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Akkus für E-SUV Togg Batterieproduktion für Elektroautos: Türkei eröffnet Lithium-Förderstätte

Die Türkei baut das Elektro-SUV Togg und die Akkus gleich mit. Bald beginnt der Abbau des notwendigen Rohstoffs Lithium – ein echter Standortvorteil.
21.10.2020 - 16:20 Uhr Kommentieren
Neben einem Werk für Elektroautos entsteht auch eine Fabrik für Großbatterien in der Türkei. Dafür wird nun Lithium gefördert. Quelle: ddp/abaca press
Togg-Baustelle in Bursa

Neben einem Werk für Elektroautos entsteht auch eine Fabrik für Großbatterien in der Türkei. Dafür wird nun Lithium gefördert.

(Foto: ddp/abaca press)

Istanbul, Stuttgart Die Türkei will Ende des Jahres erstmals selbst mit dem Abbau von Lithium und der heimischen Produktion großer Lithium-Ionen-Batterien beginnen. Das kündigte Fatih Dönmez, Minister für Energie und natürliche Ressourcen des Landes, am Dienstag während eines Besuchs des staatlichen Bergbauunternehmens Eti in der westanatolischen Stadt Eskişehir an.

In der Anlage in Eskişehir will die Türkei zunächst mit dem Abbau von rund zehn Tonnen des Rohstoffs Lithium pro Jahr beginnen, erklärte Dönmez. „In den nächsten drei Jahren soll der Abbau dann auf fast 500 Tonnen pro Jahr hochgefahren werden.“ Aktuell importiert die Türkei jährlich fast 1200 Tonnen Lithium für verschiedene Zwecke.

Anfang Oktober wurde bereits der Grundstein für eine rund 24.000 Quadratmeter große Batteriefabrik im zentralanatolischen Kayseri gelegt. Im nächsten Jahr soll sie fertig sein. Mit dem Bau beauftragt wurde die Firma Aspilsan, die zu 98 Prozent der türkischen Luftwaffe gehört. Man werde die hier produzierten Lithium-Batterien auch in Autos verwenden, die im Inland hergestellt werden, kündigte Dönmez an.

Gürcan Karakas, CEO des türkischen Herstellerkonsortiums Togg, hatte im Gespräch mit dem Handelsblatt mit Blick auf die eigenen Elektrofahrzeuge bereits angekündigt, dass an einer national hergestellten Batterie gearbeitet werde. Zwar wurde nun bekannt, dass das Togg-Startmodell, ein E-SUV, zunächst mit in Deutschland produzierten Akkus des chinesischen Unternehmens Farasis ausgerüstet wird. Doch nach Anlauf der heimischen Batterieproduktion könnten künftige E-Fahrzeuge, etwa die vier weiteren von Togg geplanten Modelle, mit türkischen Batterien laufen.

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Standort erkennen

    Damit wird das Land nicht nur zum Konkurrenten etablierter Hersteller im aufstrebenden Markt für Elektroautos, sondern auch bei der Herstellung der wertvollen Batterien für solche Fahrzeuge. Das gilt auch für Deutschland. Hier bemüht man sich, überhaupt erst solche Produktionsstätten aufzubauen.

    Lithium-Ionen-Akkus werden wegen ihrer hohen Leistung bei geringem Gewicht häufig verwendet. Sie werden in Mobiltelefonen, Digitalkameras, Laptops oder Elektrofahrrädern verbaut. Aber vor allem sind sie die Schlüsseltechnologie für Elektroautos, in die die Hersteller Milliardenbeträge investieren. Die Lithium-Ionen-Akkus sind allerdings auch eines der teuersten Bauteile von Elektroautomobilen.

    100 Milliarden Euro Investitionen bei Rohstoffen

    Hier könnte womöglich der entscheidende Standortvorteil der Türkei liegen: Über türkische Medien sickerte durch, dass das erste Elektro-SUV aus der Türkei umgerechnet unter 25.000 Euro kosten könnte. Das wäre schon ohne günstigere Batterien, die in der Türkei produziert werden, ein Kampfpreis. In den kommenden Jahren könnte der Preis aufgrund der heimischen Lithium-Förderung und Akku-Fertigung noch zusätzlich fallen.

    Optisch erinnert das Modell an den Ford Edge oder das Modell Grand Cherokee der Marke Jeep. Quelle: TOGG
    Togg-Elektroauto

    Optisch erinnert das Modell an den Ford Edge oder das Modell Grand Cherokee der Marke Jeep.

    (Foto: TOGG)

    Für die Elektromobilität spielt die Preisentwicklung von Lithium sowie den entsprechenden Batterien eine große Rolle. Europäische Autohersteller sind auf Elektromotoren angewiesen, um die CO2-Grenzwerte für ihre Flotten einzuhalten. Unlängst verfehlte Ford nach Problemen mit den Batterien der Hybrid-Variante des SUVs Kuga diese Emissionsgrenze.

    Wenn die Pläne für alle Batteriefabriken weltweit realisiert werden, rechnen Rohstoffexperten mit einer bis zu siebenmal höheren Nachfrage – unter anderem für Lithium. Mehr als 100 Milliarden Euro an Investitionen sind nach Expertenmeinung in den nächsten zehn Jahren allein im Rohstoffbereich nötig, um den E-Auto-Hunger der Zukunft zu stillen.

    Vom Lithium-Ionen-Boom profitieren zukünftig vor allem Rohstoffkonzerne, die mit Lithium, Kobalt, Graphit und Nickel die begehrten Rohstoffe fördern. Ganz vorn mit dabei sind bekannte Namen wie der US-Riese Glencore, der amerikanische Chemiekonzern Albermale, aber auch die Belgier von Umicore sowie Unternehmen aus China, Japan oder Südkorea.

    Deutsche Chancen für Lithium-Abbau in Bolivien steigen wieder

    Deutschland ist bei der Sicherung der Versorgung mit dem Rohstoff, der auch „weißes Gold“ genannt wird, spät dran. Ein Jahrhundertdeal der deutschen Industrie mit Produzenten in Bolivien liegt seit einem Jahr auf Eis. Das Gemeinschaftsprojekt zwischen der schwäbischen Firma ACI Systems und dem bolivianischen Staatsunternehmen YLB war im Dezember 2018 in Berlin auch unter Mitwirkung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vereinbart worden.

    Grafik

    Es zielte darauf ab, Lithium aus dem bolivianischen Salzsee Uyuni zu gewinnen, wo die weltweit größten Vorkommen des Alkalimetalls vermutet werden. Geschätzt entspricht das 30 Prozent der Vorkommen in weltweit bekannten Lagerstätten.

    Für Deutschland war es ein riesiger Erfolg, dass nicht die USA oder China zum Zug kamen. Im bolivianischen Department Potosi, in dem der Salzsee liegt, war es aber zu Protesten gegen das Projekt gekommen, weil die lokale Bevölkerung nach Ansicht der Demonstranten nicht genug beteiligt wurde. Die damalige sozialistische Regierung von Evo Morales stoppte das Projekt.

    Mit der aktuellen Präsidentschaftswahl in Bolivien könnte wieder Bewegung in die Sache kommen. Es zeichnet sich ab, dass der frühere Wirtschaftsminister Luis Acre die Wahl gewinnt, auch wenn noch nicht alle Stimmen ausgezählt sind. Der Sozialist und langjährige Minister unter Morales hatte sich öffentlich dafür ausgesprochen, die Erschließung der Lithium-Vorkommen mit Deutschland als Partner fortzuführen.

    Mehr: Evo Morales: Lithium-Projekt mit ACI Systems war nicht vom Tisch

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