor. Und Manager finden deutliche Worte.
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DüsseldorfDeutlicher hätte sich der Airbus-Chef kaum ausdrücken können. „Hört nicht auf den Wahnsinn der Brexit-Befürworter, die behaupten, nur weil wir große Standorte hier haben, würden wir für immer hierbleiben“, warnte Tom Enders in einer eindringlichen Videobotschaft am Mittwoch das britische Volk. Und fügte unmissverständlich hinzu: „Sie irren.“

Dass ein Top-Manager sich so deutlich zu politischen Vorgängen äußert, ist selten – und verdeutlicht den Ernst der Lage für die europäische Wirtschaft. Kommt es am 29. März zu einem ungeordneten Brexit, dürfte das zwar auch einen Großteil der EU-Wirtschaft empfindlich treffen.

Doch in noch ärgere Bedrängnis würden wohl die Briten selbst geraten: Die Insel ist wirtschaftlich eng verflochten mit der EU. Wenn Schlagbäume gesenkt werden, verlieren viele britische Unternehmen über Nacht nicht nur ihre Kundschaft, sondern müssen zum Teil auch ihre eigenen Abläufe völlig umstellen.

Eines der besten Beispiele dafür ist der Flugzeugbauer Airbus: Der Konzern fertigt Teile seiner Flugzeuge in verschiedenen Ländern, die anschließend montiert werden. In Großbritannien entstehen unter anderem die Flügel. Rund 14.000 Briten sind bei dem Unternehmen beschäftigt, davon die meisten in Wales.

Verlieren die Flügel im Falle eines ungeordneten Brexits die Zulassung für die EU, dürfte das den Konzern vor große Probleme stellen. Für dieses Szenario droht Enders in seiner Ansprache den allmählichen Abzug des Geschäfts aus Großbritannien an.

Zwar sei es nicht möglich, die Fabriken von Airbus „augenblicklich“ in andere Teile der Welt zu verlagern, so der Manager. „Doch die Luftfahrt ist ein langfristiges Geschäft – und wir könnten gezwungen sein, künftige Investitionen im Falle eines No-Deal-Brexit umzulenken.“

Es ist längst nicht nur die britische Luftfahrtindustrie, die angesichts der anstehenden Parlamentsentscheidung am Dienstag um ihr Fortbestehen fürchten muss. So rechnet etwa allein der Autohersteller Ford mit Mehrkosten von 800 Millionen Euro, sollten sich die Briten in einigen Wochen ohne ein Abkommen aus der Europäischen Union verabschieden.

Firmen befürchten Unterbrechung der Lieferketten

So hatte der Sender „Sky“ am Mittwoch berichtet, dass der Konzern mit höheren Zöllen rechnet und sich wegen Unterbrechungen seiner Lieferketten sorgt. Gegenüber Reuters erklärte Ford-Finanzchef Bob Shanks, der Konzern habe sich auf den Fall der Fälle vorbereitet. In Großbritannien betreibt Ford zwei Motorenwerke, zudem geht ein Drittel der in Köln produzierten Fahrzeuge nach Großbritannien.

Während ein Teil der Unternehmen noch hofft, das Schlimmste abwenden zu können, bereiten sich einige schon auf den Worst Case vor. So hat die britische Reederei P&O Ferries bereits Anfang der Woche angekündigt, ihre vier in Großbritannien registrierten Fähren vor dem Brexit umzuflaggen, also andere Länder als Heimathafen der Schiffe anzugeben – in diesem Fall Zypern.

Schon im Dezember hatte P&O angekündigt, zwei seiner Fähren, die zwischen Frankreich und Großbritannien pendeln, künftig unter zyprischer Flagge fahren zu lassen. Dabei hat es die Schiffsbranche traditionell leichter als etwa das produzierende Gewerbe, unliebsame Regulierung zu umgehen: In der Regel reicht ein Eintrag in das jeweilige Schiffsregister des gewünschten Landes, um künftig unter dessen Gesetzgebung zu fallen.

Vor größeren Herausforderungen stehen da die zahlreichen internationalen Unternehmen, die angesichts des bevorstehenden EU-Austritts in den vergangenen Tagen einen Umzug ihrer Londoner Zentrale bekanntgegeben haben. So will etwa der japanische Elektronik-Hersteller Sony seinen europäischen Verwaltungssitz von der britischen Hauptstadt ins niederländische Amsterdam verlegen.

Ein Sony-Sprecher erklärte am Mittwoch, der Konzern wolle mit diesem Schritt „umständliche Zollprozeduren vermeiden“, sollte es zu einem harten Brexit kommen. Auch will der Konzern so eine Europa-Vertretung innerhalb der EU behalten, während die britischen Mitarbeiter allerdings weiterhin auf der Insel beschäftigt bleiben sollen.

Ein Exodus der Unternehmen

Für großen Aufruhr sorgte auch der britische Technologiekonzern Dyson, der am Dienstag bekanntgab, seine Zentrale vom englischen Malmesbury nach Singapur zu verlegen. Der Gründer des bekannten Staubsaugerherstellers, James Dyson, dessen Vermögen auf zehn Milliarden Pfund geschätzt wird, gilt zwar als Brexit-Befürworter – doch immer mehr Kunden des Konzerns kommen aus Asien.

Zudem arbeitet Dyson derzeit an einem Elektroauto, das ebenfalls in Singapur gefertigt werden soll. Als wichtiger Entwicklungsstandort solle Großbritannien aber erhalten bleiben, teilte das Unternehmen mit. Auch an den für Großbritannien geplanten Investitionen will Dyson nach einem Brexit festhalten.

Einen regelrechten Exodus hat die britische Finanzindustrie zu verzeichnen: Mehr als 45 Finanzinstitute seien angesichts des britischen EU-Austritts dabei, ihre Präsenz in Deutschland zu verstärken oder neu zu etablieren, hatte die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen vor einigen Tagen bekanntgegeben.

Die drittgrößte britische Bank Barclays sieht sich indes für einen Brexit gut gerüstet. So erklärte Barclays-Chef Jes Staley am Donnerstag in einem Interview mit Bloomberg, dass die Bank sich auf die entstehenden Risiken gut vorbereitet habe.

Allerdings warnte der Manager auch vor den Folgen eines ungeordneten britischen EU-Austritts. „Kommt es zu einem harten Brexit, wird es einige Schocks geben“, so der Manager. „Ich glaube nicht, dass das hilfreich ist – weder für die EU noch für Großbritannien.“ Allein schon die Unsicherheit der vergangenen Wochen über die Zukunft des britisch-europäischen Verhältnisses habe die Wirtschaft in Großbritannien spürbar getroffen, so Staley.

Ähnlich äußerte sich in seinem Video auch Airbus-Chef Tom Enders: „Es ist eine Schande, dass es für viele Unternehmen auch zwei Jahre nach dem Brexit-Referendum noch unmöglich ist, für die Zukunft zu planen.“

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