Airbus-Konkurrent C919 Chinas Hoffnungsträger soll bald fliegen

Mit Verspätung, aber immerhin: Das Mittelstreckenflugzeug C919 soll in diesem Jahr erste Testflügen absolvieren. Die Maschine gilt als erstes chinesisches Modell, das gegen Airbus und Boeing antreten könnte.
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Luftfahrt: Ist Comac besser als Airbus und Boeing?

ShanghaiChina Hoffnungsträger im Passagierflugzeug-Wettstreit mit Airbus und Boeing soll einem Medienbericht zufolge in diesem Jahr zu ersten Testflügen abheben. Der Staatskonzern Comac habe die Fertigung seiner C919-Mittelstreckenflieger grundsätzlich abgeschlossen, meldete die Nachrichtenagentur Xinhua am Montag. Bislang lägen 450 Aufträge von 18 Kunden für die Maschine vor.

Weitere Einzelheiten wurden nicht bekannt, Comac-Vertreter waren während des chinesischen Neujahresfestes nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Comac wurde 2008 gegründet mit dem Ziel, China den Einstieg in dem vom US-Konzern Boeing und dem europäischen Rivalen Airbus beherrschten Markt für größere Passagierflugzeuge zu ermöglichen. Ursprünglich sollten die Testflüge im vergangenen Jahr beginnen. Allerdings zahlen die Chinesen Experten zufolge ein erhebliches Lehrgeld bei den Bemühungen, sich das notwendige Fach- und Fertigungswissen anzueignen.

Wer Boeing und Airbus herausfordert
huGO-BildID: 40216322 A Commercial Aircraft Corp. of China (COMAC) ARJ 21 -700 regional jet performs at the Airshow China 2014 in Zhuhai, south China
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Der staatliche Flugzeugkonzern Commercial Aircraft Corporation of China (Comac) hat einen klaren Auftrag: Er soll einen Industriesektor begründen, der es auf Dauer mit den westlichen Konkurrenten Boeing und Airbus aufnehmen kann. Der erste Vorbote der chinesischen Offensive ist nun gestartet: Der Regionaljet ARJ 21, der seine Premiere auf der Airshow China 2014 in Zhuhai, feierte. Mit 27 Millionen Dollar ist er deutlich preiswerter als die Konkurrenzmodelle und bietet 90 Passagieren Platz. Bisher liegen für den Flieger 278 Bestellungen vor.

Luftfahrtschau in Zhuhai
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Mit dem C919 (Bild) will Comac aber auch in das lukrative Mittelstreckensegment vordringen und der Boeing 737 und der Airbus A320 Konkurrenz machen. Im Jahr 2015 - und damit ein Jahr später als ursprünglich geplant - soll die C919 offiziell im Comac-Werk in Shanghai präsentiert werden. Zwei Jahre später will Comac die Musterzulassung in China, Europa und den USA erhalten. Dass die staatlichen chinesischen Fluggesellschaften die C919 kaufen werden, ist schon jetzt klar, weil das politisch so gewollt ist. Für Comac ist das ein Riesen-Startvorteil: Es gibt einen großen Heimatmarkt, auf dem Verkaufserfolge sicher sind. Und zufällig ist das auch noch der Markt auf der Welt, der derzeit am schnellsten wächst.

huGO-BildID: 20385471 ITAR-TASS: ZHUHAI, GUANDONG,
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Mit einem einzelnen Flugzeugtyp wird Comac aber keine Chance haben, sich international durchzusetzen. Laut Comac-Finanzchef Tian Min ist auch ein Langstreckenflieger geplant. Kein Wunder, schließlich ist das Unternehmen mit der C919 und dem ARJ21 (Asian Regional Jet 21) bisher zeitlich ausgelastet. Beim Design der C919 hat sich Comac verdächtig nahe am Airbus A320 orientiert. Westliche Analysten glauben, dass sich Comac über kurz oder lang etablieren wird. Langfristig werde China seine eigenen Flugzeuge bauen, die dem Weltstandard entsprechen, schreibt die Unternehmensberatung Roland Berger in einer Studie.

Embraer CEO Botelho adjusts his glasses during Reuters Aerospace and Defense Summit in Washington
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Derzeit der größte Konkurrent für Boeing und Airbus und die Nummer drei im Markt ist derzeit Embraer. Diesen Erfolg hat das brasilianische Unternehmen vor allem seinem ehemaligen Chef Mauricio Botelho (Bild) zu verdanken. Er übernahm den einstigen Staatsbetrieb kurz nach der Privatisierung 1995, sanierte ihn und brachte ihn wieder auf Kurs. Entscheidend für den Aufstieg des Herstellers war ein Deal mit Continental Express. Die damalige Regionaltochter von Continental Airlines wollte neue 50-Sitzer-Jets. Der brasilianische Flugzeughersteller setzte alles auf eine Karte und machte der Airline ein unschlagbares Angebot. Und tatsächlich ging beim Bau der ERJ 145 alles glatt. Am Ende kaufte die amerikanische Airline 275 Jets.

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Auf dem Erfolg konnte sich Embraer nicht ausruhen. Schon bald wurde die Embraer 170 angeboten, ein völlig neu konzipiertes Flugzeug mit 70 Sitzen, das in seiner verlängerten Version Embraer 195 heute bis zu 110 Passagieren Platz bietet. Schwierigkeiten gab es allerdings bei der Zuverlässigkeit der Maschinen. Embraer brauchte fast sieben Jahre, um schließlich das gewünschte Niveau zu erreichen. 2009 stieg der Flugzeugbauer schließlich auch ins Militärgeschäft ein. Die brasilianische Luftwaffe beauftragte das Unternehmen damit, ein neues Transportflugzeug mit der Bezeichnung KC-390 zu entwickeln. Der Rumpf dieser Maschine ist breiter als der der Boeing 767.

Airbus-Rivalen Boeing und Embraer arbeiten zusammen
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Die Modellpalette des brasilianischen Herstellers endet bisher bei Maschinen mit 124 Sitzplätzen, Boeings 737 beginnt bei 150 Sitzen. Pläne für ein größeres Passagierflugzeug hat das inzwischen privatisierte Staatsunternehmen mit 5,9 Milliarden Dollar Umsatz wegen der hohen Entwicklungsrisiken bisher nicht weiter vorangetrieben. Dafür konnte das Unternehmen dieses Jahr den Militärtransporter Embraer KC-390 präsentieren, der vor allem bei der brasilianischen Luftwaffe eingesetzt werden soll.

EMBRAER TECHNICIAN
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In Le Bourget stellten die Brasilianer die sogenannte E2-Serie vor, die grundlegende Verbesserungen an den Flügeln und bei der Avionik bringen soll. Embraer verspricht Treibstoffeinsparungen im zweistelligen Bereich und geringere Lärmbelastung sowie Einsparungen bei den Wartungskosten. Neben der kleinen E-175 mit maximal 86 Sitzplätzen bietet Embraer auch die größeren E-190 (max. 106 Sitze) und E-195 (max. 118 Sitze) an. Die bisher kleineste Maschine der E-Serie, die E-170, wird dann nicht mehr angeboten.

  • rtr
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