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Aktienkurs im Tiefflug Linde-Fusion mit Praxair wackelt – Aktionäre und Analysten lassen Enttäuschung freien Lauf

Das drohende Aus für den Industriegase-Merger schockiert die Börse. Doch Investoren warnen vor weitreichenden Zugeständnissen.
06.08.2018 Update: 06.08.2018 - 16:56 Uhr 1 Kommentar

„Linde bremst auch den Dax aus“ – Platzt der Deal mit Praxair?

München Die Investoren stecken angesichts des drohenden Scheiterns der Fusion von Linde und Praxair in einem Dilemma. Einerseits hatten die Kapitalmärkte den Zusammenschluss stets begrüßt, weswegen die schlechte Nachricht aus den USA am Montag prompt für einen Kurssturz der Linde-Aktie sorgte.

Andererseits fürchten Investoren aber auch, dass Linde und Praxair zu große Konzessionen machen könnten, um ein Platzen des Deals zu verhindern. „Wir wollen die Fusion, aber nicht um jeden Preis“, sagte Arne Rautenberg, Fondsmanager bei Union Investment, dem Handelsblatt. „Wenn die Zugeständnisse zu groß werden und man zu viel Geschäft verkaufen muss, stellt das die zu erwartenden Synergien infrage.“

Linde und Praxair wollen sich zum weltgrößten Hersteller von Industriegasen zusammenschließen. Das Projekt war von Anfang an auch stark kapitalmarktgetrieben. Linde sei nun einmal ein Unternehmen, das komplett im Streubesitz sei, sagte ein Insider. „Unser oberster Chef ist der Markt.“

Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle wollte mit der Fusion die Bewertung des Linde-Geschäfts auf das Niveau von Praxair heben. Milliarden an Börsenwert könnten so leicht geborgen werden, war er überzeugt. Zudem versprachen Linde und Praxair Synergien in Milliardenhöhe.

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    Hohe Anforderungen

    Und so war die Aktie seit 2016 nach Bekanntwerden der Pläne um 50 Prozent gestiegen. Angesichts des drohenden Scheiterns rauschte der Linde-Aktienkurs am Montagmorgen um knapp zehn Prozent in die Tiefe.
    In der Nacht zum Sonntag hatte Linde mitgeteilt, dass die US-Kartellwächter von der FTC „erhöhte Anforderungen an die kartellrechtlichen Freigaben“ gestellt hätten. Der Verkauf eines großen Teils des US-Geschäfts von Linde sowie einiger Standorte in Südamerika mit insgesamt 1,4 Milliarden Euro an den deutschen Konkurrenten Messer geht der FTC überraschend nicht weit genug.

    Anders als in den USA müssen die beiden Unternehmen in Europa wohl keine Verzögerungen in der kartellrechtlichen Prüfung befürchten. Bis zum 24. August muss die EU-Kommission über die Freigabe der Fusion entscheiden. Experten wie Werner Berg von der Kanzlei Baker KcKenzie rechnen damit, dass die Behörde sich zufriedengibt mit den Zugeständnissen von Linde und Praxair.

    Nach der Stellungnahme der amerikanischen FTC senkte Kepler Cheuvreux das Kursziel für die Linde-Aktie von 208 auf 188 Euro und die Empfehlung von „kaufen“ auf „reduzieren“. Analyst Martin Rödiger sieht die Chance, dass der Deal klappt, nur noch bei einem Drittel. Auch bei den beiden Unternehmen geht man nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen davon aus, dass das Scheitern nun eine realistische Möglichkeit ist.

    Die Fusion ist aus zwei Gründen in Gefahr. Zum einen könnte es sein, dass Linde und Praxair den Zeitplan nicht mehr halten können. Bis zum 24. Oktober müssen alle Kartellgenehmigungen vorliegen, sonst platzt der Zusammenschluss.

    Zum anderen haben sich die beiden Konzerne eine Schmerzgrenze gesetzt: Wenn sie wegen Kartellauflagen Geschäfte mit mehr als 3,7 Milliarden Dollar Umsatz oder 1,1 Milliarden Euro Betriebsergebnis verkaufen müssen, können sie sich den Zusammenschluss noch einmal überlegen.

    Die meisten Investoren würden ein Platzen des Deals bedauern. „Strategisch ergibt der Zusammenschluss Sinn“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem Handelsblatt. Allerdings hatte die DSW kritisiert, dass die Linde-Aktionäre über die Fusion nicht abstimmen durften. „Wenn man so etwas auf Biegen und Brechen durchpeitscht, bekommt man irgendwann Widerstand aus einer Ecke, aus der man ihn nicht erwartet hat“, sagte Bergdolt.

    Linde und Praxair halten es für wahrscheinlich, dass die Obergrenze bei den Kartellauflagen überschritten werden könnte. Nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen würde dies aber nicht automatisch ein Scheitern bedeuten. Derzeit berechneten die Experten im Haus genau, ob sich die geplanten Synergien noch lohnten, auch wenn man etwas mehr abgeben müsse. Eine erweiterte Obergrenze steht dem Vernehmen nach aber noch nicht fest.

    Begrenzter Spielraum

    Allerdings ist der Spielraum begrenzt. Linde und Praxair dürfen die versprochenen Synergien von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr nicht gefährden. Bevor zu große Zugeständnisse fällig werden, solle man die Fusion lieber abblasen, sagen Investoren. Die meisten Experten sind sich einig, dass Linde operativ gut aufgestellt ist. Für die Aktie sehe er nur begrenzte Risiken, so Analyst Chetan Udeshi von JP Morgan – er beließ sein Kursziel bei 230 Euro.

    Auch Aktionärsvertreterin Bergdolt sagte: „Linde steht ja gut da.“ Fondsmanager Rautenberg ist überzeugt: „Ein Scheitern wäre kein Drama, denn Linde hat mit den jüngsten Zahlen bereits eindrucksvoll gezeigt, dass das Unternehmen auch als eigenständige Firma die Kosteneinsparungen vorantreibt und die Profitabilität steigern kann.“

    In früheren Jahren galt Praxair als deutlich profitabler. Auch deshalb wollte Reitzle Praxair-Chef Steve Angel als CEO des neuen Konzerns. Doch hat Linde in den vergangenen zwei Jahren Boden gutgemacht und zuletzt annähernd das Profitabilitätsniveau der Amerikaner erreicht.

    Eine handfeste Führungskrise würde Linde bei einem Scheitern allerdings ins Haus stehen. Sie gehe davon aus, dass sich der Münchener Traditionskonzern bei einem Platzen der Fusion sowohl einen neuen Vorstands- als auch einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden suchen müsste, sagte Aktionärsvertreterin Bergdolt. CEO Aldo Belloni war ohnehin nur aus dem Ruhestand zurückgekehrt, um die Fusion über die Bühne zu bringen. Und Chefkontrolleur Wolfgang Reitzle habe sein Schicksal doch offensichtlich mit dem Gelingen der Fusion verknüpft. Bei deren Scheitern müsse er abtreten, sagte Bergdolt.

    Linde droht im Fall der Fälle nicht nur ein Führungsproblem in der Topetage. Denn die Personalplanung ist auch auf unteren Ebenen voll auf die Fusion ausgerichtet. Nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen haben Linde und Praxair auch schon die Personalfragen unterhalb des Vorstands weitgehend geklärt. Mitarbeit: Till Hoppe

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    1 Kommentar zu "Aktienkurs im Tiefflug: Linde-Fusion mit Praxair wackelt – Aktionäre und Analysten lassen Enttäuschung freien Lauf"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich halte die Fusion für überflüssig, schon alleine wenn ich die Umsatz-Gewinnstatistik aus dem obigen Artikel sehe. Es bleibt am Ende nur noch der gewinn von Praxair für die Aktionäre übrig. Und was soll dann das Ganze. Dann kann ich gleich die Aktien von Praxair kaufen und nicht die des fusionierten Konzerns. Bei welchem mir nur Kosten für die Fusion entstanden sind. Da haben nur die Berater und die Aufsichtsräte bzw. Vorstände verdient. Dem Aktionär bleibt kein Mehrwert.

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